Christina/ Juli 3, 2018/ Alltagsgeschichten

Zugegeben, Wolfsburg ist langläufig weder als städtisches noch als landschaftliches Kleinod bekannt. Umso überraschter waren wir, als wir am vergangenen Sonnabend den Brunnen- und Quellenwanderweg im Wolfsburger Stadtforst für uns entdeckten. Die vorgeschlagenen Wanderrouten gibt es in den Varianten 8 km, 10 km oder 14 km. 16 km werden es, wenn man auf dem Weg noch einen Abstecher zum Arboretum macht, so wie wir.

Mit der Wanderbeschreibung und einem GPS bewaffnet, starteten wir unsere Tour also am VW-Bad am Berliner Ring. Zunächst ging es zu den drei Steinen, die wie Giganten aus dem Boden ragen. Entlang einiger Teiche ging es zum ersten Highlight der Wanderung: der Rotheburg-Quelle. Gerade, als wir uns von der Qualität des Wassers überzeugen wollten und noch überlegten, ob wir unsere Wasserflaschen hier gleich auffüllen wollen, kam ein Mann mit sechs Glasflaschen auf seinem Gepäckträger angeradelt. Er erzählte uns, dass er sein Trinkwasser seit Jahren nur noch aus dieser Quelle holen würde, weil es so lecker sei und seine Qualität ständig kontrolliert würde. Nun wurde ich neugierig und gönnte mir auch einen Schluck. Und, ich konnte die Aussage des Herren nur bestätigen. Das war unser erstes Quellwunder.

Ein Engländer in Wolfsburg
Geht der Stadtforst zunächst noch recht nah an den Wohnsiedlungen vorbei, so ist man nach ca. einer Stunde komplett von der Natur umgeben und dringt immer weiter in die mystische Brunnenwelt ein. Wir erreichen zunächst den Erlengrund und dann die Tommy-Quelle. Zunächst hielt ich den Namen für eine neumodische Erfindung bzw. für die anglizistische Abkürzung des Namens Thomas. Tatsächlich erleben wir hier aber unsere zweite Überraschung. Nicht nur, dass uns hier ein weiterer „Quellwasserfan“ über den Weg läuft. Nein, wir erfahren auch, dass der Name der Quelle von einem englischen Hauptmann stammt, der hier kurz nach dem II. Weltkrieg sein Trinkwasser holen ließ. Gleich bei der Tommy-Quelle stoßen wir auch auf das Arboretum und machen einen kurzen Abstecher hinein.

Wie der Käfer seien Namen bekam
An der nächsten Station, der Oldtimer-Handschwengel-Pumpe, können wir sogar einmal selbst tätig werden und ausprobieren, wie man sich früher sein Wasser holte. Aufgrund des hohen Eisen- und Mangangehaltes hat das Wasser hier jedoch einen sehr „rostigen“ Geschmack.
Nach einer Weile erreichen wir die Hattdorfer-Teiche, eine sehr schöne Stelle für ein Picknick oder auch einfach nur zum Durchschnaufen. Nach einer kurzen Pause geht es für uns zur Käfertränke weiter. Jetzt endlich wissen wir, woher der VW-Käfer seinen Namen hat: „Dieses Trinkwasser kommt aus dem Harz und ist nur für die Volkswagen AG bestimmt“, so lesen wir.

Warum in die Ferne schweifen?
Ein weiteres Highlight sind für uns die alten Karpfenteiche. Die kleinen schlüpfrigen Biester stellen sich als sehr scheu heraus, schließlich gelingt es mir aber doch noch, einen bei der typischen Pose des Mauls Auf- und Zumachens zu fotografieren. Von den Karpfenteichen aus treten wir langsam den Weg zurück zum Ausgangspunkt an. Als wir fast wieder dort sind fällt uns auf, dass wir den Brunnen zum Kaiserstuhl nicht gesehen haben. Wir drehen nochmals um und sprechen zwei Radfahrer an, die aus der Richtung kommen, wo wir den letzten Brunnen vermuten. Wir fragen die beiden nach eben diesem Brunnen und sehen zunächst zwei erstaunte Gesichter. „Ja, da war eben ein Brunnen. Aber, wie soll der heißen?“ fragen sie verblüfft. „Ja, sie seien aus Wolfsburg“ sagt der Mann. Und seine Frau ergänzt: „Ach ja, vom Brunnen- und Quellenweg haben wir schon gehört.“ Möglicherweise, sagen sie, könnte der soeben gesehene Brunnen der Brunnen zum Kaiserstuhl gewesen sein.

Wir bedanken uns und erreichen den Kaiserstuhl schließlich noch. Zudem sind wir uns sicher, dass auch die beiden Radfahrer sicherlich neugierig geworden sind und genau wie wir irgendwann mal das Quellenwunder von Wolfsburg erwandern werden. Und so schließe ich diesen empfehlenswerten Wanderweg mit Goethes Worten: „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen: Denn das Glück ist immer da.“

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