[:de]Der Richter und der Fanatiker[:en]The judge and the fanatic[:]
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Für Terroristen gibt es keine Sympathie. Für Terroristen gibt es auch kein Mitleid und Verständnis schon gar nicht. Soweit sind wir uns einig. Wir, das ist der Tenor der Reportage „Im Camp der braven Terroristen“ aus GEO 5/2009, und die Autorin dieses Artikels.
Anthony Horrowitz, Autor des GEO-Artikels, beschreibt in seinem Bericht ein ungewöhnliches Gefängnis und die ungewöhnlichen Methoden mit denen man in demselbigen die Gefangenen behandelt. Das Gefängnis steht zufällig in Saudi Arabien. Zufällig sind seine Insassen Terroristen.
Wie kann die Erwartungshaltung an einen solchen Bericht aussehen? Es wird über eine Region berichtet, die in der breiten Bevölkerung nicht auf Sympathie stösst. Es wird über eine Religion berichtet, über die die westlichen Medien nichts Gutes zu berichten haben. Es geht um einen Menschenschlag, der jedem zivilisierten Bewohner dieses Planeten völlig unverständlich ist. Was kann diese Reportage also leisten? Richtig, nicht viel, außer Klischees zu bestätigen. Nicht plump, wie das vielleicht eine Bild-Zeitung tun würde. Aber auch dieser Bericht vergibt eine wertvolle Chance: einen richtigen, aber differenzierten Bericht über Vorgänge in den arabischen Ländern zu schreiben.
Tragen wir kurz die „Hightlights“ des Berichts zusammen:
- Saudi Arabien ist als arachaisches Königreich bekannt,
- Amnesty International stellt fest, dass Saudi Arabien 2007 mindestens 158 Mal die Todesstrafe vollstreckt hat,
- In Saudi Arabien herrscht seit Jahrhunderten die konservative Tradition des Wahabismus,
- Saudi Arabien ist die Brutstätte unzufriedener, gedemütigter, radikalisierbarer junger Männer
- Osama bin Laden stammt aus Saudi Arabien.
Ganz ehrlich, wer sollte jetzt noch nicht überzeugt davon sein, dass Saudi Arabien und seine Einwohner einfach nicht mehr zu retten sind? Und vom Western bekämpft werden müssen?
Im Laufe des Artikels liefert uns Horowitz noch die beliebte, weil leicht nachzuvollziehende, Parabel vom bösen und vermeintlich guten Terroristen, der als zu unrecht Verdächtigter in Guantánamo gelandet ist. Aber natürlich keinen Groll gegen die Amerikaner hegt, da er deren Motive verstehen kann.
Fast unkommentiert könnte man diesen Satz des Autors lassen:“Aber würden wir Europäer, vor eine solche Entscheidung gestellt (ob Terroristen an einem Resozialisierungs-Projekt teilnehmen dürfen, Anm. d. Red.), möglicherweise die Abscheu vor dem Gedanken überwinden, islamistischen Attentätern eine zweite Chance zu geben?“ Eine Anmerkung dann doch, die der interessierte und informierte Leser sicherlich nachvollziehen kann: Was mögen wohl viele „Morgenländer“ über die Europäer gedacht haben, die sich als englische, französische oder italienische Kolonialherren so zivilisiert verhalten haben?
Und wen es noch interessiert: Saudi Arabien ist nicht das einzige arabische Land, das versucht, Terroristen zurück auf den Pfad der Tugend zu bringen. Im Jemen hat es der Richter Hamoud al-Hitar mit seinem „Komittees für Dialog“ zu, vom Westen weitgehend unbeachteten, Erfolg gebracht. Sehr sehenswert ist zu diesem Thema die Dokumentation: „Der Richter und der Fanatiker – Im Dialog gegen Terror“.
Als Einstieg in das Thema empfehle ich zusätzlich: „Eines Besseren belehrt“ und „Jemenitischer Richter bekämpft Terror durch Überzeugung“.
Letzer Artikel endet mit dem Satz: „Im Umgang mit Islamisten könnte die seit Jahrzehnten intensive deutsch-jemenitische Entwicklungszusammenarbeit dann mal andersherum laufen: Die Deutschen lernen von den Jemeniten.“ Darüber lohnt es sich mal nachzudenken, liebe Leserinnen und Leser!
[:en]There is no sympathy for terrorists. There is no pity or understanding either. We agree on that. We, that’s the tenor of the report „In the camp of the prissy terrorists“, published in the magazine GEO, vol. 5/2009 and the author of this article. Anthony Horrowitz, the author of the GEO article describs an unusual prison in his story and the extraordinary methods being taken to treat prisoners down there. By chance this prison is in Saudi Arabia. Accidentially its inmates are terrorists.
What can you expect from such a report? It gives an account on a region which is not very popular among a broader general public. It refers to a religion about which Western media has not many good things to say. It is about a breed incomprehensible to any civilized citizen. So what can this story provoke? Right, not much but to confirm clichees. Not in a clumsy way as the BILD-newspaper might do it. But even this article misses out on a chance: to publish a truth but differentiated report on occurances in the Arabic countries.
Let’s summarize the report’s highlights:
- Saudi Arabia is known as archai kindgom,
- Amnesty International states that Saudi Arabia has at least enforced death penalty 158 times in 2005,
- Saudi Arabia has been ruled for centuries by the most conservative traditionIn Saudi Arabien herrscht seit Jahrhunderten Wahhabism,
- Saudi Arabia is the breeding ground of dissatisfied, humiliated, radikal young men,
- Osama bin Laden comes from Saudi Arabia.
Honestly, who should not be convinced that Saudi Arabia and its inhabitants are beyond remedy and have to be combated by the West therefore? In course of the article Horrowitz also delivers the famous while easy to follow parable of the mean and alleged good terrorist, who was wrongly imprisoned at Guantánamo and who is not mad at the Americans as he can understand their motives.
Almost unremarked this sentence by the author: „Would the Europeans, faced with such a decision overcome the disgust towards the thought to give former-terrorists a second chance?“ One annotation however that might be retraced by interested and well-informed readers: What might the Orient think about the West who behaved so civilized as English, French or Italian colonial masters? And moreover: Saudi Arabia is not the only Arabic country that tries to lead terrorists back to the path of truth. In Jemen judge Hamoud al-Hitar is successful with its programme „committee for dialogue“, unfortunately so far disregarded by the West. It’s worth watching this documentation: „The judge and the fanatic – Dialogue against terror“.
Initially begin with: „To disabuse“ und „Yemeni judge fights against terror by conviction“.
Horrowitz article closes with the sentence: „Handling islamists the intensive German-Yemeni development cooperation could work this time the other way round.“ It is worth thinking about it – dear readers!
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