Christina/ April 22, 2011/ Kultur

Das Thema „Kommunikation über (kulturelle) Grenzen hinaus“ scheint mir eins der spannendsten und kontrovers diskutiertesten der Gegenwart zu sein. Mittlerweile trage ich mich aufgrund nachhaltiger Faszination und mehrfachen „critical incidents„, die mich nachdenklich gestimmt haben, mit dem Gedanken, dieses Thema in einer Dissertation zu untersuchen.

So ein Vorhaben beginnt üblicherweise mit einer Recherche. Noch vor gut fünfzehn Jahren hätte diese in irgendwelchen Bibliothekssälen stattgefunden. Mittlerweile ist „Onkel Google“ eine hervorragende Unterstützung. Mit seiner Hilfe lassen sich aber nicht nur fundierte wissenschaftliche Artikel online finden, sondern auch jede Menge Kuriositäten, die Fragen aufwerfen. Von solchen Kuriositäten möchte ich heute berichten.

Bereits im Februar berichtete ich über das Thema „Ethnomarketing„. Eines der Bereich, in dem der wirtschaftliche Nutzen die kulturellen Bedenken schlägt, denn: Auch wenn der westlichen Wirtschaft die religiöse Prägung der (muslimischen) Einwanderer fremd bleibt, Geschäfte machen kann man ja trotzdem mit ihnen. Eine meiner heutigen Recherchen hat mich dann zur ersten „internationalen Konferenz für islamisches Marketing und Markenbildung“ geführt. Am Rande: Die Konferenz hat auch eine Facebook-Seite, konnte aber wohl nicht mehr als 12 Personen überzeugen. Stattgefunden hat die Konferenz bereits im November 2010, ohne Widerhall in der internationalen Presse. Jedenfalls kann ich mich an keine Berichterstattung erinnern.

Die Konferenz fand in Malaysien statt. Bekanntlicherweise ein „muslimisch geprägtes“ Land. Leider kann man auf der Website der Veranstaltung nichts über die Ergebnisse der Konferenz erfahren. Für mich stellt sich aber die Frage: Ist das nun ein Schritt in Richtung Zugeständnis westlicher Geschäftemacherei an eine neue vielversprechende Zielgruppe, die derzeit weltweit 1,2 Mrd. Menschen umfasst, ist es eine Abschottung der Muslime nach islamischer Gesetzgebung beworben zu werden oder ist es eine Annährung beider Seiten in Richtung interkulturelle Kompetenz?

Als ich nach einem der Vorträge im Internet suche, stoße ich auf diese Seite Idiots Guide to Islam. Ich bin mir sicher, dass sich zahlreiche solcher und ähnlicher Seite – mit sämtlichen religiösen Motivationen – finden lassen. Hier ist meine Frage: Braucht die Menschheit Feindbilder, um die eigenen Identität rechtfertigen und stabilisieren zu können? Im Sinne einer „In-Group“?

Eine der wohl positiven Ausprägungen des Widerstands in der Arabischen Welt ist sicherlich eine vermehrte Berichterstattung über das Geschehen in den betroffenen Ländern. Damit meine ich, endlich erfahren wir mal ein bisschen was über die Menschen vor Ort. In der „Neuen Zürcher Zeitung“ geht es um „Touria.“ Es geht mal wieder um eines der (stereotypen) Lieblingsthemen der westlichen Medien: „Einigen Frauen ergeht es im nordafrikanischen Königreich jedoch ähnlich: Sie leiden unter patriarchalischen Strukturen, die sie in ein enges Korsett zwängen – und bei Verstössen fallenlassen“, heißt es da unter anderem. Hoffnungsvoll endet der Beitrag dann mit den Worten: „Vielleicht weist die Geschichte den Frauen in Marokko einen ähnlich hoffnungsvollen Weg aus ihrer Isolation.“ Ja, der Artikel ist natürlich nicht falsch. Aber: Ist das wirklich alles, was es über das „neue Nordafrika“, damit meine ich Tunesien, Marokko und Ägypten nach der Revolution zu sagen gibt? Gibt es wirklich nichts anderes zu sagen, als dass diese Ländern noch einen langen Weg vor sich haben, bevor von einem (westlichen) demokratischen Verständnis gesprochen werden kann? Sollten wir uns nicht zunächst nicht mit den Menschen vor Ort freuen und sie in ihrem Vorhaben nach ihren Vorstellungen unterstützen? Und, hier wiederhole ich mich gerne, ist Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen wirklich ein islamischen Phänomen? Ja, ich glaube, was unserer interkulturelles Verständnis gegenüber dem vermeintlich Fremden betrifft, stehen wir noch sehr am Anfang.

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