Christina/ November 13, 2009/ Kultur

Riskanter Flirt auf dem Africa Boulevard„, so übertitelt gehen drei Autoren bei Spiegel Online mit ihrem Bericht über arabische Party-Nächte an den Start. Was folgt ist eine Beschreibung von „typischen“ Partynächten in drei verschiedenen arabischen (naja Teheran ist ja eher persisch) Städten: Teheran, Kairo und Damaskus. Es wird jeweils eine Nacht chronologisch aufgearbeitet. Um 5 Uhr morgens endet sie in Teheran, wo sie um 20 Uhr begonnen hatte.

Es wird Alkohol getrunken, es werden Drogen genommen, es wird geknutscht. „So what?“ möchte man fragen. Was also ist das Besondere oder das Informative an dem Bericht? Dass auch in Teheran getrunken wird, obwohl die Sittenpolizei überall ihre Augen hat? Dass unverheiratete Frauen in Ägypten über 30 Jahre als alte Jungfern gelten? Dass in Damaskus junge Leute verschiedener Konfessionen miteinander ausgehen?

Ohne zu wissen, welches Bild der arabischen Jugend die Autoren aufzeigen wollten, gebe ich ein paar Fakten zu bedenken:

  • Der Bericht zeigt eine kleine Minderheit, die sogenannte „Jeunesse dorée“ der arabischen Ländern. Junge Leute, zumeist aus gutem Hause. Nur solche Leute können es sich überhaupt leisten abends auszugehen. Meist sind deren Eltern auch nicht besonders konservativ, sonst würde z.B. „Laila“ aus dem Bericht sicherlich nicht alleine als Frau abends zur Party fahren.
  • Angenommen wird sind eine Nacht mit deutschen Jugendlichen aus, sagen wir Berlin oder Hamburg unterwegs. Würde es dort wirklich soviel anders zugehen? Oder woher kommen die Berichte über sich ins Koma saufende Jugendliche mit einer immer höheren Kriminalitätsneigung?
  • Ich selber habe ein Jahr im arabischen Ausland gelebt. Auch ich bin fast jeden Abend unterwegs gewesen. Mit jordanischen Freunden. Keiner von diesen Freunden und Bekannten hat in meiner Gegenwart jemals Drogen genommen oder übermäßig viel Alkohol getrunken.

Wer diesen Artikel liest, sollte die Verhältnisse und Proportionen im Auge behalten. Es gibt immer solche und solche Jugendliche. Aber nicht den Jugendlichen, der für eine ganze Gesellschaft steht. Als ich im Winter letzten Jahres auf einer Silvester-Party in Pune, Indien, gewesen bin, war das in einem für indische Verhältnisse teuren Club. Dort habe ich junge Frauen gesehen, die Whisky aus der Flasche getrunken haben. Berechtigt mich dies darüber zu schreiben, um der Welt zu sagen, seht her, die jungen, reichen Inder haben nichts Besseres zu tun als zu feiern und zu saufen?

Der Artikel „Von Teppich zu Teppich“ zeigt, dass es auch besser geht!

Ausgehtipps aus dem Artikel:

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