Christina/ September 22, 2014/ Kultur

Ja, ich gebe es zu, als ich das erste Mal ein Buch von Paulo Coelho in der Hand hatte und auf eine Empfehlung hin las, wusste ich zunächst nicht, was ich von seiner Erzählweise und seinen Ausflügen ins Übersinnliche halten sollte. Damals hatte ich „Fräulein Prym und der Dämon“ in den Fingern. Ich las das Buch dann auf einer Reise durch Lybien. Ich fand es auch ganz gut, war aber nicht wirklich „angefixt“. Eine Zeitlang später empfahl mir ein Freund, der der „esoterischen Schiene“ Coelhos um einiges näher stand als ich, dann sein Werk „Elf Minuten“. Auch das Buch fand ich nicht schlecht, aber auch nicht magisch. Ich erklärte es mir so, dass schließlich auch ich im Erziehungsstil der abendländischen Rationalität erzogen worden war, d.h alles, was sich nicht beweisen oder errechnen lässt, d.h. in irgendeinem Sinne logisch ist, kann nicht sein oder ist bloß ein Gefühl und mit Gefühlen stimmt ja bekanntlich manchmal einiges nicht.

Trotz allem fiel mir immer mal wieder in der Stadtbücherei -durch Zufall?- etwas von Coelho in die Hände, z.B. „Brida„. Ich merkte wohl, dass mich Coelho noch nicht ganz konzeptionell überzeugt hatte, ich mittlerweile aber mehr mit seinem „Stil“ mehr anfangen konnte.

Trotzdem hat es bestimmt weitere fünf Jahre gedauert, bis ich diesen Sommer „Der Alchemist“ und „Aleph“ in der Hand hatte. Auch diesmal waren beide Bücher wieder meine Begleiter auf einer Urlaubsreise. Eines Abends hatte ich eines der Bücher zufällig dabei und legte es auf den Abendbrodtisch, wo es einer der Mitreisenden sah und mit der Bemerkung quittierte, dass er „mit der Art, wie Coelho schreibt“ nichts anfangen könnte (beruflich beschäftigt sich dieser Mitreisende mit Naturwissenschaften!). Da erst fiel mir auf, dass ICH aber mittlerweile etwas mit dem Autor anfangen konnte, einfach, weil ich mich auf dessen Ideen und Gedanken einlassen konnte: Die Idee, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und dem Gedanken, dass sich nicht alles in unserem Leben rational erklären lässt, auch wenn wir das gerne glauben möchten, im Gegensatz zu scheinbar Unerklärlichem, wie es dieses Zitat aus einer Rezession von Coelhos Buch „Aleph“ zeigt: „Aleph erzählt nämlich nicht nur die Geschichte einer Reise quer durch einen Kontinent, sondern auch von einer Reise in die Vergangenheit. Und damit ist nicht die Kindheit oder Jugendzeit gemeint, sondern ein früheres Leben. Paulo Coelho kann offenbar in seine vergangenen Leben zurückkehren und ist auf der Suche nach Vergebung für eine damals begangene Sünde. Mit diesem Teil der Handlung konnte ich sehr wenig anfangen, da Coelho mir da Konzepte als wahr verkaufen will, an die ich einfach nicht glauben kann.“

Coelho sagt:

„Leben bedeutet, gewohnte Pfade zu verlassen, sich immer wieder auf den Weg zu machen und sich neu zu entdecken.“

Klingt für mich gar nicht so verkehrt, vielleicht nur ungewohnt, deshalb muss ja nicht falsch sein.

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