Christina/ Mai 23, 2021/ Alltagsgeschichten, Kultur

An diesem Samstag wollen wir eigentlich die Bodensteiner Klippen neu entdecken. Warum unverhofft alles beim alten bleibt und wir den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, davon möchte ich heute erzählen. Überrascht hat uns zudem, dass der Beichtstuhl von Bankberatern eine Schutzhütte im Wald ist.

Wo starten wir?
Ausgestattet mit einer heruntergeladenen GPS-Tour fahren wir an diesem Samstag bei noch sonnigem Wetter los in Richtung Hildesheim. Es wundert mich schon etwas, dass Frederik für den Startpunkt unserer Tour keinen Ortsnamen hat, denn lt. GPS sollte dieser Nienhagen sein. Aber zunächst denke ich mir nichts weiter dabei, denn bei einem Rundweg kann man theoretisch ja von jedem Punkt der Wegstrecke aus starten.

Allerdings gestaltet sich bereits die Anfahrt zum Ausgangspunkt schwierig. Bei Bockenem macht uns das Navi einen Strich durch die Rechnung und schickt uns auf die A7 zurück. Wir drehen eine Extraschleife und fahren Richtung Neuekrug. Ich denke ja immer noch, dass wir irgendwo in der Nähe von Henneckenrode starten werden. Aber unser Parkplatz liegt direkt an der Straße, irgendwo im nirgendwo. Naja, vielleicht liegt Henneckenrode um die Ecke?

Wir machen uns startklar. Es ist sehr frisch an diesem Morgen, wir ziehen alles an, was wir dabei haben. Zunächst überqueren wir die Landstraße und gehen in den Wald. Ah, was für ein Glück, gleich zu Beginn erreichen wir eine Stempelstelle, nämlich die Nummer 9 des Nördlichen Harzvorlandes.

In der Klippenwildness
Von der Stempelstelle geht es zunächst steil bergauf in die Klippenwildness bei Bodenstein. Kreuz und quer wandern wir hoch und runter auf weder markierten noch gut erkennbaren Pfaden. Irgendwann kommen wir auf einen breiten Wanderweg. Vor uns liegt Bodenstein, hier biegen wir links ab. Rechts von uns blühen die lilafarbenen Taubnesseln und Vorsicht eine Schnecke kreuzt unseren Weg.

Der Himmel wird immer trüber, es fällt leichter Regen. Auch der Wind frischt ziemlich auf. Zeit für eine kleine Pause. Wir erreichen das Jägerhaus, das gefühlt schon seit drei Jahren umgebaut wird und leider weder eine Sitzgelegenheit noch Schutz vor dem Wind bietet. Da zudem der Zugang zur Hubertusgrotte gesperrt ist, gehen wir ein Stück weiter und tauchen wieder in den Wald ein. Von früheren Spaziergängen weiß ich, dass hier gleich eine Bank kommt. Und genauso ist es. Stolz packe ich mein neues Sitzkissen aus und wir nehmen Platz. Mit mitgebrachten Broten, Nüssen und Aprikosen machen wir es uns gemütlich.

Eine Schutzhütte als Beichtstuhl?
Leider ist der Weg vom Jägerhaus zur Steinberghütte nur eines: langweilig. Wir kürzen die Strecke ein wenig ab und fangen schon fast an zu halluzinieren als wir auch noch ein Stück auf der Landstraße gehen müssen, anders kann ich mir unser Gesprächsthema, in dem es um Heroin, Haschisch und Kokain geht, nicht erklären. Allerdings finde ich es interessant von Frederik zu erfahren, dass Heroin einst als Medikament entwickelt wurde.

Vom Asphalt runter biegen wir nach rechts in Richtung Geroldsklippe ab. Wir gehen jetzt in westlicher Richtung. Nun frischt der Wind erst richtig auf und es regnet auch immer wieder ein wenig. Schließlich errichen wir die Steinberghütte und lernen, dass sich an dieser Stelle gerne auch mal Bankberater ausheulen, denn woher sonst soll die folgende Aufforderung stammen: Googeln! Bankberater packen aus!

Etwas Kultur zum Abschluss
Leider wird das Wetter immer ungemütlicher. Wir gehen aber tapfer weiter, erklimmen zuerst die Geroldsklippe und dann die Sofaklippe, die bei der Witterung leider nicht zum Verweilen einlädt. Schließlich passieren wir auf dem Rückweg noch das Bodensteiner Klippenplateau und erreichen dann wieder den Schmiedeteich und die Stempelstelle Bodensteiner Klippen.

Wir wissen ja alle, dass Rohstoffe immer wertvoller werden, das haben auch die “Macher” vom Schmiedeteich erkannt, deshalb steht auf einer Messingplatte: “Gestohlen vom Schmiedeteich Bodenstein.”

Und ganz am Ende unserer Wanderung kommt doch noch die Wahrheit ans Licht. Ich bin ja die ganze Zeit davon ausgegangen, dass wir die Bodensteiner Klippenrunde von Henneckenrode aus machen und schlage deshalb vor, dass wir uns noch das nahegelegene Schloss anschauen. Bei der Eingabe der Zieladresse merken wir allerdings, dass Henneckenrode 11 Kilometer von unserem Standort entfernt ist. Wie das denn? Habe ich mir den falschen Track heruntergeladen oder war ein falscher hinterlegt? Hm, ich google wie wild, das will ich jetzt wissen. Und plötzlich kurz vor Henneckenrode sehe ich das Schild “Nienhagen”. Moment, hier hätte doch unsere Tour eigentlich beginnen sollen. Und während ich noch so am Nachdenken bin, stehen wir in Henneckenrode vor dem Schloss und merken es nicht! Nur drei Meter vom Gebäude entfernt geben wir die Adresse erneut bei Google Maps ein: Oh, nein, wir standen bereits davor!

Danke an Google Fu!
Das “falsche Route”-Geheimnis hat sich dann auch noch gelöst. Tatsächlich gibt es bei Komoot zwei Touren mit fast identischem Namen: Geroldsklippe – Bodensteiner Klippenplateau Runde von Bodenstein und Geroldsklippe – Bodenteiner Klippenplateau Runde von Henneckenrode. Naja, da kann “Frau” sich schon einmal vertun:-) Und danke an Google-Fu aka Frederik!

Touraufzeichnung

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