Christina/ März 22, 2019/ Philosophisches

Am Mittwoch war der internationale Weltglückstag. Ich gebe es zu: der Tag war mir bis dahin unbekannt. Bekannt war mir dagegen die Suche nach dem Glück. Ein Unterfangen, das bekanntlich nicht nur Herr Rossi aus der gleichnamigen Trickfilmserie mehr oder weniger erfolgreich zu seinem Lebensmotto machte. Anlässlich dieses Aktionstages veranstaltete die TU Braunschweig einen Vortrag. Der Titel „Glück kann man lernen“ versprach die „Glücksformel“ unter die Menschen zu bringen. Also, nichts wie hin. Mein erster Eindruck: Es scheinen sehr viele Leute auf der Suche nach Glück zu sein – der Hörsaal ist brechend voll. Die gute Nachricht ist: Glücklich sein kann man tatsächlich erlernen. Die schlechte Nachricht ist: Man ist selbst dafür verantwortlich und muss daran arbeiten!
Der Referent Tobias Rahm, seines Zeichens Glücksforscher mit Halbtagsstelle und Fast-Promotion an der TU Braunschweig, führt sehr sympathisch und aufschlussreich durch den zweistündigen Abend. Gleich zu Beginn stellt er die vermeintlich einfache Frage: „Was ist Glück?“ Schnell wird deutlich, dass Glück im Auge des Betrachters liegt. Aus dem Publikum kommen Antworten wie „Gesundheit“, „schöne Dinge erleben“ oder auch einfach „Bedürfnisbefriedigung“. Es handelt sich also um ein subjektives Wohlbefinden, so das wissenschaftliche Verständnis.

Die Glücksformel

Diese Definition lässt sich mit drei Sätzen enger fassen. Glück bedeutet zum einen das häufige Erleben positiver Emotionen. Zum anderen ist es das seltene Erleben negativer Gefühle bei einer insgesamt hohen Lebenszufriedenheit. Also, ist das schon die Glücksformel?

Nun, lieber Leser, wenn du dich bereits im Zustand des „non-wanting“ befindest, also wunschlos glücklich bist, dann kannst du jetzt aufhören zu lesen und dich wieder deinem Glückszustand widmen. Allen anderen kann ich versichern, dass die Arbeit jetzt erst beginnt.
Beginnen wir mit der Frage, wozu es überhaupt negative Emotionen gibt. Nun, ursprünglich (als wir alle noch Jäger und Sammler waren) hatten negative Gefühle die Funktion, uns vor Gefahren zu warnen, den Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen und im Falle eines Säbelzahntigerangriffs um unser Leben zu rennen. Wenn uns das gelungen ist, haben wir vermutlich eine positive Emotion erlebt. Etwas ist besser gelaufen als erwartet. Unser Glückszentrum im Hirn wird aktiviert, die Dopaminkonzentration in unserem Körper steigt.

Oxytocin, die Wunderdroge

Das ist schon einmal ein guter Anfang, denn diese positiven Emotionen führen zu einem erhöhten Oxytocinausstoß, der wiederum eine höhere Lebenszufriedenheit bedeutet. Tolle Sache, oder? Und es lohnt sich tatsächlich bei dem Peptid „Oxytocin“ einen Moment zu verweilen.

In welchen Situationen wird dieser „Stoff“ in unserem Körper produziert? Das ist der Fall bei Hautkontakt, bei Bindungserfahrungen, in festen Beziehungen, bei Verliebtsein oder auch gelungenen Vertragsabschlüssen. Insgesamt also alles angenehme Zustände. Das Ergebnis dieser Freisetzung ist ein Wohlgefühl, innere Zufriedenheit, Stressreduzierung und Angstauflösung.

