[:de]Wanderung rund um den Kaiserdom von Köngislutter[:en]Hike around the Imperial Cathedral of Königslutter[:]
[:de]An diesem Sonntag wollte ich eigentlich in den Harz fahren, Herr Weselsky wollte das aber nicht:-( Also, sind meine Freunde aus dem Harz einfach zu mir gekommen. Vorab habe ich mir natürlich die Frage gestellt, was ich den beiden wandererfahrenen und -verwöhnten Herrschaften guten Gewissens anbieten kann. Diese Überlegung hat mich zu Königslutters Prachtbau, dem Kaiserdom, gebracht. Und Strike: Der Ausflug wird ein voller Erfolg. An diesem Tag hat nicht nur die Sonne gelacht, auch uns ist das Herz im Kaiserdom und später im Reitlingstal weit aufgegangen.
Königslutter und sein Kaiserdom
Die kleine Stadt am Elm, in eingeweihten Kreisen auch Kingstontown genannt, hat einen Prachtbau zu bieten, den man hier vielleicht nicht vermuten würde: den Kaiserdom. Ich wage zu behaupten, dass diese Kathedrale selbst geübte Domgänger überraschen wird. Die Malereien im Inneren des Doms alleine sind einen Besuch wert. Der Innenraum ist mit farbenprächtiger Kunst geschmückt, die aus dem Jahr 1890 stammt. Dabei wechseln sich Darstellungen mit biblischen Inhalten und dekorativen Fassungen ab. Zusammen mit der Kirchenausstattung aus derselben Zeit – Fenster, Altäre, Bänke, Leuchter, Kanzel und Orgel – bilden sie ein bedeutendes Gesamtkunstwerk des Historismus. Wir jedenfalls, haben staunend den Dom betreten und haben denselbigen begeistert später verlassen. Was für ein Auftakt!
Auf nach Lutterspring
Als wir den Kaiserdom wieder verlassen, hat sich die kalte Luft des Morgens bereits erwärmt. Wir spazieren entlang der Dommauer und erreichen die Lutter. Wir laufen an dem schönen Bach entlang, mit dem Ziel zur Lutterquelle zu gelangen. Ab und zu wird unser Weg durch umgefallene Bäume erschwert. Ansonsten erfreuen wir uns am glitzernden Wasser und einen kleinen Wasserfall, der vor 150 Jahren künstlich für die Kurgäste angelegt wurde. Nur ein paar Minuten später erreichen wir Lutterspring. Von dort geht weiter zum Erlebnissteinbruch Hainholz.
Tatsächlich verlaufen wir uns ein wenig auf dem ausgedehnten Gelände und stellen fest, dass wir nicht die einzigen sind. Schließlich schmeißt Christian sein GPS an, sodass wir bald wieder auf dem richtigen Weg sind. Nun sind wir auf dem Pfad zum großen Funkturm im Elm, dem Sender Drachenberg. Der 181 Meter hohe, abgespannte Stahlgittermast diente zur Verbreitung von Hörfunkprogrammen auf UKW und DAB. In der Anfangszeit wurde das analoge Programm des Deutschlandfunk ergänzend zur Kurzwelle über UKW von hier gesendet. Wir erreichen die kleine Schutzhütte, die hier steht und haben nochmals ein Verständnisproblem mit der Wegbeschreibung. Christian bringt uns abermals auf den richtigen Weg. Ein Schild sagt uns zudem, dass wir in Kürze das Gasthaus im Reitlingstal erreichen werden. Das klingt verheißungsvoll.
Ein Platz an der Sonne
Wir kommen an das Wirtshaus und stellen voller Begeisterung fest, dass es bereits Außenplätze gibt. Die schönste Sitzgelegenheit, die nicht nur direkt in der Sonne liegt, sondern auch einen herrlichen Blick über das Reitlingstal ermöglicht, ist noch besetzt. Aber: die „Besetzer“ haben gerade ihr Portemonnaie gezückt und sind im Aufbruch begriffen. Wir können unser Glück kaum fassen und okkupieren natürlich sofort die wunderschöne Holzbank. Jetzt kommt allerdings unser größtes Problem: Wie schaffen wir es, diesen paradiesischen Platz wieder zu verlassen? Angsichts der Tatsache, dass wir noch sieben Kilometer Rückweg vor uns haben und die Sonne bald untergehen wird, gelingt uns schließlich die Trennung.
Der Rückweg über den Tetzelstein ist dann noch einmal recht lang. Die beschriebene Route haben wir auch schon lange verlassen, aber egal, Hauptsache wir kommen zurück. Bei dem schönen Vorfrühlingswetter ist an der Waldgaststätte Tetzelstein einiges los. Anziehungspunkt ist jedoch eindeutig ein Gefährt vor den Toren der Gaststätte. Zuerst sehen wir eine Kuh auf Rädern, die ist natürlich nicht echt. Die Kuh ist an einem Motorrad festgemacht. Der Feuerstuhl wiederum hat einen Beisitz. Und in diesem sitzt kein Geringerer als ein sehr großer, beiger Teddybär, von der Art, wie man ihn auf dem Jahrmarkt schießen kann. Das Ganze ist so kurios, dass fast jeder, der vorbeikommt, ein Foto macht.
