Christina/ Oktober 6, 2010/ Kultur

Die Karawane zieht weiter, die Themen bleiben dieselben. Während in Dubai noch gespart wird, ist beim großen Bruder Abu Dhabi der Bauboom im vollen Gange. Im letzten Jahr war es die Formel-Eins-Strecke auf Yas Island, jetzt ist es die Fertigstellung der neuen Sheikh-Zayed-Moschee, die bezeichnet als „Prunkbau von majestätischer Grösse und orientalischer Schönheit“, Zeitungen wie der „Neuen Züricher Zeitung“ (NZZ) vom 01.10.2010 einen Artikel wert ist.

Auch hier wird sofort der Vergleich zum bisherigen Vorzeige-Emirat Dubai gezogen: Ein Pendant zu Dubais „The Palm“ wolle man inszenieren. Dazu gehöre neben dem Bau von „Masdar City“ auch die Abu Dhabi vorgelagerte Insel „Saadiyat“, auf der neben 38 000 Appartements, 8000 Luxusvillen und 29 Fünf-Sterne-Hotels in den nächsten Jahren das Vorzeige-Kunst- und Kulturzentrum mit einem Ableger des Pariser Louvre und des New Yorker Guggenheim-Museums entstehen soll.

Mit Kunst(schätzen) will es auch das Nachbar-Emirat Dubais „Sharjah“ versuchen. Hochkarätige Museen, lange Strände und eine entspannte, wenn auch „trockene“ Atmosphäre (in Sharjah wird kein Alkohol verkauft) sollen die Touristen anlocken. Dabei verfolge man, so der Artike der NZZ vom 01. Oktober weiter ein Konzept, nachdem der Reisende nach Sharjah kommt, um die Hektik und den Gigantismus Dubais hinter sich zu lassen und im drittgrößten Emirat dann wieder auftanken zu können. Wohlgemerkt Energie, nicht Alkohol. Immerhin kann sich Sharjah bereits jetzt rühmen 1998 „Kulturhauptstadt der arabischen Welt“ gewesen zu sein. 2014 wird es dann „Kulturhauptstadt der islamischen Welt“ für ein Jahr sein.

Als dritter Staat im Bunde, der neuerdings verstärkt um die Gunst der Touristen wirbt, ist der Oman. Auch hier berichtete die NZZ (man wird das Gefühl nicht los, dass es sich um PR-induzierten Journalismus handelt) über „Oman Air als Pionier: Internetzugang mit dem Handy an Bord als erste Fluggesellschaft der Welt“, „Luxus unter Dattelpalmen“ oder eine Tour durch die „Rub al-Khali“ (das leere Viertel), eine der größten Sandwüsten der Erde, die Teile Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, Jemens und eben des Omans umfasst.

Es wird also mal wieder viel über Luxusherbergen, imposante Bauten und futuristische Projekte berichtet. Leider erfahren wir nichts über die Menschen dahinter. Gehen Sie – gedanklich – mit den gigantischen Projekten und Zielen ihrer Herrscher konform oder handelt es sich vielmehr um eine Machtdemonstration nach Außen, die von der Bevölkerung, wenn auch nicht in Gänze gewünscht, mitgetragen wird? Warum nicht einmal über die „Geschichten dahinter“ berichten? Vielleicht ein kleiner Denkanstoss für einige Berichterstatter ..?

Zum Weiterlesen:

  • Im „Leeren Viertel“: Eine Tour durch die Weite der Rub-al-Khali-Wüste in Oman ist eine Lektion in Demut. In: Neue Züricher Zeitung vom 01.10.2010, Nr. 228, Seite 59 (Reisen und Freizeit).
  • Luxus unter Dattelpalmen. In: Neue Züricher Zeitung vom 01.10.2010, Nr. 228, Seite 59 (Reisen und Freizeit).
  • Ein Märchen in Weiss: Die neue Sheikh-Zayed-Moschee in Abu Dhabi ist ein Prunkbau von majestätischer Größe und orientalischer Schönheit. In: Neue Züricher Zeitung vom 01.10.2010, Nr. 228, Seite 61 (Reisen und Freizeit).
  • Dubais ehrgeizige Nachbarn: Das Emirat Sharjah profititiert von seiner Nähe zur Megacity und setzt stark auf seine kulturellen Schätze. In: Neue Züricher Zeitung vom 01.10.2010, Nr. 228, Seite 62 (Reisen und Freizeit).
  • Abu Dhabi – Arabische Schönheit. In: artundreise. Kunst, Kultur, Lifestyle- und Reisemagazin. September 2010, S. 67-73.
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