Christina/ Juli 3, 2018/ Kategorien, Kultur

Im eigenen Dunstkreis, da wo man aufgewachsen ist, Neues entdecken? Geht das? Ja! Gerade bei Radtouren und Wanderungen kommt Unverhofft oft: einmal falsch abgebogen und es macht Bääm! Neugierig geworden?

Wir waren schon eine Weile mit dem Rad unterwegs, als ich diesen steilen Anstieg auf mich zukommen sehe – einen von der Art, wo man am Anfang nicht sieht, wo das Ende ist. Mir tat der Hintern schon weh, es war ziemlich warm und ich hatte den Punkt erreicht, an dem ich mich fragte, warum ich an einem Sonntag um 7 Uhr aufgestanden bin, um 60 km durch die Walachei zu fahren, anstatt faul auf dem Balkon zu liegen. Und da macht es plötzlich „wumbaba“. Die Anstrengung, der Ärger, die Hitze, der Durst – alles vergessen. Mein Blick fällt also auf dieses Kleinod, auf das keiner von uns vorbereitet war, denn, wir sind ja falsch abgebogen. Vor uns liegt die Burg Wohldenberg. Es handelt sich dabei um eine sehr schöne Anlage mit Kerker und einem genialen Pfarrgarten, der für alle offen ist. Für mich eine klare Besuchsempfehlung.

Bevor es zur versprochenen Abkühlung ins Freie Bad nach Bodenburg geht, machen wir noch eine kurze Rast in Upstedt und picknicken unter der „Dicken Linde“. In dem wirklich dicken Stamm des Baumes finden bis zu fünf Erwachsene Unterschlupf und bietet an diesem warmen Tag ein sehr schönes, schattiges Plätzchen.

Grillzauber im Freien Bad Bodenburg
Auf geht es ins Freie Bad nach Bodenburg. Zur Verdeutlichung des historischen Ereignisses sei angemerkt, dass ich seit meiner Jugendzeit eine Abneigung gegenüber Freibädern habe. Schwimmen kann man da meistens sowieso nicht, weil einem entweder die Kinder auf den Kopf springen oder das Wasser vom Reinpissen bereits so warm ist, dass die erhoffte Erfrischung ausbleibt. Ganz anders im familiär anmutenden „Freien Bad.“ Kein Lärm, kein Geplärre, keine Überfüllung. Dafür: Männer am Grill, ein relaxter Kioskbesitzer, freundliche Bademeister, sauberes, klares Wasser mit der erfrischenden Wassertemperatur von 20 Grad. Auch hier: Eine klare Empfehlung.

Mumienschieben im Kurpark
Jetzt will einer aus der Gruppe unbedingt noch zum Kurpark nach Bad Salzdetfurth. Oh je, wenn sich das nicht nach Mumienschieben und Kurkonzert anhört. Und wer steht auf der Bühne? Die örtliche Blaskapelle. Sie spielt zum Stelldichein auf, denn die lokalen Altenheime haben Freigang! Naja, das sind aber auch noch die Gradierwerke, um die es eigentlich geht. Die sind dann auch wirklich interessant. Erst wirken Sie wie überdimensionierte Scheunen. Drinnen ist es dann (angenehm) kühl und als Spaziergänger wird man kontinuierlich mit einer Art Salzgischt besprüht. Soll ja gut für die Atemwege und auch sonst so sein. Oder wie es Frau Ackermann so plastisch auf der Homepage des Gradierwerkes schildert: „Wenn ich regelmäßig inhaliere, kann ich besser abhusten und Schleim löst sich.“ Wenn’s schee macht. Ich schlendere noch ein bisschen durch die historische Altstadt und mache ein paar Bilder von den schönen Fachwerkhäusern des Ortes.

Eis gibt’s erst ab 17 Uhr
Dann geht es auch schon weiter. Es steht die Obstweinschänke in Lechstedt auf dem Programm und alle treten in die Pedale, den Obstwein gefühlt schon auf den Lippen. Bei der Ausfahrt aus Bad Salzdetfurth gelangen wir noch in einen Umzug und können gerade so mit heiler Haut davonkommen. Als wir die Obstweinschenke erreichen, erleben wir die erste und einzige unangenehme Überraschung des Tages. Wir kommen dort gegen 15:30 Uhr an und bekommen eine Tageskarte in die Hand gedrückt. Paniertes Schnitzel und Hackbraten in praller Sonne und am Nachmittag? Wir fragen nach Kuchen oder Eis. Kuchen ist bereits aus! Um 15:30 Uhr? Einige erkundigen sich nach einem Snack, wie z.B. ein belegtes Brot – steht ja schließlich auf der Speisekarte. Ähm, die Speisekarte gelte erst wieder ab 17 Uhr, erklärt uns die Bedienung. Servicewüste Deutschland? D.h. der Koch kann zwar ein Boeuf Stroganoff zaubern aber kein Brot schmieren? Na gut, wenn die an uns nichts verdienen wollen … Vielleicht sehen wir auch einfach nicht nach Trinkgeld aus. Etwas hungrig verlassen wir also gegen 17 Uhr das schöne aber wenig gesellige Anwesen und radeln zum Hildesheimer Bahnhof. Von dort treten wir die Heimreise an.
Mit gut 70 km und einigen Steigungen (die ich im Hildesheimer Land so nicht vermutet hätte) war die Tour zwischenzeitlich recht anstrengend. Die Mühe hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Mir ist mal wieder deutlich geworden, dass es auch im eigenen Dunstkreis Schönes zu entdecken gibt.

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