Christina/ August 12, 2019/ Alltagsgeschichten, Kultur

Klippen mit teils fantasievollen Namen, wie Mausefalle oder Ziegenrücken, kennen wir in erster Linie aus dem Harz. Weniger bekannt dürften die Bodensteiner Klippen südwestlich von Salzgitter sein. Ein wirklich lohnenswertes Ziel. Warum ein guter Orientierungssinn, ein Navigationsgerät und lange Hosenbeine beim Erklimmen der Sandsteinformationen von Vorteil sind lest ihr in diesem Beitrag.

Zur Orientierung: Die Bodensteiner Klippen erstrecken sich auf einer Länge von etwa vier Kilometern zwischen Bodenstein und dem Jägerhaus am Hainberg. Der Hainberg ist überwiegend mit Buchen bewaldet und ist somit ein kleines Wanderparadies.

Historischer Boden

Zu Beginn der Wanderung erfahren wir von unserem Wandermeister Uwe, dass wir nicht nur in einer schönen Landschaft, sondern sogar auf historischem Boden wandeln. Denn vor fast 400 Jahren hat in dieser Gegend eine Schlacht des dreißigjährigen Krieges stattgefunden: in Lutter am Barenberge. Hier besiegte im Frühjahr 1626 Tilly, Feldherr der katholischen Liga, in einer Schlacht König Christian von Dänemark, den Feldherrn des Niedersächsischen Reichskreises mit weitreichenden Folgen.

Im Bodensteiner Dschungel

Nach dieser kleinen Geschichtsstunde starten wir direkt im Ort Bodenstein, ca. 4 km von Salzgitter-Ringelheim entfernt. Kurz nach dem wir die Asphaltstraße verlassen haben, beginnt auch schon das Abenteuer. Es geht durch das Gestrüpp. Zum Glück hatte ich mich ein wenig vorbereitet und die „Beine“ meiner Zip-Hose dabei. Die zog ich dann schnell mal wieder an, um mir keine Zecken einzufangen. Querfeldein –natürlich ohne Ausschilderung – geht es zur ersten Felsformation. Die Wege sind schmal und zugewachsen, sodass schnell ein wenig „Dschungelfeeling“ aufkommt durch das uns Uwe sicher leitet. Von der Größe der „Sandsteinhärtlinge“ sind wir beeindruckt – ein solches Naturschauspiel hätten wir in dieser Gegend nicht erwartet. Und das ist erst das Vorgeplänkel, wie wir später feststellen.

Durch diese schmale Gasse muss er kommen

Es geht weiter auf verschlungenen Pfaden und nach einiger Zeit erreichen wir die erste Sandsteinkette. Majestätisch ragen die Klippen vor uns auf. Aufgeregt wie kleine Kinder umrunden wir das geologische Wunder und quetschen uns durch eine enge Felsspalte. Wir passieren die Geroldsklippe und erreichen schließlich das Jägerhaus, eine ehemalige Gaststätte. Am Potsdamer Platz ergattern wir sogar noch einen Stempel aus der Sammlung „Nördliches HarzVorland“. Nach einer kurzen Pause wollen wir uns noch der Hubertusgrotte widmen.

Schutzpatron der Jäger

Die Hubertusgrotte überrascht uns mit ihren Details. Neben einem Hubertus-Relief, das dem gleichnamigen Schutzpatron der Jäger gewidmet ist, sind Innenschriften zu entdecken. Hierbei soll es sich wohl um Herren der „höheren“ Gesellschaft handeln, die einst hier jagden. Auch eine Sonnenuhr lässt sich im weichen Sandstein ausmachen. Recht beeindruckt treten wir den Rückweg an, nicht wissend, dass uns noch ein weiteres Highlight erwartet.

Die Einsiedlerhütte von Günther Hamker

Doch bevor es noch einmal anstrengend wird, stoßen wir auf die Einsiedlerhütte von Günther Hamker, der seit mehr als 50 Jahren in einer Waldhütte an den Bodensteiner Klippen lebt. Wir werfen einen kurzen Blick auf das Anwesen – wollen aber nicht stören.

Sofa mit Aussicht?

Wir marschieren weiter und kommen wieder an eine Klippe. Ich dachte, hier wären wir bereits gewesen. Es geht nochmals steil bergauf. Uwe hüllt sich in beredtes Schweigen, hat dadurch aber alle Mühe, die Gruppe zu einem letzten Kraftakt zu bewegen. Die letzten Energiereserven werden mobilisiert. Allerdings, noch fehlt der Anreiz, da kein Ziel erkennbar ist. Uwe redet mit Engelszungen auf uns ein, spricht von späterer Belohnung und so. Nach anfänglichen Meutereiversuchen zeigt sich die Gruppe lammfromm und trottet hinter unserem Tourenführer hinterher.

Oben angekommen wischen wir uns den Schweiß von der Stirn. Ein leichtes „Oh“ und „Ah“ entfleucht unseren Lippen, ja, es sind die Sofaklippen. Begeistert setzen wir uns hin, knipsen Fotos als Erinnerung und füllen den Tank auf. Eigentlich wäre hier auch noch eine Stempelmöglichkeit gewesen – aber die haben wir wohl übersehen?

Jetzt ist es nicht mehr weit zum Parkplatz und dann lockt bereits der Gedanke an Kaffee, Kuchen oder Eis im Hofcafé „Zum alten Gustav“. Bei dem Namen muss ich in mich hineinschmunzeln. Kann das sein? Mein brauner Kuschel-Teddybär heißt Gustav, ob das wohl Verwandtschaft ist? Zufrieden genießen wir unsere Belohnung im Café und blicken auf den schönen Tag zurück.

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