Christina/ Mai 5, 2019/ Alltagsgeschichten

Es ist der erste Mai, es ist Kaiserwetter, das schreit geradezu nach einer schönen Wanderung. Und was liegt näher, als dem „kühnen Hans“ einen Besuch abzustatten? Nebenbei locken zwei Stempel der Harzer Wandernadel. Wir machen uns auf vom Wanderparkplatz an der Christuskirche in Riefensbeek-Kammschlacken. Der Weg beginnt recht steil. Unser erstes Etappenziel ist der Eleonorenblick, den wir nach einer knappen Stunde erreichen. Wir sind wirklich überrascht, was für ein schöner Platz und Ausblick die Stempelstelle 147 ist. Der Blick auf Riefensbeek und Kamschlacken bis hin zur Sösetalsperre erinnert an ein Gemälde von Casper David Friedrich, ohne Übertreibung!

„E“ wie Easy

Über Wald und Wiesen geht es ganz idyllisch Richtung Hanskühnenburg. Unterwegs treffen wir auf Easy und Alf. Nein, das sind keine Figuren aus dem Fernsehen sondern zwei Hunde. Und Easy macht seinem Namen alle Ehre und begrüßt alle Wanderer aus unserer Gruppe persönlich und mit dem gleichen nicht nachlassenden Enthusiasmus. Alf, sein tierischer Kumpel, wandelt mit einer bedächtigen Ruhe. Er ist leider taub, teilt uns sein Herrchen mit. Wir wandern weiter auf dem schönen Weg, der vom Stieglitzeck kommend zur Hanskühnenburg führt. Nochmals müssen wir ein ziemlich steiles Stück überwinden. Unser Ziel ist aber bereits in Sichtweise und wir wissen, dass Kuchen und Erbsensuppe nur noch einen Steinwurf entfernt sind. In der Sonne, draußend sitzen, genießen wir unsere Belohnung. Neben der Jause gibt es noch einen Sonderstempel der Hazer Wandernadel.

Steiler Abstieg

Nach einer ausgiebigen Stärkung geht es von der Hanskühnenburg in einem steilen Abstieg in vier Kilometern zum Ausgangspunkt zurück. Diese vier Kilometer haben es aber in sich. Nicht nur, dass sie steil sind, sie sind auch teilweise gesperrt. Da ziehen wir unser As aus dem Ärmel: Unser Wanderquotenmann Uwe lotst uns mit seinem GPS-Gerät sicher durch den Dschungel der umgefallenen Bäume. Über eine pitoreske Brücke und einen nochmaligen steilen Anstieg erreichen wir glücklich unseren Ausgangspunkt, den Wanderparkplatz.

Schneller als der Wind in Seesen

Jetzt beginnt die eigentliche Herausforderung. Es gilt, in einer guten halben Stunde in Seesen zu sein, um den Zug nach Braunschweig zu erreichen. Susanne sitzt am Steuer ihres Sportwagens und gibt alles. Wir sitzen Open-Air im Auto, der Fahrtwind drückt uns in die Sitze. Der Weg windet sich durch die Landschaft, zunächst in Serpentinen, da kann sie das Gas nicht wirklich durchtreten. Aber dann gibt’s kein Halten mehr. Zumindest so lange bis die ersten Blitzer auftauchen. Wir umschiffen die ersten Hindernisse erfolgreich. Dann kurz vor dem Ziel gehen wir der Falle doch noch ins Netz, Mist! Susanne aber bleibt zuversichtlich und trotz einer kurzen Schlenkers in die falsche Richtung schaffen wir das Unmögliche: Wir fahren in den Bahnhof von Seesen ein, just als der Zug einfährt. Jetzt bin ich gefragt. Ich nehme meine Beine buchstäblich in die Hand. Die Zuschauer halten kurz die Luft an, ich auch. Werde ich es schaffen? Mein Herz rast, mein Verstand setzt aus. Ich renne nur noch, hoffe, dass das Licht am Zugangsschalter zur Zugtür noch grün leuchtet. Es klappt. Ich drücke den Knopf, halte noch einmal die Luft an und … jawohl, die Zugtüren öffnen sich. Ich setze mich hin, der Zug fährt an. Ich winke meiner Fahrerin glücklich zu. Ich blicke auf einen tollen Tag zurück. Wir sind eine tolle Wandertruppe. Der perfekte Wandertag.

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