Christina/ August 16, 2010/ Kultur

Eine Story über die Golf-Staaten ohne Superlative? Undenkbar, unvermittelbar, bringt kein Geld! Ein Klischée? Bei Weitem nicht. „Mit Vollgas durch die Wüste“ so der verheißungsvolle Titel einer einstündigen TV-Dokumentation, die am vergangenen Sonntag (15.08.2010) auf Kabel Eins gesendet wurde. Nicht besonders originell? Tatsächlich nicht, zumal die Strecke am Hafen, der Marina, gebaut wurde und wir hier nicht von Paris-Dakar reden. Aber sei es drum, Headlines sind nicht dazu da, intellektuell zu klingen, sondern Geld in die Kassen zu bringen.

Die Dokumentation zeigt uns die letzten sechs Monate der zweijährigen Bauphase in Abu Dhabi bevor der „Yas Marina Circuit“ am 01. November 2009 pünktlich – what else – an den Start geht.

Gut, was soll uns denn diesmal beeindrucken? Dass 47.000 Arbeiter (vornehmlich aus Indien und Pakistan, was für eine Überraschung!) Tag und Nacht am Werk sind? Dass im Mai (der Beginn der Dokumentations-Phase) um 08:00 Uhr morgens 46 Grad herrschen (nicht wahr!)? Es sind auch nicht die stereotypen Sätze wie: „Es geht um Superlative, es geht um die Ausbeitung von Arbeitern, es deht darum die unmenschlichen Vorstellungen der Sheikhs umzusetzen.“ Das wissen wir doch alles schon – give us the news, möchte man dazwischen rufen.

Nein, die entscheidenden Sätze kommen aus Australien und Deutschland -also im übertragenen Sinne, von den Bauleitern, der eine aus Australien, zuständig für den Shams-Tower der Herrscherfamilie und der Andere, naja, irgendwie quält der sich auch mit den 568 Glasfenstern des Towers herum. Es fallen Sätze wie: „Ja, wir müssen die Arbeiter antreiben soviel wir können“, oder „Man muss sie (die Arbeiter) einfach antreiben, es ist harte Arbeit für alle, das wissen wir.“ Mit Sicherheit standen auch dieses Sätze im Vertrag, denn welcher zivilisierte Baustellenleiter würde denn schon soetwas von sich aus sagen?“

Unnötig zu erwähnen, dass natürlich alles pünktlich fertig geworden ist. Unnötig zu erwähnen, dass die Baustellenleiter gutes Geld verdienen werden. Unnötig zu erwähnen, dass sie den Job freiwillig machen. Unnötig zu erwähnen, dass auch sie sich nicht für Arbeiter aus Indien, Pakistan oder sonstewo interessiern. Sieht aber trotzdem schöner vor der Kamera aus, wenn man auf „political correct“ macht.

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