Christina/ Mai 25, 2021/ Alltagsgeschichten

Der Hildesheimer Wald ist mittlerweile alles andere als ein unbekannter Ort für mich. Bereits mehrfach bin ich mit ihm auf Tuchfühlung gegangen. Was wir allerdings an diesem Pfingstmontag erwandern stellt alles bisher erlebte in den Schatten. Sicherlich liegt es zum einen an dem perfekten Wetter. Zum anderen ist es die herrliche Natur rund um Wesseln mit einer faszinierenden Tierwelt und einem beinahe gesunden Wald. Der Tosmarkamm ist unbestritten das Highlight der Wanderung.

Die Isetta
Wieder einmal lassen wir uns von einem Wandervorschlag des Sachsenkriegers inspirieren. Klingt sein Pseudonym auch martialisch, seine Wandervorschläge sind wunderbar und nachahmenswert.

Mit der Route als GPS-Datei ausgerüstet geht es am Montagmorgen los. Wir lenken das Auto nach Wesseln und suchen dort nach einem guten Parkplatz. Diesen finden wir unter einem schattigen Baum. Ein älterer Herr, der in seinem Garten arbeitet, kommt neugierig auf uns zu. Zunächst bin ich mir nicht sicher, ob er sich vielleicht daran stört, dass wir direkt vor seinem Grundstück parken. Tatsächlich ist er auf der Suche nach etwas Gesellschaft und der Möglichkeit, einen seiner Witze an den Mann, eh die Frau zu bringen.

“Wissen Sie eigentlich”, setzt er an, “dass es nur ein weibliches Auto gibt?” Dann beginnt er verschiedene Modelle zu Demonstrationszwecken aufzuzählen: “Der BMW, der Mercedes, der Golf, aber: die Isetta. Während ich mich gedanklich ausklinge, schenkt Frederik dem Herrn seine Aufmerksamkeit – zumindest sieht es so aus. Das motiviert den Mann, noch eine zweite Story zum besten zu geben. Ich schätze die Unterhaltung als Männergespräch ein und konzentriere mich bereits auf die vor uns liegende Wanderung.

Auf dem Pissweg zum Steinberg
Wir verlassen Wesseln Richtung Segelflugplatz. Auf dem Pissweg, einem schmalen Pfad, geht es hinauf auf den Steinberg. Wir wissen nicht, woher der Weg seinen Namen hat, aber möglicherweise wird er bei Volksfesten aufgesucht, um sich ungestört zu erleichtern?

Auf dem Steinberg haben wir einen schönen Blick auf Wesseln. Weiter geht es auf einem schmalen Pfad zum Oheberg. Wir genießen den Ausblick auf Groß Düngen, das Innerstetal und auf Hildesheim. Die Strecke wird immer schöner. Wir erreichen den Sonnenberg, der heute seinem Namen alle Ehre macht. Auf dem Weg beobachten wir einen Milan. Eine schöne Brücke führt uns über den Pepperbach. Wir gehen weiter und erreichen nach kurzer Zeit den Röderhof. Vorher treffen wir noch auf das Pferd “Merlin”, einen Schimmel, der aber so mit seinem Futter beschäftigt ist, dass er keine Zeit für uns hat.

Begegnung mit einer Plattbauch-Libelle
Jetzt geht es weiter und wieder in den Wald. Auf einer Bank machen wir eine erste Pause und sind sowohl von der Tour als auch dem Wetter begeistert. Dieser Teil des Hildesheimer Waldes ist wirklich sehr schön. Wir erreichen das Söhrer Forsthaus. Interessant wird es an den Söhrer Erdfällen. Wir sind über die Vielfalt der Strecke überrascht. Besonders freuen wir uns über die Begegnung mit einer Plattbauch-Libelle. An dieser Stelle gelingt Frederik ein besonders schönes Foto.

Auf dem Tosmarkamm
Von Dieckholzen aus geht es steil hinauf auf das Highlight der Wanderung: den Tosmarkamm. An dieser Stelle machen wir sicherlich die meisten Höhenmeter. Zeit, um eine kurze Pause auf einer Bank zu machen. Da kommt auch schon eine. Nanu, was steht denn da geschrieben: “Bank für alternde Helden”. Hm, sollen wir weitergehen? Wir können ja nicht gemeint sein. Aber, das Plätzchen ist zu schön, wir lassen uns nieder.

Nur kurze Zeit später erreichen wir den Gipfel des Tosmars auf 320 Metern. Ein Schild sagt uns, dass hier wohl mal ein Turm gestanden hat, der aber 1940 einstürzte. Bis zur Teufelsküche ist der Pfad einfach ein Gedicht. Zwar ist es matschig, weil es in den letzten Tagen immer wieder geregnet hat, aber die Schönheit der Landschaft lässt das schnell vergessen.

Von der Teufelküche geht es zunächst zur Gastststätte Waldfrieden und von dort über einen verschlungenen, fast abenteuerlichen Pfad zum Segelflugplatz nahe Wesseln. Am Flugplatz entlang, wiederum auf einem sehr schmalen Pfad, geht es erneut an den Waldrand. Wie genießen nochmals ausführlich den herrlichen Ausblick und sind fast etwas traurig, dass wir bereits den Pissweg am Steinberg zum zweiten Mal erreichen und damit zurück in Wesseln sind.

Die Tour hat uns insgesamt sehr gut gefallen und sie ist sicherlich eine der schönsten, die ich in diesem Jahr gemacht habe.

Touraufzeichnung

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