Christina/ Mai 1, 2011/ Philosophisches

Meine erste wirkliche Berührung mit dem Phänomen der „binationalen“ Ehe war voller Klischees und ein Riesenerfolg in der westlichen Hemisphäre, die sich in ihren Stereotypen bestätigt sah: „Nicht ohne meine Tochter“ hieß das prätentiöse Werk, das später auch noch eine Verfilmung mit Sally Field in der Hauptrolle erfuhr. Die arabische oder besser gesagt islamische Welt hatte sich mir bis dahin nur in Form von historischen Romanen über die alten Ägypter und deren ruhmvolles Treiben erschlossen. Besonders hatten es mir die weiblichen Pharaone, wie Hatschepsut, Cleopatra oder Echnaton’s schöne Frau Nofretete angetan. Und jetzt das.

Über den Iran selber wusste ich zu der Zeit – ich mag 13 Jahr alt gewesen sein – nichts. Nur über ein befreundetes Ehepaar meiner Eltern, das aus dem Iran nach der Revolution 1979 geflüchtet war, war ich in Berührung mit dem Schah und seinem Schicksal gekommen. Naja, so ein bisschen hatte wohl auch die „Frau im Spiegel“ meiner Oma dazu beigetragen, in der das wechselvolle Schicksal der Pahlevi’s breit getreten wurde.

Fakt ist, ich hatte keine wirkliche Ahnung, als ich das Buch auf Empfehlung meiner Mutter zu lesen bekam. Nichts desto trotz überkamen mich beim Lesen des Buches schnell erste Zweifel an der einseitigen Darstellung des Ehekonflikts, der auf der einen Seite eine verständnisvolle amerikanische Ehefrau beschreibt, die nichts anderes versucht als zunächst ihre Ehe zu retten und dann schließlich nur noch ihre Tochter davor, ein Leben in einer barbarischen iranischen Sippe verbringen zu müssen. Ein hohes Lied letztendlich an die aufgeklärte amerikanische Gesellschaft, die den demokratischen Funken auch im Iran zünden möchte.

Einer klugen Eingebung folgend, fand ich nach dieser zweifelhaften Lektüre den Weg in die örtliche Bibliothek und besorgte mir Literatur über die iranische Revolution. Schnell wurde mir klar, dass die positiven Schilderungen über das Leben unter dem Schah, die ich von dem iranischen Flüchtlingspaar aufgeschnappt hatte, ihre Grenzen hatten. Selbstverständlich wurde der Schah von der reichen Elite des Landes, denen auf Kosten der armen Bevölkerung ein privilegiertes Leben ermöglicht wurde, verehrt. Der Schah selbst wurde von Amerika monetär und politisch unterstützt, schließlich wollte man Stabilität in dem Land im spannungsreichen Nahen Osten. Politische Verfolgung und Folterungen in Kerkern blieben also ungeahndet. Als der Schah und seine Familie schließlich 1979 das Land verlassen mussten, kam die Bevölkerung leider auch unter Khomeini vom Regen in die Traufe.

Nachdem der Buchmarkt dann festgestellt hatte, dass sich mit der Veröffentlichung von Roman über die Unterdrückung der arabischen Frau – was sicherlich auch eine gewisse Faszination ausübte – vortrefflich Geld verdienen ließ, schossen weitere Romane wie Pilze aus dem Boden.

Die Schwierigkeiten der binationalen Ehe oder vielmehr, wie mir später klar wurde, das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Kulturverstädnisse, faszinierte mich nachhaltig. Auch wenn ich erst viele Jahre später wieder auf dieses Thema kam. Zum ersten Mal während meines Studiums und zuletzt wieder, durch einen Zufall, vor Kurzem als mir das Buch „Die verbotene Frau“ in die Hand fiel. Möglicherweise inspiriert durch meinen letzten Aufenthalt im Emirat Dubai, griff ich zu dem Roman. Eine Entscheidung, die dazu geführt hat, dass ich innerhalb kurzer Zeit sechs Romane ähnlichen Themas atemlos durchgelesen habe (Liste am Ende des Beitrags).

Auch wenn bei dem Roman „Die verbotene Frau“ nicht von hochtrabender Literatur gesprochen werden kann, so hat das Buch doch etwas in mir ausgelöst. Ich fühlte mich an meine Zeit im arabischen Ausland erinnert, als ich mich selber in den einen oder anderen Mann verliebt hatte und oftmals – ohne es zu wissen – an meine kulturellen Grenzen gestoßen war. Plötzlich sind mir einige Verhaltensweisen auf beiden Seiten deutlicher geworden. Das Ganze wirkte wie eine Droge auf mich, so dass ich mehr zu dem Thema lesen wollte.

Empfehlen kann ich die Dokumentation des NDR (als Video verfügbar) „Mein Orientalischer Prinz„, die in sehr anschaulicher und relativ klischeefreier Weise das Zusammenkommen und -leben zweier binationaler Paare zeigt, die sich auf einer Reise bzw. im Internet kennengelernt haben. Zum anderen hat mich das Buch „die letzte Sure“ der Amerikanerin Zoe Ferraris fasziniert. Abgesehen davon, dass es sich um einen sehr spannenden Krimi handelt, der in Saudi Arabien spielt, erfährt man nebenbei einiges über ein Land von dem der Westen so gut wie nichts weiß. Zudem ist es der Autorin hervorragend gelungen, wie ich finde, einen Einblick in die Gepflogenheiten der saudi-arabischen Gesellschaft zu gewähren, geprägt von der Erkenntnis, dass Männer genauso unter der Geschlechtertrennung leiden wie Frauen, was für die Autorin, wie sie in einem Interview am Ende des Buches beschreibt, völlig neu war. „In Amerika aufgewachsen, empfand ich hauptsächlich die Frauen als Opfer dieser getrennten Gesellschaft“, so Ferraris weiter.

Einen gleichfalls spannenden Einblick in die Sorgen und Nöte vier junger Frauen, die in Saudi-Arabien heiraten und glücklich werden wollen, beschert uns das Buch von Rajaa Alsanea „Die Girls von Riad“. Besonders gut an dem Buch hat mir gefallen, dass es von einer Einheimischen geschrieben wurde. Es macht einen authentischen Eindruck auf mich.

Aus der Ecke „Belletristik, die den Tag verschönert“ kann ich die Bücher „Die Rose von Arabien“ und „Unter dem Safranmond“ empfehlen. Wer sich für die arabische Kultur interessiert, sich vielleicht sogar in die verliebt hat, wird etwas mit diesen Büchern anfangen können. Wunderbar fügt sich hier ein Zitat ein, dass Eleanor Roosevelt zugeschrieben wird:“Frauen sind wie Teebeutel. Du weißt nicht, wie stark sie sind, bis du sie in heißes Wasser tauchst.“

Romane zum Thema:

  • Ferraris, Zoe (2007): Die letzte Sure. München, Zürich: Pendo Verlag.
  • Sasson, Jean (1993): ICH, Prinzessin Sultana und meine Töchter. Augsburg: Weltbild Taschenbuch.
  • Alsanea, Rajaa (2007): Die Girls von Riad. München, Zürich: Pendo Verlag.
  • Lehmann, Christine (2010): Die Rose von Arabien. Planet Girl Verlag.
  • Wermuth, Verena (2007): Die verbotene Frau. Meine Jahre mit Scheich Khalid von Dubai. München: Knaur Taschenbuch.
  • Vosseler, Nicole (2008): Unter dem Safranmond. Bergisch Gladbach: Georg Lübbe Verlag.
  • Mein Orientalischer Prinz
  • A Dalek in a Burqa
Share
Share this Post