Christina/ März 24, 2019/ Kultur

Ich liebe orientalische Musik. Vermutlich wird dieses Eingeständnis den aufmerksamen Leser meines Blogs nicht überraschen. Die Gelegenheit derselbigen zu lauschen ergibt sich in meiner Stadt eher selten. Deshalb gingen meine Antennen sofort auf erhöhte Alarmbereitschaft als ich im Veranstaltungskalender auf ein Konzert mit anatolischer Musik aufmerksam wurde. So ging es gestern in die St. Thomas-Kirche in Melverode, um den Klängen von Hünkar Savaş und seinen Bağlamas zu lauschen.

Die Saz-Familie und ihr orientalischer Flair

Den Begriff Bağlama hatte ich bis dahin nicht gehört, war ich doch mehr auf die arabische Oud konzentriert. Zum Konzert wird aber ein Programmheft ausgeteilt. Eine tolle Idee. In dem Flyer werden sowohl der Künstler als auch seine Instrumente ausführlich vorgestellt. Auf fünf verschiedenen Ausführungen der Bağlama spielt Savaş an diesem Abend virtuos. Die Musik, die aus Savaş‘ anatolischer Heimat stammt, wirkt sehr entspannend auf mich. Leise, unaufdringlich, fast meditativ dringen die Weisen an mein Ohr. Ich denke viel an meine Aufenthalte in der arabischen Welt und der Türkei. Immer wieder kommen mir sowohl schöne als auch melancholische Bilder in den Sinn. Mir fehlt der orientalische Flair, dieses Gemisch aus Gastfreundschaft, Gelassenheit, Gerüchen und einfach das Gefühl, willkommen zu sein.

Savaş erzählt uns zu Beginn des Konzerts, dass er sehr aufgeregt sei. Ein Lehrer und Virtuose der türkischen Laute sitzt nämlich im Publikum. Da möchte Savaş alles richtig machen. Und soweit ich das mit meinem laienhaften Wissen beurteilen kann, würde ich sagen, er macht alles richtig. Ein knappe Stunde lang entführt uns der Künstler auf die schönste Weise in seine Heimat, lässt uns an seinen Wurzeln teilhaben. Er zeigt uns ein anderes Anatolien als es oft über die Medien kolportiert wird. Wie schön, sich einmal auf Klänge jenseits aller Klischees einzulassen. Ist Musik nicht auch ein völkerverbindendes Element? Und macht nicht erst dessen geduldiges Spiel deutlich, wie irrwitzig und irrational alle Hetze gegen „fremde“ Menschen ist?

Ein elegantes Instrument mit dickem Bauch

Nach seinem Konzert machen wir einen kleinen Rundgang und bestaunen die Bağlamas aus der Nähe. Diese elegant wirkenden Instrumente mit ihren langen Hälsen und dicken Bäuchen, mit ihren hohen oder tiefen Tönen, mit ihren eingängigen Klängen von beruhigender Wirkung. Da hat mir nur eine Wasserpfeife als Begleitung gefehlt, dann wäre das Glück perfekt gewesen! Geduldig beantwortet Savaş noch die Fragen des Publikums. Auch ich frage ihn nach den Unterschieden zwischen arabischer und anatolischer Musik, zwischen Oud und Bağlama. Savaş ist ein äußert sympathischer Mensch, wirkt sehr geduldig, ja fast bescheiden.

Leider sind zur Zeit keine weiteren Auftritte in Planung. Aber wer weiß, vielleicht liest er das hier und gibt sich einen Ruck! Ich blicke auf jeden Fall auf einen wirklich schönen Abend zurück.

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