Christina/ April 9, 2019/ Alltagsgeschichten

Lust auf etwas Neues? Dann habe ich einen wirklichen Geheimtipp für euch: den Drömling. Wer Ruhe, reine Natur und nette Leute sucht ist hier genau richtig. Das ungefähr etwa 320 km2 große Naturschutzgebiet, dass sowohl in Niedersachsen als auch Sachsen-Anhalt liegt, ist vermutlich eher unbekannt. Beim Drömling handelt es sich um ein Rückzugsgebiet für seltene oder vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Wem das zu langweilig klingt, der täuscht sich gewaltig, denn es gibt dort einiges zu erleben. Was das genau ist, lest ihr jetzt in meinem Beitrag. Aber so viel sei bereits verraten: Der Besuch ist das reinste Abenteuer!

Die Drömlingsritter

Zugegeben: Infos über den Drömling im Internet sind recht spärlich gesät, Wandermaterial gibt es gar keins. Aber genau das macht es interessant. Einfach mal hinfahren und schauen was passiert. Aus einer Onlinerecherche hatte ich es so verstanden, dass das Informationshaus Drömling Kämkerhorst mitten in Oebesfelde liegt, genauer gesagt, direkt gegenüber dem Bahnhof. So stehen wir erwartungsvoll am Samstagmorgen vor der Naturparkverwaltung (!) in Oebisfelde, die natürlich geschlossen ist. Damit waren alle Wanderkartenträume zunächst geplatzt. Da uns zudem gerade der „Drömling-Express“ vor der Nase wegfuhr, versuchten wir nur mit einem DIN A3-Ausdruck der alten Radwanderkarte des Gebiets ausgestattet den Einstieg in das Naturreservat zu finden.

Meister Adebar

Fortuna meint es gut mit uns und schickt uns jede Menge nette Anwohner zur Hilfe. Unser erster Drömlingsritter navigiert uns zunächst entlang der Straße nach Buchhorst. In Buchhorst gibt es zwar auch kein Kartenmaterial, dafür aber jede Menge Storchennester und skurrile Gegenstände auf dem Weg (s. Bildergalerie). Im Ort gönnen wir uns auf dem „Drömling-Rastplatz“ erstmal eine schöne Kaffeepause und genießen die herrliche Frühlingsluft.

Und wieder ist uns das Glück hold: Als wir noch nach dem richtigen Weg sinnierend die Straße entlang laufen, werden wir aus dem Fenster eines Hauses angesprochen. Eine nette Dame, die gerade den samstäglichen Hausputz erledigt, fragt, ob sie uns behilflich sein kann. Als wir ihr erzählen, dass wir das Informationshaus Kämkerhorst suchen sagt sie kurzerhand: „Soll ich Sie schnell hinfahren?“ Zunächst schauen wir uns ungläubig an, weil wir meinen uns verhört zu haben. Die Dame wiederholt ihr Angebot jedoch nachdrücklich und schwuppdiwupp sitzen wir in ihrem fahrbaren Untersatz und sind auf dem Weg nach Rätzlingen.

Vorsicht: Eichenprozessionsspinner

Wir sind von der Hilfsbereitschaft der netten Damen, ihres Zeichens Lehrerin, völlig geplättet. Munter erzählt sie uns, dass aus ihrer Erfahrung nur nette und naturbegeisterte Menschen in den Drömling kommen und sie diese deshalb auch gerne und ohne Sorge herumkutschiert.

Auf dem Weg entdecke ich im Vorbeifahren ein Schild: Eichenprozessionsspinner steht da drauf. Hm, denke ich noch, ob das wohl eine schützenswerte Spezie ist, wie z.B. die Kröten bei der Krötenwanderung? Mitnichten. Unsere Fahrerin berichtet von einer veritablen Plage durch diese Schmetterlingsart, die die Eichen in Massen befallen. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sind dabei gefährlich. Ihre Haare können Ausschläge, Asthma bis hin zu Atemnot auslösen.

An einer Gabelung verlassen wir unsere charmante Gastgeberin wieder und wandern entlang der Ohre nach Kämkerhorst. Linkerhand beobachten wir einen Storch auf Futtersuche; rechterhand sehen wir eine Gruppe von Pferden, die sich ausgelassen austobt. Wir kommen zunächst an eine Schleuse und erreichen ein paar Minuten später das Informationshaus Kämkerhorst.

Leider kein Kartenmaterial

Hier treffen wir auf einen netten Ranger, der gerade Brot für eine Veranstaltung backt. Er zieht die Stirn in Falten als wir ihn nach einem Exemplar der Radwanderkarte fragen. „Oh, ich hatte gehofft, dass die Frage nicht kommt. Leider ist die Karte vergriffen und wurde zwischenzeitlich nicht wieder aufgelegt, weil das Netz erweitert werden sollte. Das Projekt wurde aber wieder eingestellt. Nun übernehmen wir das Projekt. Aber mit einer neuen Karte wird es noch dauern“, erklärt er uns die missliche Lage.

Aber auch diesmal sind wir wieder die „Hänschen im Glück“: Der nette Herr gibt uns einen Wandertipp. „Und wenn Sie um 18 Uhr wieder hier sind“, so bietet er uns spontan an, „dann kann ich Sie nach Mieste zum Bahnhof fahren. Liegt quasi auf dem Weg.“ Jetzt sind wir zum zweiten Mal verblüfft. Gut gelaunt machen wir uns auf den Rundweg, genießen die ungestörte Natur und beobachten Vögel. Wie eine Fata Morgana taucht auf der Zielgeraden noch die Drömlingsklause vor uns auf. Bei herrlichem Sonnenschein lädt uns die Terrasse zu einem Damengedeck und einem alkoholfreien Weißbier ein. Wir sind sehr mit uns und unserer Wahl zufrieden.

Glückskinder

Frisch gestärkt machen wir uns auf den „Heimweg“ zum Informationshaus Kämkerhorst. Wie versprochen nimmt uns der nette Ranger in seinem Auto mit. Unterwegs wird uns klar, dass wir den anvisierten Zug zu Fuß niemals erreicht hätten. Wir bedanken uns sehr herzlich. Unser Glück können wir kaum fassen, aber eins wissen wir sicher: Heute waren wir zu Besuch bei Freunden!

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