Bernd Weise im Mausoleum Ringelheim

Christina/ Oktober 14, 2026/ Kultur/ 0Kommentare

Herbstzeit ist auch Ausstellungszeit. Warum? Naja, irgendwie spielt sich das Leben wieder mehr in Räumen statt in der Natur ab – witterungsbedingt:-) Am letzten Freitagnachmittag zog es uns nach Salzgitter-Ringelheim. Ernsthaft? Ja, neben der Vernissage zu Bernd Weises Oeuvre „Durch die Jahre, durch die Zeit“ lockte uns der Blick ins Mausoleum, was nicht jeden Tag möglich ist. Vor Ort erleben wir neben einem brechend vollen Raum, einen gut aufgelegten Künstler und ansprechende Motive von seinen Reisen nach Frankreich, Italien, Irland und Berlin.

Durch die Jahre, durch die Zeit
Nach einer wirklich kurzen Ansprache des Vorsitzenden vom Bürgerverein Ringelheim übernimmt Weise persönlich die Eröffnung seiner Ausstellung. Und ich bin angenehm überrascht von der launigen Ansprache des Malers aus Salzgitter Heere. Der Mann hat definitiv Humor und nimmt sich selbst nicht allzu ernst. Es macht Spaß, ihn zuhörend durch seine künstlerische Reise zu begleiten. Gleich zu Beginn unterhält er die Gäste mit Bonmots wie: „Ich muss aufpassen, dass ich nicht den Faden verliere und ins Labern komme“. Weise erzählt von seinen Anfängen als Zeichenkünstler und dass er sich manchmal im Vergleich zu anderen Malern unsicher gefühlt habe. Aber dann kommt er zu dem Schluss: „Ich bin ich und ich mache das!“ Das klingt für mich nach einem selbstbewussten und trotzdem sehr gesunden Statement.

Ausbildung als Farbenlithograph
Weises Anfänge sind in der Ausbildung als Farbenlitograph beim Westermann Verlag (den ich ja gut kenne) zu sehen. Den Beruf, so räumt er ein, gibt es ja mittlerweile nicht mehr. Die Weiterentwicklung der Technik (z.B. durch Scanner) hat dieses Tätigkeitsfeld ersetzt. Und da muss ich wirklich schmunzeln, Weise hat noch an Westermanns Monatsheften mitgearbeitet. Eine Kulturzeitschrift, die in den 80er Jahren eingestellt wurde. Und diese Hefte waren seinerzeit ein wirkliches Pfund, schließlich wurden dort so berühmte Persönlichkeiten wie Andy Warhol oder Gerd Winner porträtiert.

Weise startet neu durch
Die Technik dreht sich also weiter und was macht Weise? Der studiert. Sozialpädagogik auf Lehramt mit dem Hauptfach Kunstpädagogik. Zunächst verdingt er sich als Lehrer und Kunsterzieher. Auf Reisen in die Bretagne und nach Rom entstehen dann immer wieder seine mit der Rohrfeder gezeichneten Skizzen von französischen oder eben italienischen Szenen aus dem Alltagsleben. Manchmal sind es tangotanzende Paare, boule-spielende Männer oder ältere Herren, die ihre lieb gewonnen Autos pflegen. Zuletzt, so lässt er uns wissen, sei er über Verwandtenbesuche auf den Stadtteil Neukölln in Berlin aufmerksam geworden. Da endet seine Reise – zumindest in dieser Ausstellung. Motive wie die Janowitzbrücke oder Alltagsszenen aus dem facettenreichen Kiez hat er nun als sein Sujet entdeckt.

Humoriger Abschluss
So launig wie Weise seine Rede begonnen hat, beendet er sie auch wieder. Seine Bilder, so schließt er, hätten nicht die Welt verändert, aber, ein „paar Blätter“ hätte er ins Passepartout gebracht. Und dann zum Schluss kommt noch ein kleiner, aber heiterer Werbeblock zum Erwerb seiner Werke: „Im Zweifelsfall nimmt man das, was billiger ist, obwohl einem das andere besser gefallen hat.“ Fazit: Mir hat es wirklich Freude gemacht, Bernd Weises unprätentiösen Worten zu lauschen. Schön, dass der Künstler über die Jahre so bodenständig geblieben ist. Das spiegelt sich auch in seinen Zeichnungen wider, die durchaus sehenswert sind. Also, auf nach Salzgitter-Ringelheim und hinein ins Mausoleum! Bis zum 18.10.2026 können die Werke noch besucht werden.

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