Christina/ Januar 26, 2020/ Kultur

Nach der Aufführung ihres Theaterstücks „Zwischen den Säulen“ im vergangenen Jahr sind Markus&Markus aus Hildesheim mit ihrem neuesten Werk wieder im LOT-Theater: „Die Berufung„. Schwer zu sagen, ob es den beiden mit der Berufung auf Schrödingers Katze um Leben und Tod geht, um Leben für die Demokratie, die universellen Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten oder eben deren Tod? Alles symbolisiert durch eine Katze, die wie ein roter Faden durch das Stück läuft? Nun, auch die Fortführung ihres Lehrstücks über die Auseinandersetzung mit und den Respekt für fremde Kulturen ist wieder experimentell. Als Zuschauen muss man sich erstmal darauf einlassen können, dass ein ernstes Thema mit einem gehörigen Schuss Humor auf den Punkt gebracht wird. Das Ergebnis zeigt, je nach eigener Interpretation, dass der Schutz der Demokratie und den damit verbundenen Werten nicht allein eine politische sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Und vielleicht war diese Aufgabe nie dringlicher als sie es heute ist. Davon erzählt das Stück der beiden Autoren und Schauspieler dieses Mal.

Flaschenpost in digitalen Zeiten
Markus&Markus greifen nicht gleich zu den digitalen Mitteln unserer Zeit. Nein, sie verschicken Ihre Botschaften mit der Flaschenpost und schreiben ihre Nachrichten auf der Schreibmaschine. Und sie verfehlen ihre Wirkung nicht. Aus der ganzen Republik erreichen sie Briefe von engagierten Menschen, die ihren Aufruf unterstützen möchten. Einige dieser couragierten Menschen werden in Interviews vorgestellt. Da ist z.B. Irmela, die wagemutige ältere Damen, die, bewaffnet mit Spraydose und dem Herz am rechten Fleck, rechtsradikalen Sprüchen den Gar ausmacht, indem sie diese einfach überschreibt.

Mein Mampf
Wie Ernst und Ironie aufs Vortrefflichste zusammenspielen können, zeigen Markus&Markus auf einer Demo gegen Rechts. Da werden z.B. Bananen mit einer Banderole auf der „mein Mampf“ steht umwickelt. Und wir lernen Heinz Ratz, den Gründer der Band Strom & Wasser kennen, der mit seiner Tour: 1 Million gegen Rechts durch die Lande zieht. Mit dem Geld sollen Jugendhäuser gefördert bzw. aufrecht erhalten werden. Eine gute Sache also. Und zudem mit einem konkreten Ziel und einer konkreten Person dahinter.

„Wir leben in der verseuchtesten Zeit, die ich je erlebt habe“
So äußert sich einer der Interviewten, der nicht erkannt werden möchte. Mit einem Hoodie und dem Rücken zur Kamera nimmt der vermeintliche Tattoo-Studio-Besitzer Stellung zu dem, was ihm tagtäglich bei seiner Arbeit an Motivwünschen begegnet. Ich kann gar nicht genau sagen warum, aber das Zitat hat mich berührt und aufgeschreckt.

Was läuft hier in Deutschland, europa- und sogar weltweit falsch? Mir fällt sofort diese Überlegung ein: Was ist z.B. mit den gescheiterten Managern, wie Martin Winterkorn (VW) oder Dieter Zetsche, die neben unfassbar hohen Abfindungen für ihre „hervorragenden“ Leistungen den Rachen immer noch nicht voll kriegen und im Anschluss Aufsichtsratposten sammeln? Nicht anders sieht es in Politikerkreisen aus, wenn wir an die Fälle von Gazrpom-Gerhard, Bahn-Profalla oder den Siggi der Deutschen Bank denken. Ein klassischer Fall von „Wasser (für das Volk) predigen und selber Wein (wohl eher Champus) trinken?

Wie lautet denn hier das Geschäftsmodell? Geld gegen Lobbyismus? Seht zu, dass eure Politikerfreunde nicht querschießen, deshalb holen wir euch in den Aufsichtsrat? Geld gegen Schweigen bzw. „glatte Geschäfte“? Na klar, und wenn es mal wieder eng wird, dann können wir ja immer noch die Trumpfkarte der Flüchtlings- oder Klimakrise thematisieren, damit die Leute ihr Hassobjekt haben und wir unbehelligt bleiben?

Wo sind die aufrichtigen Kerle hin?
Ein Blick in die ausländische Presse bei eurotopics verweist mich auf eine Frage, die ich mir schon lange stelle: Wo sind die echten Kerle hin? Die Politiker und Manager, die aufrichtig sind, die zu ihren Fehlern stehen und daraus Konsequenzen ziehen und nicht andere dafür zahlen lassen. So hat es wohl zuletzt der slowkische Umweltminister László Sólymos laut Aussagen der heimischen Presse getan: „Ohne Sólymos jetzt gleich moralisch über den grünen Klee zu loben – er kann ruhigen Gewissens als ein anständiger Maßstab für zukünftige Minister auf jedem Posten angesehen werden.“

Aus Hass macht Liebe
Starker Tobak und alles schwer zu ertragen: der Irrsinn der Weltordnung.Und dennoch, Allenn, die sich nicht von Stammtischparolen blenden lassen wollen und für die Schrödingers Katze übeleben soll, seien die Worte von Lenny Kravitz zur Reflektion empfohlen:

„We’re not here to judge
We are here to love
There’s no room for hate
We are just one human race
We must rise above
We are here to love.“

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