Auf der Rübelandbahn: Unterwegs mit dem NikolausExpress

Christina/ Dezember 10, 2025/ Alltagsgeschichten

Niklausi steht vor der Tür, ein besonderer Tag in der Weihnachtszeit, der ein besonderes Event verdient. Aber was wollen wir Schönes an diesem Tag unternehmen? Ich kann mir vorstellen, dass es im Harz ein paar interessante Angebote gibt. Eine entsprechende Suchanfrage im Internet verläuft jedoch zunächst ernüchternd. Für mich überraschend ist die Anzahl der Veranstaltungen überschaubar, zudem richten sich die meisten Events an Kinder. Feiern Erwachsene nicht mehr? Schließlich werde ich doch noch fündig. Ein Angebot der Rübelandbahn zieht meine Aufmerksamkeit auf sich: Am 6. Dezember gibt es eine Dampflok-Sonderfahrt mit dem sogenannten NikolausExpress. Das klingt verlockend und klingt zudem nach einem gemütlichen Tag. Genau das richtige bei diesem trüben Vorwinterwetter!

Gibt es noch Tickets?
Was mich ein wenig nachdenklich stimmt ist der Umstand, dass Karten erst am Veranstaltungstag ab 12 Uhr erworben werden können. Da wir eine Anfahrt von über einer Stunde haben, wäre es natürlich ärgerlich, wenn die Tickets bei unserer Ankunft vergriffen wären. Zudem sind am heutigen Tag Sturmböen in Blankenburg angesagt. Ob die Bahn da überhaupt fährt? Wir wollen es genau wissen und rufen beim Bahnhof in Blankenburg an. Der freundliche Herr am Telefon versichert uns, dass der Zug auf jeden Fall fahren wird und reserviert uns auch gerne zwei Karten. Yuchu! Der Plan geht auf, wir fahren nach Blankenburg.

Stürmische Begrüßung
In Blankenburg angekommen werden wir im wahrsten Sinne des Wortes stürmisch begrüßt. Es weht eine sehr steife Brise und das bei gefühlten 3 Grad. Wir holen zunächst unsere Tickets ab und wollen uns dann eigentlich noch ein wenig die Beine vertreten. Allerdings ist der Wind so stramm und so kalt, dass wir uns doch recht schnell in dass Bahnhofsgebäude flüchten. Mein Auge fällt sofort auf die Sonderstempelstelle in der Bahnhofhalle. Jedoch sind bereits alle Sonderstempelplätze in meinem Stempelheft belegt, sodass ich diesmal auf den Spaß verzichte. Die Rübelandbahn steht bereits zur Abfahrt fertig auf dem Gleis, da sichern wir uns gleich mal gute Fensterplätze. Beim Einstieg bin ich ein weniger überrascht. Ich hatte mir bei der Bahn auch ein historisches Innenleben vorgestellt, mit Holzbänken und so. Tatsächlich handelt es sich aber um die Ausstattung einer ehemaligen Regiobahn, nur die Lok ist historisch. Aber egal, wir sitzen im Abteil direkt vor der Lok und haben somit einen guten Blick auf das Triebfahrzeug. Als es pünktlich um 13:15 Uhr losgeht, umhüllt uns schnell eine mächtige Dampfwolke, sodass wir sprichwörtlich im Nebel stehen.

Ganz gemütlich, aber nicht zu gemächlich geht es los. Ich gehe mit meiner Kamera vor zur Dampflok und mache ein paar schöne Fotos im „Anna Karenina“-Stil:-) Als ich zurück in das Abteil will sehe ich, dass der Nikolaus eingetroffen ist und kleine Geschenke an die Kinder verteilt. Nach ca. 15 Minuten Fahrt halten wir an, weil die Lok wenden muss, um uns dann von hinten nach Rübeland zu schieben. Auch hier kommen wir pünktlich um 13:55 Uhr an. Jetzt haben wir zwei Stunden Aufenthalt. Nun, bei schönem oder wärmeren Wetter wäre das kein Problem. Aber auch hier ist es sehr nasskalt und zudem gibt es nur ein Café, das geöffnet hat. Die Masse der Mitfahrer stürmt sogleich auf die Gaststätte zu. Wir jedoch haben ein Schild gesehen, dass die rote Holzkirche des Ortes heute geöffnet hat und wollen da erstmal vorbeischauen. Das Gebäude ist im Inneren aber eher schlicht gehalten, ein längerer Aufenthalt lohnt sich hier nicht. Wir gehen weiter die Straße hinunter, passieren die „Bodeperle“, das örtliche Freibad und kommen schließlich zum Lokpark. Hier stehen zwei Dampfloks. Das Personal unseres Zuges hat sich zwischenzeitlich zu einem Kaffee und einem Stück Stollen zusammengesetzt.

