Christina/ März 16, 2019/ Kultur

»Lügen und Gewürze sind Geschwister.
Die Lüge macht jedes fade Geschehen zum würzigen Gericht.
Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit wollen nur Richter hören.
Aber genau wie die Würze soll die Lüge das Geschehen abrunden.“

Unter dem Titel „Lügen und Gewürze sind Geschwister“ stand die einstündige Lesung von Dr. Andreas Döring am 13.3.2019 in der schönen Jakob-Kemenate. Wie immer, wenn es (auch im Entferntesten) um die Arabische Welt geht, sind meine Erwartungen an das Dargebotene hoch. Da besonders die Dichtkunst im Arabischen (man denke nur an den wundervollen Khalil Gibran) eine wichtige Rolle spielt und die Geschichten aus 1001-Nacht dazu einladen, dem grauen Alltag zu entfliehen und stattdessen in eine paradiesische Fantasiewelt einzutauchen, freute ich mich schon lange auf diesen Abend. Leider wurden meine Hoffnungen nicht erfüllt.

Döring beginnt seine Lesung mit dem oben genannten Zitat des bekannten syrischen Schriftstellers Rafik Schami (übrigens, Rafik Schami ist ein Künstlersynonym und bedeutet auf Deutsch: Freund Syriens). Auch seine erste Erzählung stammt aus einem von Rafiks Büchern. Es folgt eine 29-minütige Geschichte über einen syrischen Bauern, der seine Stimme verkauft und die versuchte Wiedererlangung derselbigen mit dem Leben bezahlt (klingt ein wenig nach Tim Thaler auf Arabisch). Zum Schluss zelebriert Döring eine erotische „Gute-Nacht-Geschichte“, die das Publikum einerseits amüsiert, andererseits peinlich berührt nach nur einer Stunde zurücklässt. Das Ganze versprüht wenig Arabischen Charme und ist vor allen Dingen unbefriedigend, weil Döring eingangs von einer just beendeten zweiwöchigen Reise nach Ägypten berichtet, leider aber weder etwas zu seinem Verhältnis zur Arabischen Welt noch von den Begegnungen vor Ort erzählt. Schade, gerade das wäre in unseren bewegten Zeit und einem leider oftmals propagandistisch verbreiteten angespannten Verhältnis zu der Region spannend gewesen.

Da konnte leider auch die kleine, nett gemeinte Stärkung nach der Lesung die enttäuschte Atmosphäre nicht wieder Wett machen. Dabei hat gerade die Poesie in der Arabischen Welt so viele Facetten zu bieten. Da wäre zum Beispiel die beduinische Tradition der „Nabati-Poesie“. Über eine interessante Doku auf 3SAT bin ich auf Hissa Hillal aus Saudi-Arabien aufmerksam gemacht. Hillal hätte beinahe mit ihren Gedichten den arabischen Dichterwettstreit (Poet der Millionen im VAE-TV) um Nabati-Poesie für sich entschieden.

Vermutlich ist die Nabati-Poesie eine Gattung, mit der im Westen nicht viele etwas anfangen können. Die Dokumentation um Hissa Hillal ist dennoch sehenswert, verrät sie auch etwas über das Leben von Frauen in Saudi Arabien. Und Vorsicht: Auch wenn der Film der verbreiteten Tonalität folgt, dass Frauen in Saudi-Arabien unterdrückt werden und rechtlos sind, so äußert sich Hillal doch ganz klar dazu, dass sie gerne dort lebt und auch nicht alle Frauen dort unglücklich sind. Genau wie halt im Rest der Welt.

Zum Weiterlesen:

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