Ein Mädelsausflug in den Harz nach Güntersberge
Eine Mädelsauszeit im Harz über meinen Geburtstag, das stand dieses Jahr auf dem Programm. Samstag geht es bei Regen los. Zuerst nehme ich den Bus nach Magdeburg. Ich komme sogar fast pünktlich dort an und werde bereits von meiner Freundin erwartet. Mit dem Auto geht es weiter über die Autobahn und später Landstraße nach Güntersberge. Über ein Portal haben wir ein „Wellnesswochenende“ im HarzHotel in Güntersberge gebucht. Wie das immer so ist, macht man sich vorab eine ungefähre Vorstellung davon, wie es dort wohl sein mag. Nun, als wir das Hotel erreichen fällt uns als erstes auf, dass es keine hoteleigenen Parkplätze gibt. An der Rezeption erfahren wir dann, dass es gegenüber vom Hotel einen öffentlichen Parkplatz gebe. Dann stellen wir fest, dass es im Eingangsbereich doch recht frisch ist. Die Sauna ist auf Anfrage im Betrieb, sonst gibt es kein Wellnessangebot. Die Zimmer, das muss ich leider sagen, versprühen den Charme der 70er Jahre. Leider gibt es auch keinen Wasserkocher oder eine Kaffeemaschine auf dem Zimmer. Lediglich eine 0,5 Flasche Kräuterlimonade wird uns bereit gestellt. Das Bad ist zudem sehr klein und recht nüchtern eingerichtet. Schade, wir hatten uns das alles etwas gemütlicher vorgestellt oder auch gewünscht. Frühstück und Abendessen sind im Paket inkludiert. Beim Abendessen wundert es uns ein wenig, dass das regionale Menü nur aus zwei Gängen, nämlich Vor- und Hauptspeise besteht. Während meine Freundin das Fleischgericht wählt, greife ich zum Fisch. Leider ein Fehler, da das Rotbarschfilet sehr trocken und kaum gewürzt ist. Auch die Beilage mit Gemüse und Reis kann nicht überzeugen. Leider ist das Gemüse sehr bißfest und zudem fast kalt. Die Getränke sind dafür sehr teuer. Schade, kein guter Start.
Unterwegs nach Breitenstein
Am nächsten Morgen starten wir mit dem Frühstücksbuffet. Die Auswahl ist soweit okay. Leider ist das selbstgebackene Brot optimierungsbedürftig. Es gibt drei verschiedene Sorten. Während eine davon sowohl von der Konsistenz als auch vom Geschmack her okay ist, ist eine andere Sorte nicht nur optisch wenig ansprechend sondern auch völlig geschmacksfrei. Die dritte Sorte konnten wir leider nicht probieren, das Brot war so hart, dass man es nicht mal mit dem elektrischen Messer schneiden konnte. Ansonsten gibt es Käse, Wurst, Marmelade, Obst, Müsli und Trockenfrüchte sowie Rührei. Alles soweit okay.
Nach dem Frühstück brechen wir zu einer kleinen Wanderung auf. Über komoot haben wir eine Tour nach Breitenstein gefunden. Wir starten direkt im Ort und laufen zunächst zum „Bergsee“ hinauf. Nun, der See ist natürlich nicht mit Bergseen aus den Alpen zu vergleichen, mag im Sommer ein schönes Ausflugsziel sein. Tatsächlich ist das Gewässer aber Ausgangspunkt für einige Wanderungen in der Umgebung, so auch für den Selketalstieg. Entlang des rechten Ufers gelangen wir also zu unserem Ausgangspunkt und starten in Richtung Breitenstein. Es geht am Katzsohlenteich vorbei und dann über taunasse Wiesen, durch den Wald und schließlich auf Feldwegen zum Dorf Breitenstein. Dort angekommen sind wir kurzfristig mit unserem Latein am Ende, weil die Ausschilderung für den Rückweg fehlt. So gehen wir erstmal in Richtung Dorfkern. Da hier aber absolute tote Hose herrscht, drehen wir wieder um und halten wieder Ausschau nach dem Rückweg. Ich habe da so eine Vermutung, bin mir aber nicht ganz sicher. Schließlich haben wir Glück und treffen auf einen Einheimischen, dem wohl unsere ratlosen Gesichter aufgefallen sein müssen. Wir kommen ins Gespräch und erfahren noch ein paar Insiderinformationen. Z.B., dass sich in dem Ort immer mehr Holländer Feriendomizile kaufen oder, dass es nur ein Bistro gibt, das halbtags geöffnet hat und sonst nicht viel geht. Mit meiner Vermutung zum Rückweg jedoch habe ich richtig gelegen. Wir biegen am Friedhof rechts ab und laufen den Berg hinauf. Oben angekommen ist der Weg wieder ausgeschildert. Die Ausschilderung unten, so hat es uns der nette Mann erklärt, sei wohl den Straßenbauarbeiten zum Opfer gefallen.
An der Selketalbahn
Auf dem Rückweg kreuzen wir die Schienen der Selketalbahn. Gesehen haben wir diese bisher noch nicht. An diesem Wochenende, sprich dem 2.11, soll sie das letzte Mal vor der Winterpause fahren. Und tatsächlich, als wir wieder in Güntersberge ankommen und den Bergsee erneut erreichen, hören wir das fröhliche Getute der Lok und erspähen das kleine Bähnchen auf dem linken Seeufer. Eigentlich wollten wir auch noch einsteigen, da es sich mit der Rückfahrt aber schwierig gestaltet, verzichten wir auf dieses Abenteuer. Stattdessen steuern wir den Eisladen in Güntersberge für einen Kaffee an, entschließen uns aber in letzter Minute dafür, den Plan zu ändern. Warum? Nun, dafür ist ein Schild verantwortlich, dass vor dem Café steht und Werbung dafür macht, dass sonntags um 11 Uhr und um 15 Uhr eine Falkenflugshow geboten wird. Sofort bin ich Feuer und Flamme, ich LIEBE Falken. Also rein ins Auto und hin zum Eulenwelt-Falkenhof-Harz. Dort angekommen, sieht das alles ziemlich verlassen aus. Wir entdecken jedoch den Besitzer und er uns. Mehr als ein genuscheltes „Die Show läuft nur bis Ende Oktober“ ist ihm nicht zu entlocken. Schade, wir sind enttäuscht. Es lässt sich aber nicht ändern. Also entscheiden wir uns für einen Besuch des Mausefallen- und Kuriositätenmuseums an der Hauptstraße in Güntersberge.
