Wildkatzenstieg Bad Harzburg: Zwischen Märchenwald und James-Bond-Endzeitkulisse
Es gibt Wanderwege, die klingen nach Abenteuer. Und dann gibt es den Wildkatzenstieg bei Bad Harzburg – da denkt man sofort an lautlose Pfoten, geheimnisvolle Wälder und dieses romantische Gefühl, jederzeit einer Wildkatze in die bernsteinfarbenen Augen zu schauen. Die Realität? Nun ja… sagen wir: gemischt. Los geht’s am Großparkplatz in Bad Harzburg – der übrigens seit einiger Zeit kostenpflichtig ist. Ein kleiner Reminder, dass schon vor dem ersten Schritt das Abenteuer seinen Tribut fordert.
Die ersten zwei Kilometer? Wirklich schön!
Ein herrlicher Waldweg, schattig, grün, knackende Äste unter den Schuhen, Vogelgezwitscher inklusive. Genau die Art von Einstieg, bei der man denkt: *Ja! Dafür habe ich die Wanderschuhe geschnürt!* Und dann… passiert der Bruch.
Plötzlich endet die Waldidylle und der Wildkatzenstieg verwandelt sich für satte 5,3 Kilometer in eine Art postapokalyptische Baumwüste. Kahle Flächen, abgestorbene Stämme, trostlose Weite. Wer schon immer wissen wollte, wie sich eine Mischung aus Harz und Atacama anfühlt – bitteschön.
Ich kam mir vor wie in der Wüstenszene aus „James Bond: Ein Quantum Trost“. Nur ohne Bond, ohne Aston Martin und leider auch ohne spektakuläre Filmmusik. Stattdessen: Sonne, Staub, Baumskelette und die leise Frage im Kopf: „War das hier wirklich als Naturerlebnis gedacht?“
Das Ziel, das Wildkatzengehege an der Marienteichbaude, ist definitiv sehenswert. Die Wildkatzen sind faszinierend, elegant und wirken deutlich entspannter als die Wandernden, die gerade die „Bond-Etappe“ hinter sich haben. Und besonders lohnt es sich, die Wildkatzenfütterung mitzunehmen: Die findet täglich gleich viermal statt – um 11, 13, 15 und 17 Uhr. Wir waren pünktlich zur 13-Uhr-Fütterung da und konnten das Schauspiel aus nächster Nähe erleben. Der Star des Nachmittags war eindeutig die Wildkatze Carlo – in der Jägersprache ein echter Kuder. Mit einer Effizienz, bei der jeder Fast-Food-Weltmeister neidisch würde, verschlang Carlo ein totes Küken in genau zwei Bissen. Zwei. Bissen. Und das Beste: Danach blickte er mit einer Mischung aus Verwunderung und unschuldiger Erwartung in die Runde, als hätte er seit Tagen nichts bekommen. Ganz nach dem Motto: „Wie, das war’s schon?“ Faszinierend, beeindruckend – und irgendwie auch ziemlich sympathisch.
Und wie geht’s zurück?
Das Problem: Auch das Umfeld im Westharz rund um Torfhaus bietet aktuell wenig Ausweichmöglichkeiten, wenn man auf der Suche nach abwechslungsreichen, grünen Alternativrouten ist. Vieles wirkt trist und weitläufig entwaldet. Wir sind uns einig, dass wir nicht den gleichen „Wüstenweg“ zurückgehen wollen und suchen nach einer Alternative. Ein Wegweiser direkt bei der Marienteichbaude verweist auf einen Wanderweg 19E, der angeblich in 5,3 Kilometern nach Bad Harzburg führen soll. Das klingt gut. Leider können wir diesen Weg nicht finden und „wandern“ schließlich entmutigt zurück durch die Einöde. Nur gut, dass die letzten zwei Kilometer wieder so idyllisch sind, sonst würden wir die Tour noch in schlechter Erinnerung behalten;-)
Mein ehrlicher Tipp für alle Wanderfans:
👉 Genießt die ersten zwei Kilometer Waldgefühl.
👉 Holt euch das Wildkatzen-Erlebnis.
👉 Und fahrt den Rest entspannt mit Auto oder Bus.
Außer natürlich, ihr habt Lust auf ein bisschen Endzeitkino und wollt euch fühlen wie 007 auf geheimer Mission durch die Atacama des Harzes.
Fazit: Der Wildkatzenstieg hat starke Momente – aber eben auch sehr lange Durststrecken. Im wahrsten Sinne des Wortes.
