Christina/ Juni 11, 2012/ Kultur

Im letzten Jahr berichtete ich vom Mode-Mekka München, in dem ich shoppingbegeisterte Golf-Araber aufspürte. Jetzt scheint mir die Karawane weitergezogen zu sein. Zu meiner völligen Überraschung traf ich sie nun im mondänen Zell am See, in Salzburg oder an den Krimmler Wasserfällen.

Unterwegs fiel mir auch der Begriff „Fremdenzimmer“ auf. Ein Terminus, den ich lange nicht mehr gesehen hatte. Interessanterweise ist er ins Englische auch nur mit „Guest room“, also Gästezimer, zu übersetzen. Passend zu dem Begriff bin ich auf folgenden Satz gestossen: „Der Fremde kann als Feind oder als exotisches Geheimnis konstruiert werden. Diese Janusköpfigkeit spiegelt sich auch in der etymologischen Verwandtschaft der lateinischen Begriffe hostis (Fremder/Feind) und hospes (Fremder/Gast)“.

Wird also dem Fremden als Feind oder dem Fremden als Exot ein Zimmer angeboten? Ist der Fremde nicht erstmal Gast, egal wo er hinkommt? Später ist der Begriff Fremdenzimmer wohl dem Gästezimmer gewichen, aber es lohnt sich sicher einmal über die Wahl dieser Wortzusammensetzung nachzudenken, die wohl nicht zufällig gewählt ist. Drückt sie Misstrauen aus?

Zur Entstehung des „Fremdenzimmers“ ist Folgendes Wikipedia nachzulesen. Interessant, es gibt und gab den gesuchten Begriff also nur in Deutschland und Österreich, in der Schweiz ist er nicht gebräuchlich. Fast nostalgisch ergänzt die „Zeit“ in einem Bericht über denselben Begriff, dass das Wort Fremdenzimmer „vom Aussterben bedroht sei„. Die Zeiten, als das Gästezimmer noch Fremdenzimmer hieß, muss man wohl den vor-globalen Zeiten zurechnen, wie Martin Hecht weiß: „Das freudvolle Versprechen des Projekts der Globalität liegt in der Freiheit einer bindungslos-unabhängigen Existenzweise, in der Coolness, ihr selbst eine eigene Identifikationsweise abzuringen, Wurzeln und Halt im Stadium des ewigen Aufbruchs zu finden. Es bedeutet aber auch die Verlusterfahrung, sich auf dieser Suche nicht einmal mehr fremd fühlen zu können und Fremdheit nicht mehr zu erleben, wo sie ihre schönsten Seiten hatte: im Unbekannten, Unerforschten, Ungezähmten.“

Share
Share this Post