Christina/ Juni 18, 2010/ Kultur

Zunächst die gute Nachricht: der Stadt-Staat Dubai ist Teil einer internationalen Studie, die 21 Weltstädte miteinader vergleicht. Nehmen wir die ehrgeizigen Ziele, die Dubai sich selbst gesetzt hat zum Maßstab, ergibt sich schnell die Frage, ob die Golfmetropole mit dem Ergebnis zufrieden sein kann. Seit dem Herbst 2009 scheint es im erfolgsverwöhnten Scheichtum zu kriseln. Was ist passiert und was wird Dubai, wegen seines straff geführten Regimes oft auch Dubai Inc. genannt, dagegen tun?

Eine Pressemeldung aus dem Juni 2009 informierte uns darüber, dass das Brand Dubai Office, das offiziell „Dubai Media Affairs Office (DMAO)“ genannt wird und von dem viel gepriesenen jungen Talent Mona al-Marri geführt werden soll, an den Start gegangen sei. Seitdem scheint sich jedoch nicht mehr viel getan haben. Die URL: http://www.branddubai.ae scheint nicht zu funktionieren oder ist schlicht abgeschaltet worden.

Eine Zeitungsmeldung aus dem Dubai Chronicle of January 10th, 2010, informierte uns, dass: „The new media office will monitor and analyse what is published by local, Arab and international media organisations about Dubai and latest public opinion trends dealing with events in Dubai. It will also monitor news and analyses on activities of the government and its officials and compile brief reports based on accurate scientific methods and raise them to the Ruler’s Court“. Nun, manch einer mag sich fragen, ob das Beobachten und Analysieren von Fremdmedien ausreichend ist, angesichts des täglichen Rufverlustes Dubais. Und dies besonders in Zeiten von „Social Media“, wo Nachrichten rasend schnell über das Internet verbreitet werden.

Es gibt sogar bereits Forderungen nach einem re-branding Dubai. Andere Autoren sind der Meinung, dass brand dubai is dented oder fragen: „What now for brand dubai?“ Hört sich das nicht so an, als müsste etwas seitens der Regierung getan werden?

Zurück zu den Ergebnissen der PWC-Studie. Das Zusammenspiel von Geschäftsvoraussetzungen, Finanzstabilität und weltweiter Kultur sind untersucht worden. Die zentrale Aussage der Studie ist demnach, dass je besser die Balance einer Stadt zwischen den Geschäftsbestrebungen und dem Wohl der Einwohnern ist, desto besser geht es der Stadt.

„The financial difficulties of Dubai, a fast-growing, regional financial capital, are notable. The city had not yet had the time to build a resilient, broad base and it neared bankcruptcy in the crisis“, so die Studie.
Die Untersuchung beruht auf öffentlich verfügbaren Daten und intensiver Forschung. 58 Variablen wurden zur Beurteilung der Städte herangezogen. Die 21 Städte wurden absteigend von der am besten bewerteten Stadt zu der am schlechtesten bewerteten Stadt sortiert. Dabei hat die am besten bewertete Stadt 21 Punkte pro Variable erhalten und die am schlechtesten bewertete jeweils 1 Punkt.

Im folgenden zeigen wir ausgewählte Bewertungspunkte für Dubai:

  • Humankapital: hier erhält Dubai 4 Punkte (von 21)
  • Transportmittel und Infrastruktur: Dubai erhält gute 15 Punkte (von 21)
  • Unterstützung der Geschäftstätigkeit: Dubai bekommt 9 Punkte (von 21)
  • Nachhaltigkeit: Dubai erhält lediglich 1 Punkt (von 21)!
  • Kosten: Dubai erhält 13 Punkte (von 21)
  • Lebensstil: Dubai bekommt 10 Punkte (von 21)

Seite 15 der Studie zeigt uns die Zusammenfassung der Ergebnisse: Dubai besetzt lediglich Platz 15 mit einer Gesamtpunktzahl von 159 Punkten (zum Vergleich: die Nummer 1 im Ranking „New York“ erhält 295 Punkte, während der letzte Platz, den die südafrikanische Stadt Johannesburg besetzt, auf nur 68 Punkte kommt. Was mich überrascht, ist das Abschneiden der indischen Metropole „Mumbai“ auf Platz 14 und damit einem Platz vor Dubai. Mumbai mag eine Stadt sein, die sich auf dem Weg nach oben befindet. Jedoch, jeder, der einmal dort gewesen ist – und das sagen sogar die Einheimischen – wird schnell feststellen, dass die indische Finanzmetropole noch einen langen Weg vor sich hat, um mit Dubai gleichzuziehen, hinsichtlich Lebensqualität oder Geschäftsgebahren.

Trotzdem, Dubai muss ebenfalls seine Hausaufgaben machen. Soviel ist sicher. Und, Dubai sollte über den offenen Dialog mit den Stakeholders nachdenken. Im Sinne eines PR-Krisenmanagements, so dass jeder die Nöte, Sorgen und den Handlungsweg der Metropole nachvollziehen kann. Das macht sympathisch und fördert das Verständnis von Touristen und Investoren

Share
Share this Post