Christina/ April 27, 2019/ Alltagsgeschichten

„Da kommen Sie heute nicht mehr hin – das schaffen Sie nicht. Und dann noch den ganzen Weg zurück?“ Diese oder ähnliche Ausdrücke des Erstaunens haben wir in den letzten drei Tagen mehrfach gehört – zu unserer Überraschung. 65 km in drei Tagen wandern und 12 Stempel der Harzer Wandernadel einsammeln, das war das Ziel. Unmöglich? Wieso denn? Wenn der Wanderkaiser fast erreicht ist und die „offenen Stempel“ immer weniger werden, dann werden die Wanderstrecken im Gegenzug länger. Im Falle des Stempelsammelns rund um Ballenstedt wird die Mühe aber reichlich belohnt. Es gibt viel zu entdecken: den Teufelsmauerstieg, das Ballenstedter Schloss, den Panoramaweg bei Gernrode. Auf der kulinarischen Ebene locken köstlicher Spargel und richtig gute Freilandkartoffeln.

Tag eins: Von Ballenstedt nach Degenershausen

Am ersten Tag unseres Stempelmarathons stehen zunächst die Ziele Forstmeister-Tannen (181), Alter Kohlenschacht (180), Bismarckturm (199) und Landschaftspark Degenershausen (202) auf dem Programm. Die Forstmeister-Tannen befinden sich hinter dem Schlosspark und sind einfach von Ballenstedt aus zu erreichen. Der Weg von Ballenstedt zunächst zum Bismarckturm in Opperode und dann zum Alten Kohlenschacht ist von der Strecke her moderat und gut zu bewältigen. Vom Alten Kohlenschacht geht es dann durch den Wald und in Serpentinen zunächst nach Meisdorf und von dort, ebenfalls durch den Wald, zum Landschaftspark. Der Weg ist leider nicht besonders gut ausgeschildert, eine Wanderkarte ist hilfreich. Ansonsten helfen auch gerne nette Anwohner weiter. Der Landschaftspark, das muss ich leider sagen, ist nicht besonders spannend.

Insgesamt ist die Rundtour Ballenstedt – Opperode – Meisdorf – Degenershausen und zurück schön, aber nicht spektakulär. Großes Glück hatten wir mit dem Wetter, zudem trieb uns die Aussicht auf den ersten Spargel des Jahres an.

Tag zwei: Von Weddersleben über Thale nach Bad Suderode

Unser zweiter Wandertag hatte es wirklich in sich: Ein Highlight folgte dem nächsten. Wir starten unsere Tour am Wanderparkplatz „Teufelsmauer“ in Weddersleben und sammeln zunächst den Stempel 188 ein. Der wahrscheinlich markanteste Teil der Teufelsmauer befindet sich südlich von Weddersleben und zieht sich bis Warnstedt. Dort reihen sich auf einer Länge von zwei Kilometern der Königstein, die Mittelsteine und die Papensteine aneinander. Dieser Abschnitt des insgesamt 35 km langen Teufelsmauerstieg ist wirklich spektakulär und absolut sehenswert.

Nach diesem fullminanten Einstieg folgen wir zunächst dem Teufelsmauerstieg weiter bis wir Thale erreichen. In Thale werfen wir einen Blick auf das Kloster Wendhusen. Leider ist es nur von Mittwoch bis Sonntag von 14 – 17 Uhr geöffnet. Solange können wir nicht warten. Wir gehen weiter Richtung Glockenstein (HWN 73). Nach einem wirklich steilen Anstieg erreichen wir den Glockenstein und genießen erstmal die warmen Sonnenstrahlen.

Über einen wirklich schönen Weg geht es weiter in Richtung Burgruine Lauenburg. Auch dort erwartet uns eine Überraschung. Von der Burg ist zwar nicht mehr viel zu sehen; eine Erkundung des Geländes lohnt sich doch noch. Nicht zuletzt wegen der tollen Aussicht vom Turm der Vorburg. Leider können wir nicht verweilen, denn auf unserem Programm stehen noch drei weitere Stempelstellen. Wir machen uns auf zum Anhaltinischen Salstein (HWN 186), eine unspektakuläre Stempelstelle mit steilem, vorgelagerten Anstieg. An der Stempelstelle haben wir Glück und treffen auf einen weiteren „rüstigen“ Wandersmann. Dieser erklärt uns, wie wir am besten zum Försterblick bei Gernrode (HWN 183) gelangen. Zudem versichert er uns, dass der Weg von dort zum Preussenturm (HWN 185) nicht weit sei.

Schönster Blick über Gernrode

Die Stempelstelle 183 hat es dann auch wirklich in sich: Der Ausblick über Gernrode ist fantastisch und lädt uns zu einer kurzen Rast ein. Wir genießen die Abendsonne und holen nochmals tief Luft bevor es durch eine Art Märchenwald zum Preussenturm geht, unserem letzten Ziel für den heutigen Tag. Der Turm, oberhalb des Kurparks von Bad Suderode, hält eine Überraschung der besonderen Art für uns parat. Wir lernen Waldbewohner kennen, deren Namen uns bis dato unbekannt waren: den gemeinen Weißblechling, den vulägeren Lügenbold oder auch den geknickten Dürstling. Im Gegensatz zu vielen wirklich nützlichen Insekten konnten diese Parasiten bisher nicht ausgerottet werden.

Nach einem wahrhaften Stempelkreuzzug erreichen wir Bad Suderode am frühen Abend. Hier gönnen wir uns den wohlverdienten „Belohnungscafé“ was für mich ein Damengedeck (doppelter Espresso und Bailys auf Eis) bedeutet. Nach dem Genuß und mit den letzten Sonnenstrahlen verlassen wir Bad Suderode in Richtung Ausgangspunkt. Obwohl schon müde können wir nicht anders: Wir müssen nochmals auf die Teufelsmauer und die ultmativen Sonnenuntergangsfotos schießen. Die Felsformationen leuchten wunderschön im Abendrot und wir strahlen mit dem Ensemble glücklich um die Wetter. Abends locken wieder Spargel und gute Kartoffeln – diesmal aus dem Ofen mit Dip.

Tag drei: Bisons, Safari und die Gegensteine

Auch den letzten Tag unseres Stempelmarathons wollen wir nicht ungenutzt verstreichen lassen. Es stehen noch die Stempel 86 und 205 auf dem Programm. Wir erreichen den ersten Ausgangspunkt am frühen Vormittag. Das Bisongehege befindet sich im 300 ha umfassenden Wildpark, welcher zum Reit- und Sporthotel Nordmann in Stangerode gehört. Als wir bei den Bisons ankommen, hält eine Art Laster hinter uns, der Feriengäste auf einer Art Safari transportiert. Wir wandern weiter Richtung Clusberg. Nach einer weiteren guten halben Stunde kassiere ich nicht nur den letzten Stempel unserer Reise ein, sondern auch meinen 200en Stempel in meinem Harzer Wanderpass. Ein rundes Jubiläum also und das bei Kaiserwetter!

Glücklich und zufrieden treten wir den Rückweg an, machen noch eine Runde über das Wildparkgelände. Dann geht es zurück nach Ballenstedt. Dort wollen wir uns noch die Gegensteine anschauen. Die Steinformationen stellen sich als letztes Highlight unserer dreitägigen Reise heraus. Wir klettern auf den großen Gegenstein, genießen den Blick in die Ferne und freuen uns über die jetzt hinter uns liegenden Wandertage rund um das schöne Ballenstedt. Insgesamt eine klare Wanderempfehlung von mir.

Share
Share this Post