Wow, denke ich, was ist das denn für ein Teufelszeug. Das will ich jetzt aber genauer wissen. Im Internet werde ich unter dem Stichwort „Oxytocin“ schnell fündig. Und ja, der „Stoff“ ist richtig gut und auch ein bisschen crazy: „Forscher berichteten, dass sich frisch verliebte Meerschweinchen mit erhöhtem Oxytocin-Spiegel die Lage eines Futterplatzes nicht mehr merken können, bei Rhesusaffen die Wachsamkeit schwindet […].“ Quelle: https://lexikon.stangl.eu/892/oxytocin/

Endlich: Ein Nasenspray gegen Untreue

Aber es kommt noch besser. Ladies aufgepasst, Oxytocin als Nasenspray soll auch gegen Untreue schützen: „[…] Man hatte in einem Versuch heterosexuellen Männern, die in einer Partnerschaft leben, ein Oxytocin-Nasenspray verabreicht und die Auswirkungen dieses Hormonschubs dokumentiert. Offensichtlich sorgt das Hormon dafür, dass beim Anblick der eigenen Partnerin das Belohnungszentrum im männlichen Gehirn aktiviert wird, wodurch die Zweierbindung und monogames Verhalten gestärkt wird. In Untersuchungen hatte sich u. a. auch gezeigt, dass in Partnerschaften gebundene Männer unter Oxytocin-Einfluss mehr Abstand zu attraktiven fremden Frauen wahren als Singles oder unbehandelte Männer, denn offenbar verstärkt das Hormon die Treue.“ Quelle: https://lexikon.stangl.eu/892/oxytocin/

Jawoll, jetzt wissen wir endlich, was wir unseren Männern zum Geburtstag, Weihnachten und Ostern schenken!

Die Bilanz des Lebens

Nicht nur in der Buchhaltung wird ab und zu Bilanz gezogen. Nein, auch im eigenen Leben spielt der Abgleich zwischen der gewünschten und der tatsächlichen Lebenssituation eine große Rolle bei der Lebenszufriedenheit. Mein allgemeines Wohlbefinden ermittle ich also in Vergleichen und beziehe es aus dem Ergebnis, dass ich entweder für mich positiv oder negativ bewerte. So könnte ich mir zum Beispiel einen großen starken blonden Kerl als Ehemann gewünscht habe, habe aber einen dunkelhaarigen kleinwüchsigen Pantoffelhelden geheiratet. Ist das jetzt gut oder schlecht für mich? Das zu entscheiden liegt an mir.

Egal, wie meine Entscheidung lautet, es ist nie zu spät, meine Situation zu ändern. Aber wie geht das? Ganz einfach: Nach Fredrikson, die die Mechanismen der positiven Psychologie erforscht hat, brauche ich eine „sich selbst verstärkende Aufwärtsspirale“ (Broaden-and-Build-Theory, 1998). Eine was bitte?

Die guten drei Dinge

Nun, einfacher ausgedrückt, gibt es vier Herangehensweisen mit denen ich mein Wohlbefinden schrittweise verbessern kann.

  • Wahrnehmung verändern (negativity bias)
  • Bewertungen verändern
  • Gewohnheiten verändern
  • Neue Verhaltensweisen erlernen

Klingt einfacher als es ist. Denn jeder, der schon einmal ERNSTHAFT versucht hat, seine Gewohnheiten nachhaltig zu verändern, weiß wovon ich spreche. Aber auch hier macht Rahm seinen Zuhörern Mut. Mit etwas Disziplin und einer einfachen, täglichen Übung soll es möglich sein, innerhalb einer Woche auf positive Gedanken zu kommen. Die Übung lautet: „Die drei guten Dinge“ und läuft folgendermaßen ab:

„Schreiben Sie jeden Abend drei Dinge auf, die an dem Tag gut waren. Schreiben Sie dann auf, was Sie dazu beigetragen haben.“

Und weil der Herr Rahm ein netter Mensch ist und möchte, dass wir glücklich sind, hat er uns auf seiner Internetseite ein kleines Übungsheft zur Verfügung gestellt (Internet-Adresse). Die Glücksarbeit kann also beginnen – jetzt gleich!

Zum Schluss hatte Herr Rahm noch eine indianische Weisheit, die er uns mit auf den Glücksweg gab:

Nach der indianischen Lehre streiten im inneren eines Menschen zwei Wölfe miteinander. Der Eine ist Negativität und verkörpert alle schlechten Charaktereigenschaften. Der Andere ist Positivität und steht für alle guten Charaktereigenschaften. Nun, lieber Leser, was meinst du, welcher Wolf gewinnt? Ganz einfach: der, den du fütterst! Oder wie ein deutsches Sprichwort sagt: Jeder ist seines Glückes Schmied.

Internetadressen:
Das Übungsheft zum Download
Rahm’s Präsi zum Downlaod
Oxytocin

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