Christina/ August 4, 2011/ Philosophisches

Als berufliche Beobachterin der Lehrerszene bin ich in verschiedenen Newsletter-Verteilern eingetragen. Gestern durfte ich erfahren, dass ein vielzitiertes Sommerloch mitunter auch etwas Positives haben kann. Der Newsletter der Internetseite „Lehrer-Online“ nutzte genau dieses „Sonnenloch“ (in Anspielung auf den verregneten Sommer 2011), um auf einige interkulturelle Projekte aufmerksam zu machen.

Die Entdeckung des arabischsprechenden Mitbürgers

Zwei der vorgestellten Projekte fielen mir besonders ins Auge. Es geht zum einen um den Schüleraustausch „Willkommen Türkei“, initiiert von der Robert Bosch Stiftung (RBS). Zum anderen geht es um die EU-Initiative klicksafe, die ab sofort Informationsmaterialien auch in arabischer Sprache zur Verfügung stellt.

Bei ersterem Projekt spricht die Robert Bosch Stiftung auf ihren Seiten von einer Programmwiederholung, die sich aufgrund der großen Resonanz auf die erste Durchführungsperiode ergeben hätte. Das lässt aufhorchen, da ein Interesse deutscher Schulen an der Auseinandersetzung mit „türkischen Lebenswirklichkeiten“ vorhanden zu sein scheint. Die Beschreibung des Projekts auf der Internetseite der Stiftung macht mich neugierig. Im Speziellen der Anspruch der Stiftung „Intensive Vor- und Nachbereitung sind Voraussetzung. Dazu müssen jeweils eine deutsche und eine türkische Schule partnerschaftlich zusammenarbeiten“ würde mich in der Umsetzung interessieren. Wie wird diese Vor- und Nachbearbeitung überprüft? Wie wird deren Qualität sicher gestellt und in welcher Form findet diese statt? Aus der einschlägigen Literatur (Auernheim, Gogolin und Co.) ist hinreichend bekannt, dass der Bereich „Interkulturelles Lernen“ in deutschen Schulen bislang sträflich vernachlässigt wurde. Es mangelt an Unterrichtskonzepten, entsprechend ausgebildeten Lehrern als auch möglicherweise am Interesse der Kultusministerien, das Thema in angemessener Weise in Angriff zu nehmen und in den Schulplänen zu integrieren. Die Realitätsanforderungen in deutschen Schulen dürften der Bürokratie mal wieder um Lichtjahre voraus sein!

Fremdverstehen als Voraussetzung interkulturellen Lernens

Ein Blick auf die Projektbeschreibung der RBS zeigt zunächst nicht, dass ein interkulturelles Lernen im Vordergrund stünde. Mit ein wenig Recherche stoße ich auf die Länderinformationen, die u.a. einige Hinweise zu kulturbedingten Verhaltensweisen in der Türkei geben, die der deutsche Schüler beachten und respektieren sollte. Anregung zu einer systematischen Vorbereitung und Selbstreflexion im Sinne eines „Fremdverstehens“ lässt das Vorhaben jedoch zunächst vermissen. Möglicherweise ist das dann die jeweilige Eigenleistung der Projektschulen. Aber auch das kann lediglich eine Vermutung bleiben, da der Menüpunkt „Projekte“ auf der Seite zwar elf Projekte bildhaft darstellt. Leider gibt es dazu keinerlei Projektbeschreibungen, so dass die Seite eine Nachvollziehbarkeit derselbigen schuldig bleibt. Schade, hier wurde Potential vergeben, denn ein paar knackige Projektberichte und –erfahrungen hätten richtig viel bewirken können. Als positiver Abschluss bleibt zu sagen, dass sich ein Blick auf die Link-Seite zum Projekt durchaus lohnt, genauso wie der ein oder andere Klick! Willkommen Türkei! Hoşgeldin Almanya!

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