Christina/ Januar 19, 2020/ Philosophisches

Das Jahr ist gerade mal 19 Tage alt, da gibt es bereits den „Aufreger des Jahres“ zu vermelden: Meghan und Harry, auch die Sussexes genannt, treten von ihren royalen Pflichten zurück und geben ihre königlichen Titel ab. Wen interessiert’s? Klar, zwei Menschen entscheiden sich gegen ein Leben nach strengen Regeln und Richtlinien des Hofes und verzichten dafür auf ein paar Privilegien. Sollen sie doch. Allerdings es bleibt die Frage, warum die Gemüter um den Globus oder zumindest in Europa darüber so erregt sind? Selbst als „seriös“ geltende Zeitungen wie die FAZ, die Zeit oder die Süddeutsche beschäftigen sich ausführlich mit dem Thema und den vermuteten Hintergründen. Seit heute steht also fest, dass Meghan und Harry die „Firma“ verlassen werden, wie das englische Königshaus auch genannt wird. Sie haben auf gut deutsch gesagt die „Schnauze voll“ von der englischen Presse und den Rummel um ihre Person.

Die Regeln des Geschäftsmodells
Eigentlich sind die Regeln der Firma ganz klar: Englische Steuergelder gegen die königliche Show. Die Show, die Mitglieder des königlichen Hauses bei jedem öffentlichen und nicht öffentlichen Auftritt zu bieten haben. Die Show, die klare Regeln hat: „Never complain, never explain“ ist eine der eisernen Regeln. D.h. ganz gleich was passiert, ganz gleich von wem ein Angriff kommt, ein Mitglied der royalen Familie bezieht keine Stellung zu der Angelegenheit und beklagt sich auch nicht – zumindest nicht öffentlich. Und tatsächlich kann sich jemand daran erinnern, dass Queen Elisabeth sich jemals vor den Augen der Welt eine Blöße gegeben hätte? Naja, vielleicht nach dem Tod von Prinzessin Diana, also für ihre Verhältnisse als sie sich zu einem offiziellen Staatsbegräbnis hinreißen ließ. Aber auch zu dieser Gelegenheit wird die „stiff upper lip“ präsentiert, Selbstbeherrschung als oberstes Mantra, komme was wolle.

Die royale Anziehpuppe
Mit „Waity Katie“ hat das Königshaus für den Thronfolger die perfekte Anziehpuppe gefunden, die ihre Rolle ohne Fehl und Tadel und öffentliches Murren tagtäglich erfüllt. Es ist wohl reine Spekulation, dass Kate’s Mutter Carole ihre Tochter auf eine Heirat mit Prinz William vorbereitet haben soll. Trotzdem, man kan es sich gut vorstellen: Selbst während der kurzen Trennung der beiden hat Kate stets die Contenance gewahrt und hat ihr Ziel weiterhin hartnäckig verfolgt. Der doppelte Clou jedoch, nämlich die Heirat der zweiten Tochter Pippa mit Harry, bliebt den Middletons dann doch versagt.

Statt dessen trat im Juni 2016 Meghan Markle auf den Plan, eine weitgehend in Europa unbekannte US-Schauspielerin. Von da an wurde einiges anders im Hause Windsor. Aber warum die ganze Aufregung? Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass ein royales Mitglied ausschert, wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg. Prominentestes Beispiel ist sicherlich der Thronverzicht von Edward VIII., der auf die Königkrone zugunsten der geschiedenen (US-Amerikanerin!) Wallis Simpson verzichtete. Ist das ein klassisches „history repeating“? Prinzessin Margaret ist ein weiteres Beispiel für ein royales Mitglied, dass an den strengen Hofregel letztendlich zerbricht. Ihre Liebe zum bürgerlichen Peter Townsend wird der königliche Segen verweigert – Margret revanchiert sich mit Partys, Affären und einem ausschweifenden Leben.

Die Herausforderungen des digitalen Zeitalters
Zugegeben, früher, also ganz früher, muss es mal richtig Spaß gemacht haben, König zu sein. Widerworte gab es weder am Hof, noch in der Bevölkerung. Man denke nur an Heinrich VIII., wer nicht kuschte wurde kurzerhand geköpft. So einfach ist das Regieren heutzutage nicht mehr. Und welche Nachteile die Zugehörigkeit zu einer privilegierten Schicht haben kann, mussten nicht zuletzt Fergie (Ex-Frau von Prinz Andrew) und besonders die Königin der Herzen, Prinzessin Diana, schmerzlich erfahren.

Die Digitalisierung der Medien hat zusammen mit dem Bürgerjournalismus nochmals eine Schippe draufgelegt. Videos, Bilder, Hasskommentare und Spekulationen sind nun allgegenwärtig. Prominente, wie eben Meghan und Harry, haben eigentlich keine Chance mehr auf ein Privatleben. Werden sie nicht gerade von Paparazzis verfolgt, wie z.B. Kate im Urlaub in Südfrankreich, dann können es auch die fiesen Kommentare der eigenen Familie sein, die das öffentliche Leben zur Hölle machen. Hinzu kommt der Kampf um die Spitze der royalen Rangliste.

Ein Hauptgewinn für jede Frau
Jetzt haben Meghan und Harry die Konsequenzen aus ihren Erfahrungen gezogen. Ich denke, die meisten Frauen werden sich einen Mann, wie Harry wünschen: Jemand, der zu ihnen hält, ganz gleich, was passiert, ganz gleich, was es kostet. Einen solchen starken Mann hätte sicherlich auch seine Mutter, Prinzessin Diana, an ihrer Seite gebraucht. Ich bin mir sicher, dass sie auf die Entscheidung ihres Sohnes sehr stolz gewesen wäre. Ich denke, da hat Meghan mit ihrem zweiten Mann großes Glück gehabt und ich gönne es ihr. Es ist ihr Leben und die beiden allein sollten darüber entscheiden, was sie daraus machen wollen. Das Recht sollte jedem zugestanden werden. Es ist ein Menschenrecht, unabhängig vom Stand und vom Hintergrund.

Queen und Blumenstrauß

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