Christina/ Januar 27, 2019/ Alltagsgeschichten

Der Winter kann auch Spaß machen. Während sich Schnee in der Stadt bereits nach kurzer Zeit nur als matschig und lästig zeigt, ist die puderzucker-weiße Substanz in „freier Natur“ und unter blauem Himmel einfach nur ein Traum. So gesehen am letzten Sonntag im Harz. Wer sich im Winter am Wochenende bei Schnee, blauem Himmel und Sonne in den Harz traut, braucht allerdings gute Nerven. Und was unsere Tour darüber hinaus mit Kairo zu tun hatte, könnt ihr in diesem Bericht lesen.

Schritttempo am Torfhaus

Frühmorgens ging es mit den „Öffis“ von Braunschweig los. Dass der Bus von Bad Harzburg nach Braunlage ein erstes Nadelöhr sein könnte und die Fahrt dorthin sicherlich länger als die üblichen 30 Minuten dauern würde, war uns klar. Allerdings war bereits der Einstieg in den Bus am Bad Harzburger Bahnhof nicht ganz ungefährlich. Es hatte sich angesichts der Menschenmenge an der Haltestelle bereits die Angst breit gemacht, möglicherweise nicht mehr mitzukommen. Da konnte man schon froh sein, wenn man beim Einstieg nicht zerquetscht wurde. Auf der Fahrt wurde dann beim Blick aus dem Fenster das ganze Verkehrschaos deutlich: Eine Blechlawine drängte sich bereits durch Bad Harzburg, am Torfhaus wurde munter am Seitenstreifen geparkt, was ein Durchkommen an der Stelle nur noch im Schritttempo zuließ.

Ab der Mittelstation Wintermärchen

In Braunlage angekommen, stapelten sich auf dem Parkplatz am Eisstadion – da, wo die Seilbahnstation Braunlages ist – sowohl die Autos als auch die Leute in der Schlange für die Seilbahn, während aus dem Eisstadion die Musik plärrte. Oh waren wir froh, dass wir zu Fuß auf den Wurmberg wollten. Zwar war der erste Teil des Aufstiegs auch nicht ganz ohne, weil wir irgendwie über die Rodelbahn mussten, aber schließlich erreichten wir die Mittelstation der Seilbahn. Hier trennte sich die Spreu vom Weizen, der restliche Weg auf die Bergspitze verlief durch fast unberührte Landschaft und war so gut wie menschenleer.

Oben angekommen haben wir uns eine Rast in der Wurmberg-Alm gegönnt. Klar war es hier auch voll, der Wirt aber gut organisiert, sodass wir zügig einen Sitzplatz erhalten haben und unseren Glühwein genießen konnten. Zurück ging es dann zunächst über die ehemalige Sprungschanze am Wumberg. Dort wird z.Zt. noch „the next big thing“, der Wurmberg-Turm gebaut. Der Abstieg von dort ist im Winter immer recht abenteuerlich, da die Stufen der Schanze bei Schnee meist sehr rutschig sind. Es ging aber alles gut.

„In Kairo hätte noch die doppelte Menge reingepasst!“

Wieder in Braunlage angekommen ging der Spaß erst richtig los. Da uns klar war, dass der Bus auf dem Rückweg zum Bahnhof nach Bad Harzburg sicherlich wieder länger als gewöhnlich benötigen würde und wir damit auf jeden Fall den Anschlusszug verpassen würden, war unser Plan zunächst nach Bad Harzburg zu fahren, dort gemütlich Kaffee zu trinken und dann zum Bahnhof zu schlendern. Wie gesagt, so der Plan. Die Wirklichkeit sah aber anders aus. An der Busstation wartend hörten wir von einer Mitstreiterin, dass wohl ein paar Busse ausgefallen sein. Oh, prima. Es kam nämlich auch nichts zur erwarteten Zeit. Tja, noch schien die Sonne auf die Bushaltestelle. Uns war aber klar, dass es sehr „frisch“ werden würde, sobald diese hinter den Häusern verschwindet. Denselben Gedanken müssen wohl auch die anderen Wartenden gehabt haben – es wurde nämlich zunehmend unruhig an der Haltestelle.

Nach 45 Minuten Wartezeit endlich die Erlösung: Ein Einsatzwagen naht. Allerdings, nicht leer sonder bereits fast voll! Mit Mühe und Not ergattere ich noch einen Sitzplatz. Danach wird es dann richtig voll. Wir bewegen uns im Schneckentempo von Haltestelle zu Haltestelle. Die Karawane der Zurückreisenden hat bereits eingesetzt, zudem stören immer noch die „Falschparker“ am Straßenrand. Mir ist es ein Rätsel, warum es die Stadt nicht hinkriegt, einen Park-und-Ride-Verkehr einzurichten. Der Bus wird zunehmend voller, wir wundern uns, dass überhaupt noch jemand hereinpassst. Nun ja, aber nur so lange bis einer der Mitreisenden die Stehenden auffordert, doch mal nach hinten aufzurücken. „In Kairo“, sagt er laut, „hätte hier locker noch die doppelte Menschenmenge hereingepasst.“ Ich muss in mich hineingrinsen. Jeder der schon einmal in Kairo war weiß warum:-)

Mein Fazit: Trotz aller Hindernisse ist es ein wunderschöner Tag im „Winterwonderland Harz“ gewesen.

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