Kuriositäten- und Mausefallenmuseum Güntersberge
Und Bingo – hier haben wir mehr Glück. Wir erwischen noch den zweiten Teil der letzten Führung an diesem Tag und kommen anschließend noch mit der Besitzerin ins Gespräch. Jetzt werden wir ausführlich über die Zeit gebrieft, als ihr Mann – wohl ein Opernsänger – noch lebte und die Führungen durch das Museum auch musikalisch begleitete. Nach der Wende, also so um 1991, sei das Ehepaar nach Güntersberge gekommen und hätte das verfallene Gebäude samt Grundstück gekauft und dann über Jahre renoviert. Das Haus sei dann Heimat ihrer beider Sammelleidenschaft geworden. Zu bestaunen gibt es neben speziellen Toilettensitzen aus verschiedenen Epochen auch Haushaltsgeräte vergangener Zeiten. Die Mausefallen bekommen wir höchstpersönlich von der Chefin mit großer Verve erklärt. Nun, das ist doch ein schöner Abschluss des ersten Tages in Güntersberge.
Leider kommen beim Abendessen erneut keine Gourmetgefühle auf. Nochmals probiere ich das Fischgericht und habe wieder so eine trockene und dann auch noch parnierte Flunder vor mir liegen, die weitestgehend geschmacksfrei in meinen Bauch wandert. Nun, wie heißt es so schön: „Der Hunger treibt`s rein“.
Im Sonnenschein durch das Selketal
Am nächsten Morgen ist es mit 6 Grad zwar recht kalt, dafür aber sonnig. Nach dem Frühstück geht es mit dem Auto nach Alexisbad. Unser Auto stellen wir auf Höhe des schönen Petruskapelle ab und starten bergauf zur Verlobungsurne, eine der schönsten Stempelstellen der Harzer Wandernadel, wie ich finde. Die Aussicht von dort oben ist wirklich grandios, besonders bei diesem herrlichen Sonnenschein und den bunten Herbstblättern. Wir laufen auf dem Klippenweg in Richtung Köthener Hütte, das ist definitv meine Lieblingsstempelstelle. Die ist so romantisch! Auf dem Weg dorthin kommen wir auf einen Lehrpfad. Hier lichten wir eine Reihe von schönen Pilzen ab, die herrlich im Sonnenlicht leuchten.
Eine Weile später gelangen wir dann zur Köthener Hütte. Da das Gebäude recht exponiert steht, weht hier ein ziemlicher Wind. Nachdem wir das gute Stück von allen Seiten fotografiert haben, ziehen wir deshalb weiter. Über den Mägdesprung geht es bergab zum gleichnamigen Ort. Oh je, der hat sich seit meinem letzten Besuch nicht gerade zum Positiven verändert. Zerfallene Häuser soweit das Auge reicht. Wir starten sogleich den Rückweg nach Alexisbad entlang der Selketalbahn. Wir kommen am Selkefall vorbei und steigen dann wieder bergab zurück nach Alexisbad. Das war eine wirklich schöne Tour bei bestem Herbstwanderwetter.
Schloss Harzgerode
Zum Abschluss wollen wir noch im Schloss Harzgerode vorbeischauen, hier soll es eine Führung geben. Wir erreichen den kleinen Harzort gegen 14:30 Uhr und fragen in der Touristeninfo nach dem Angebot. Und tatsächlich, im Hauptgebäude sind die Räume des ehemaligen Schlosses zu besichtigen. Ein halb erfrorener Herr empfängt uns in den kalten Schlossräumen und führt uns erst zögerlich, dann immer zugänglicher durch die herrschaftlichen Räume. In der oberen Etage, dem sogenannten Kaminzimmer, befindet sich eine Ausstellung einer Harzgeroders Bruderpaars. In den Kellerräumen befinden sich alte Haushaltsgeräte und sonstige Ausstellungsstücke aus der bewegten Zeit des Selketals. Insgesamt ist der Besuch des Schlosses recht lohnenswert.
Nach der Besichtigung wollen wir den Tag bei einem Kaffee ausklingen lassen. Das ist gar nicht so einfach in Harzgerode, weil an diesem Montag nicht viele Cafés geöffnet haben. Gleich gegenüber vom Schloss sehen wir das Café „Zur schönen Nüsslerin„. Das klingt erstmal einladend. Wir betreten die Räumlichkeiten. Es scheint sich hierbei sowohl um eine Pension, ein Kaffeehaus als auch ein Verkaufsladen für alles Mögliche zu drehen. Bei Café Crème, Baileys und Apfelkuchen kommen wir auch mit der Besitzerin ins Gespräch. Auch an dieser Stelle lässt sich eine Sammelleidenschaft feststellen. Zumindest ist der Raum ausreichend mit alten Kaffeekanne geschmückt. Nach der kleinen Auszeit in Harzgerode geht es zurück ins Hotel nach Güntersberge, wo wir unseren letzten Abend bei einem Vier-Gänge-Menü ausklingen lassen.
