Christina/ November 16, 2014/ Kultur

Die VW-Stiftung hat in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) eine Diskussionsreihe mit den Namen „Augenzeugen, Übersetzer, Zeitzeugen: Deutsche Auslandskorrespondenten von den 1970er Jahren bis heute“ gestartet.

Eingangs bringen die beiden Moderatoren des Abends, Bernhard Gißibl und Johannes Paulmann vom IEG, die Intention der Diskussionsreihe auf den Punkt: „Anstatt ‚Forschen über‘ soll es künftig ‚Forschen mit‘ an deutschen Universitäten und Instituten heißen. Zusammen mit der Direktorin des Zentrums Moderner Orient, Frau Prof. Dr. Ulrike Freitag und dem ARD-Auslandskorrespondentin, Thomas Aders, versucht man sich an dem Abend an einer inhaltlichen Definition dieser Aussage. Schnell wird in den Beiträgen der beiden Gäste – Ulrich Kienzle, ehemaliger ARD-Korrespondent hatte krankheitsbedingt leider kurzfristig absagen müssen – deutlich, dass dem Willen zur ausgwogenen Berichterstattung oder zur partnerschaftlichen Forschung Grenzen gesetzt sind.

Die Berichterstattung der deutschen Medien über Krisenherde im Nahen Osten, wie beispielsweise aus dem Irak, Syrien oder auch Ägypten, ist zumeist von gleichbleibenden Themen beherrscht und setzt zu sehr auf Politik anstatt auf Gesellschaft. Hintergrundberichte sind (zeitlich bedingte) Mangelware: „Es wird mehr produziert“, so Aders, „als (von den Sendern) genommen wird. Es wird oftmals nur gesendet, was „zwischen gestern und heute passiert ist.“

Gefragt nach ihren Erlebnissen zu den wissenschaftlichen Forschungsbedingungen im Arabischen Ausland, berichtete Freitag unter anderem über ihre Erlebnisse mit Vertretern des syrischen Geheimdienstes. „Zum Glück“, schilderte sie, „waren die relativ blöd“, die Herren mit der „schwarzen Lederjacke“.

Leider gab es an dem Abend für das Publikum keine Gelegenheit (Nach-)Fragen zu stellen. Deutlich wurde aus der Diskussion aber, dass auch in den deutschen Medien schwerlich von einer ausgewogenen und subjektiven Berichterstattung gesprochen werden kann. Sicherlich gibt es viele gesellschaftlich relevante Themen, die deutschen Auslandskorrespondenten und deutschen Forschern auf der Seele brennen und den Konsumenten ein detaillierteres Bild über die Geschehnisse vor Ort vermittlen könnten, ohne immer in dieselben Clichés abzudriften. Oftmals stehen jedoch Hürden wie die „Medienwirksamkeit“ von Berichten und die akademische Karriereleiter im Weg, um ab von den ausgetretenen Pfaden zu berichten.

Auf die Frage des Moderators Paulmann, was Aders machen würde, wenn er einen Wunsch frei hätte, äußerte dieser pragmatisch: „Ich würde gescheiht Arabisch lernen“.

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