Christina/ Februar 25, 2019/ Kultur

Im letzten Jahr habe ich zusammen mit meinem Freund das Thema „Vernissagen“ für mich entdeckt. Dabei geht es uns nicht alleine um die teilweise gereichten kostenfreien Getränke oder Schnittchen (wobei wir diese Gratisleistung nicht verachten). Vielmehr ist es schön, in das Wochenende mit einem ungeahnt interessanten Erlebnis zu starten. Eines, wie wir es vielleicht in einer großen Kleinstadt wie Braunschweig nicht erwartet hätten.

Diesmal treibt es uns ins GEYSO 20. Nach eigener Aussage handelt es sich dabei um eine Trias aus Atelier, Galerie und Sammlung. Das Geyso 20 wird von der Lebenshilfe Braunschweig betrieben. Und ich finde, es ist genau diese Zusammenarbeit zwischen dem Künstlerehepaar (Licht-)Rose und der Einrichtung, die den „Twist“ der Ausstellung „Im Jahr der Hasen“ ausmacht.

Der Irr sinn tagt hir drin

Als wir bei der Ausstellungseröffnung gegen 19:30 Uhr eintreffen herrscht bereits reges Treiben. Wir versuchen uns zunächst zu orientieren. Wir werden nett begrüßt und besorgen uns ein Getränk. Gleich im Flur werden wir auf zwei Türbeklebungen aufmerksam, die im Grunde nichts mit der Ausstellung zu tun haben – und irgendwie doch. „Der Irr sinn tagt hir drin“ lesen wir auf der einen Tür, „Radau Bude“ auf der anderen. Zunächst amüsieren wir uns ein wenig über die Rechtschreibfehler. Im Nachfolgenden verstehen wir jedoch, was es damit auf sich hat und welche intelligenten Gedankengänge eigentlich dahinterstecken.

Der Angst Hase und sein Bunker

Wir starten unsere Runde durch das Atelier, bleiben an einem Hasenbild hängen. Warum auch immer unterhalten wir uns zunächst über den Tod von Karl Lagerfeld – vielleicht haben wir den Hasenbildern irgendetwas Modisches abgewinnen können? Nein, vermutlich ist es eher die missglückte 7/8-Hose einer Besucherin. Frei nach dem Motto: „Wer Jogginghose trägt hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“
Kurz darauf bleibe ich an einem Schriftstück hängen. Es geht um den „Angst Hasen“, verfasst von einem Künstler des Ateliers Geyso 20. Ein nachhaltig wirkendes Dokument, mit einfachen Wahrheiten, deutlich ausgesprochen, hintersinnig formuliert. Toll! Ich bin zunehmend begeistert von dem, was die Ausstellung zeigt.

Ein weiblicher Duracell-Hase als Domina

Im nächsten Raum beginnt die eigentliche Ausstellung. Hasen trommeln, treten in Videos auf, sind als Specksteinhasen verewigt, die aussehen wir Sphinxen. Noch glauben wir, dass es sich um Sammlerstücke aus der ganzen Welt handelt. Weit gefehlt. Wir haben das Glück, dass wir zufällig vom Aussteller-Ehepaar Rose angesprochen werden. Die Duracell-Hasen sind alles andere als einzigartige Sammlerstücke – sie sind umgebaut, neu eingekleidet und in neue thematische Zusammenhänge gebracht. Helga Licht-Rose erzählt uns, dass es eigentlich gar keine weiblichen Duracell-Hasen gibt. Kurzerhand haben sie diesen einfach erfunden. „Und“, so sagt sie, „was könnte so ein weiblicher Duracell-Hase anderes sein als eine Domina?“

Hm, das wäre jetzt vielleicht nicht unser erster Gedanke gewesen – aber nun ja, interessant. Die „Hasin“ gibt es ja auch noch als Marilyn Monroe-Kopie oder als Motorradfahrer-Gefährtin. Das Ehepaar Rose teilt uns mit, dass sie bereits seit Jahrzehnten Hasen in jeder Form sammeln und ihre ganze Wohnung damit bestückt haben, „die eben nicht gerade besonders groß ist“, fügt die Künstlerin mit einem Augenzwinkern hinzu.

Von Kriegsdiktatoren bis Kriegsveteranen

Mitunter sind die Hasen(neu-)gestaltungen auch als durchaus provokativ zu bezeichnen. Künstlerische Freiheit macht es möglich, die umgewandelten Hasen auch als Kriegsveteranen oder sogar als Hitlerfigur darzustellen. Insgesamt ist die Vielfalt der Darstellungen spannend: Neben „kitschigen“ Weihnachtshasen, gibt es z.B. eine sehr gelungene Mozart-Version. Auch als Surfer macht sich der Duracell-Hase gut.

Angesprochen auf die eindrücklichen sprachlichen Hasendarstellungen erklärt uns Denis S. Rose, dass einige Künstler des Geyso 20 die Idee einer Hasenausstellung erst gar nicht so toll fanden. Schließlich haben sie sich aber doch darauf eingelassen. Mit ihrem besonders kritischen Blickwinkel haben sie der Ausstellung für meinen Geschmack eine Tiefgründigkeit verliehen, die ich faszinierend finde.
Mein Fazit: Eine sehr launige Ausstellung über Hasen und deren Symbolkraft. Die Schau macht Spaß und bereichert für mein Empfinden die Braunschweigische Kulturlandschaft. Als besonders gelungen und bereichernd empfinde ich die Kooperation des Schöpferpaares Rose mit dem Künstlern des Ateliers Geyso 20. Prädikat: sehenswert.

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