Im Lokpark der Bergkönigin
Wir schauen uns ebenfalls ein wenig im Schuppen der „Bergkönigin“um, so heißt nämlich unsere Dampflok. Wir befinden uns im historischen Lokomotivschuppen der HBE, der Halberstadt-Blankenburg-Eisenbahn. Errichtet wurde dieser im Jahre 1935 als Anbau an das eigentliche Gebäude aus dem Jahre 1885. Der ursprüngliche Streckenverlauf verlief von HÜttenrode direkt vorbei am „Blauen See“, weiter auf einem erhöhten Bahndamm neben der F27, dann durch den Bismarcktunnel zum „Alten Bahnhof“. Wir schauen uns noch ein wenig in der „Ausstellung“ um und lernen, dass Wilhelm Schmidt ein bedeutender Pionier auf dem Gebiet der Heiß- und Hochdruckdampftechnik war. Da der Schuppen nicht geheizt ist, kriecht die Kälte aber so langsam in unsere Glieder. Jetzt wollen wir uns doch noch auf den Weg ins Café machen, vielleicht bekommen wir noch einen Sitzplatz und ein heißes Getränk.

Faustkaffee im Tannengrund
So betreten wir also die Gaststätte Tannengrund und schauen uns nach einem Platz um. Tja, das sieht tatsächlich ein wenig mau aus. Einzige Möglichkeit ist ein „Dazusetzen“ zu einem jungen Mann, der alleine am Tisch sitzt. Frank spricht ihn an und wir nehmen Platz. Der junge Mann, der offensichtlich nicht deutsch spricht, hat ein Bieglas halb gefüllt vor sich stehen und spricht in einer Fremdsprache in sein Handy. Als wir bestellen, zahlt er sein Getränk mit einem 10-Euro-Schein, fünf Euro davon sind Trinkgeld. Das Glas lässt er halb leer stehen und geht. Wir schauen uns schulterzuckend an und bestellen zwei Café Crème. Als das Heißgetränk eintrifft, nehmen wir einen ersten Schluck zum Aufwärmen und verziehen dann das Gesicht. Die Brühe schmeckt so dermaßen bitter nach altem Filterkaffee, dass wir den Rest kaum herunterwürgen können. Trotzdem müssen wir einfach nur lachen, auch über die Kulisse aus den 70ern. Irgendwie haben wir die zwei Stunden Aufenthalt in Rübeland herumgekriegt und schlendern langsam zurück zum NikolausExpress.

Auf zum Weihnachtsmarkt
Der Rückweg verläuft wie der Hinweg und wieder sind wir pünktlich zurück am Bahnhof in Blankenburg. Irgendwie ist mir noch nach einem Becher Glühwein. Da ich die kleinen, aber feinen Weihnachtsmärkte bevorzuge, schaue ich mal, ob Blankenburg etwas anzubieten hat. Und tatsächlich, in der Altstadt gibt es ein paar Buden vor dem Rathaus. Das passt richtig gut, der Sternthaler Weihnachtsmarkt hatte nämlich gerade gestern auf gemacht. Da der Glühweinstand des LionsClub der einzige ist, der Glühwein nicht im Pappbecher serviert, erwerben wir hier unser zweites Heißgetränk des Tages, das sogar gut schmeckt! Nach diesem gelungenen Abschluss des Tages machen wir uns seelig auf den Rückweg.

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