Wir passieren die Gaststätte und den Tetzelstein und biegen links ab. Der restliche Weg führt uns durch den Elm. Bald geht es auf einem breiten Waldweg, parallel zur Landstraße Richtung Königslutter. Es wird langsam dämmerig und die schwindende Attraktivität der Umgebung gibt uns das Gefühl, dass der Rückweg endlos ist. Plötzlich aber wird es zum Schluss noch einmal spannend. Wir überqueren eine Wiese im Dämmerlicht und sehen gerade noch rechtzeitig, dass am Ende ein Drahtzaun ist. Einer von uns schlägt trotzdem einen Purzelbaum. Es geht aber alles gut. Bergab kommen wir dann an einer Art Altenheim vorbei und dann sehen wir auch schon wieder die Türme des Kaiserdoms vor uns. Im letzten Abendlicht und nach gut 16 Kilometern erreichen wir unseren Ausgangspunkt. Die Wanderung hat auch die Profis aus dem Harz überzeugt.
[:en]On this Sunday, I had actually planned to go to the Harz mountains, but Mr. Weselsky didn’t want to go:-( So, my friends from the Harz simply came to me instead. In advance, I naturally wondered what I could offer the two experienced and spoiled hikers with a clear conscience. This consideration led me to Königslutter’s magnificent building, the Imperial Cathedral. And bingo: The trip was a complete success. On this day, not only did the sun shine, but our hearts also opened wide in the Imperial Cathedral and later in the Reitlingstal valley.
Königslutter and its Imperial Cathedral
The small town at the Elm, known in certain circles as Kingstontown, offers a magnificent building that one might not expect here: the Imperial Cathedral. I dare say that this cathedral will surprise even experienced cathedral-goers. The paintings inside the cathedral alone are worth a visit. The interior is adorned with colorful art dating back to 1890. Biblical depictions and decorative frames alternate. Together with the church furnishings from the same period – windows, altars, pews, chandeliers, pulpit, and organ – they form a significant work of historicism. We, in any case, entered the cathedral in awe and left it enthusiastically later on. What a start!
On to Lutterspring
As we leave the Imperial Cathedral, the cold morning air has already warmed up. We stroll along the cathedral wall and reach the Lutter stream. We walk along the beautiful stream, aiming to reach the Lutter spring. Occasionally, our path is hindered by fallen trees. Otherwise, we enjoy the sparkling water and a small waterfall, artificially created 150 years ago for the spa guests. Just a few minutes later, we reach Lutterspring. From there, we continue to the Hainholz quarry.
In fact, we get a little lost on the extensive grounds and realize that we are not the only ones. Eventually, Christian turns on his GPS, so we soon find our way again. Now we are on the path to the large radio tower in the Elm, the Drachenberg transmitter. The 181-meter-high guyed lattice steel mast was used for broadcasting radio programs on FM and DAB. In the early days, the analog program of Deutschlandfunk was broadcast from here on FM in addition to shortwave. We reach the small shelter here and have another understanding problem with the directions. Christian once again gets us back on track. A sign also tells us that we will soon reach the inn in Reitlingstal valley. That sounds promising.
A place in the sun
We arrive at the inn and enthusiastically find that there are already outdoor seats. The most beautiful seating, not only directly in the sun but also with a magnificent view over the Reitlingstal valley, is still occupied. But: the „occupants“ have just pulled out their wallets and are about to leave. We can hardly believe our luck and immediately occupy the beautiful wooden bench. Now, however, comes our biggest problem: How do we manage to leave this paradise-like place again? Considering the fact that we still have seven kilometers of return journey ahead of us and the sun will soon set, we eventually manage to tear ourselves away.
The way back via Tetzelstein is quite long. We have long since left the described route, but never mind, the main thing is that we get back. With the beautiful early spring weather, there is a lot going on at the Tetzelstein forest inn. However, the focal point is clearly a vehicle in front of the inn’s gates. First, we see a cow on wheels, which is, of course, not real. The cow is attached to a motorcycle. The motorcycle, in turn, has a sidecar. And in this sidecar sits none other than a very large, beige teddy bear, of the kind you can shoot at the fair. It’s all so curious that almost everyone passing by takes a photo.
We pass the inn and Tetzelstein and turn left. The remaining path leads us through the Elm forest. Soon we are on a wide forest path, parallel to the highway towards Königslutter. It’s slowly getting dusk, and the fading attractiveness of the surroundings gives us the feeling that the way back is endless. Suddenly, however, it becomes exciting again. We cross a meadow in the twilight and just in time see that there is a wire fence at the end. One of us still somersaults despite this. But everything is fine. Going downhill, we pass a kind of nursing home, and then we see the towers of the Imperial Cathedral ahead of us again. In the last evening light and after a good 16 kilometers, we reach our starting point. The hike has also convinced the pros from the Harz mountains.
