Christina/ Juni 7, 2009/ Kultur

Für Terroristen gibt es keine Sympathie. Für Terroristen gibt es auch kein Mitleid und Verständnis schon gar nicht. Soweit sind wir uns einig. Wir, das ist der Tenor der Reportage „Im Camp der braven Terroristen“ aus GEO 5/2009, und die Autorin dieses Artikels.

Anthony Horrowitz, Autor des GEO-Artikels, beschreibt in seinem Bericht ein ungewöhnliches Gefängnis und die ungewöhnlichen Methoden mit denen man in demselbigen die Gefangenen behandelt. Das Gefängnis steht zufällig in Saudi Arabien. Zufällig sind seine Insassen Terroristen.

Wie kann die Erwartungshaltung an einen solchen Bericht aussehen? Es wird über eine Region berichtet, die in der breiten Bevölkerung nicht auf Sympathie stösst. Es wird über eine Religion berichtet, über die die westlichen Medien nichts Gutes zu berichten haben. Es geht um einen Menschenschlag, der jedem zivilisierten Bewohner dieses Planeten völlig unverständlich ist. Was kann diese Reportage also leisten? Richtig, nicht viel, außer Klischees zu bestätigen. Nicht plump, wie das vielleicht eine Bild-Zeitung tun würde. Aber auch dieser Bericht vergibt eine wertvolle Chance: einen richtigen, aber differenzierten Bericht über Vorgänge in den arabischen Ländern zu schreiben.

Tragen wir kurz die „Hightlights“ des Berichts zusammen:

  1. Saudi Arabien ist als arachaisches Königreich bekannt,
  2. Amnesty International stellt fest, dass Saudi Arabien 2007 mindestens 158 Mal die Todesstrafe vollstreckt hat,
  3. In Saudi Arabien herrscht seit Jahrhunderten die konservative Tradition des Wahabismus,
  4. Saudi Arabien ist die Brutstätte unzufriedener, gedemütigter, radikalisierbarer junger Männer
  5. Osama bin Laden stammt aus Saudi Arabien.

Ganz ehrlich, wer sollte jetzt noch nicht überzeugt davon sein, dass Saudi Arabien und seine Einwohner einfach nicht mehr zu retten sind? Und vom Western bekämpft werden müssen?

Im Laufe des Artikels liefert uns Horowitz noch die beliebte, weil leicht nachzuvollziehende, Parabel vom bösen und vermeintlich guten Terroristen, der als zu unrecht Verdächtigter in Guantánamo gelandet ist. Aber natürlich keinen Groll gegen die Amerikaner hegt, da er deren Motive verstehen kann.

Fast unkommentiert könnte man diesen Satz des Autors lassen:“Aber würden wir Europäer, vor eine solche Entscheidung gestellt (ob Terroristen an einem Resozialisierungs-Projekt teilnehmen dürfen, Anm. d. Red.), möglicherweise die Abscheu vor dem Gedanken überwinden, islamistischen Attentätern eine zweite Chance zu geben?“ Eine Anmerkung dann doch, die der interessierte und informierte Leser sicherlich nachvollziehen kann: Was mögen wohl viele „Morgenländer“ über die Europäer gedacht haben, die sich als englische, französische oder italienische Kolonialherren so zivilisiert verhalten haben?

Und wen es noch interessiert: Saudi Arabien ist nicht das einzige arabische Land, das versucht, Terroristen zurück auf den Pfad der Tugend zu bringen. Im Jemen hat es der Richter Hamoud al-Hitar mit seinem „Komittees für Dialog“ zu, vom Westen weitgehend unbeachteten, Erfolg gebracht. Sehr sehenswert ist zu diesem Thema die Dokumentation: „Der Richter und der Fanatiker – Im Dialog gegen Terror“.

Als Einstieg in das Thema empfehle ich zusätzlich: „Eines Besseren belehrt“ und „Jemenitischer Richter bekämpft Terror durch Überzeugung“.

Letzer Artikel endet mit dem Satz: „Im Umgang mit Islamisten könnte die seit Jahrzehnten intensive deutsch-jemenitische Entwicklungszusammenarbeit dann mal andersherum laufen: Die Deutschen lernen von den Jemeniten.“ Darüber lohnt es sich mal nachzudenken, liebe Leserinnen und Leser!

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