Christina/ April 11, 2010/ Kultur

Am Golf gibt es mehr zu entdecken als den höchsten Turm der Welt, das einzige sieben Sterne Hotel der Welt oder eine Metro, die ohne Führer fährt. Wer an die Golf-Staaten denkt, dem fällt meist zunächst Dubai ein. Das mag daran liegen, dass das zweitegrößte Mitglied der Vereinigten Arabischen Emirate durch immer wieder neue Bauten in den Himmel von sich Reden macht. Wenige wissen jedoch, dass auch die Nachbaremirate des Wüstenstaats aus 1001-Nacht ergeizige Pläne verfolgen.

Dubai wird als erstes Emirat bald ohne seinen Ölreichtum leben müssen. Schätzungen zufolge, wird der Seegen in fünf Jahren ein Ende haben. Darauf hat der Herrscher des Landes früh reagiert und sich im Tourismus und in der Wirtschaft ein zweites und drittes Standbein aufgebaut. Währenddessen konnten die anderen Golfstaaten getrost abwarten und in Ruhe planen.

Und das ist in der Pipeline: Der Wettbewerb um Spitzenpositionen im regionalen Städtesystem geht in die nächste Runde. Die Kontrahenten sind Abu Dhabi, Dubais mächtiger Übervater, Qatar, Bahrain, Kuwait und last but not least Saudi Arabien, das sich bisher zugeknöpft präsentierte.

Abu Dhabi versucht sich nach wie vor als Kulturmetropole am Golf zu platzieren. Wirklich berichtenswert ist aber neben der Transplantation des Louvreablegers an den Arabischen Golf die geplante Ökostadt Masdar City. Seit 2006 wird an der Stadt gebaut, die ca. 50.000 Menschen Quartier bieten und die ausschließlich aus alternativen Energiequellen versorgt werden soll.

Nächster im Bunde ist der Staat Qatar, dessen Erdgasreserven nach Rußland und dem Iran mit einem Anteil von rund 14 Prozent zu den weltweit drittgrößten zählen. Qatar, das einst durch seine Liaison mit dem Wolfsburger Autobauer VW in die positiven Schlagzeilen gelang, plant mit dem Bau von „Ras Laffan“ eine riesige Industriezone (ca. 106 km2 Fläche, eine Expansion auf 205 km2 Fläche ist geplant).

Das kleine Bahrain, hierzulande eher aus dem Motorsport bekannt und in den Staaten als beliebtes Wochenenddomizil, weil ohne Alkoholverbot, ist seit 30 Jahren weitestgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit das führende Offshore-Finanzzentrum am Arabischen Golf und hat sich in den letzten Jahren nachdrücklich im Islamic Banking etabliert.

Madinat Al Hareer heißt wiederum das Aushängeschild von Kuwait, mit dem sich der einst vom irakischen Überfall gebeutelte Staat wieder ins Gespräch bringen will. „City of Silk“, Stadt der Seide, so der verheißungsvolle Name des Großprojekts. Besucht man jedoch auf der dazugehörigen Internetseite die News-Clippings so fragt man sich, was seit 2006 passiert sei? Mit dem Burj Mubarak al-kabir, der die City of Silk schmücken soll, will Kuwait seinem Nachbar Dubai entgültig den Rang ablaufen: Der Turm soll eine Höhe von 1.001 m haben.

Last but not least haben wir das größte Prestigeprojekt der Region: Die King Abdullah Economic City. Hinter dem wohlklingenden Namen verbirgt sich ein Projekt der Superlative. Mit einer Fläche von 168 km2 ist die Stadt für 2 Mio. Menschen sowie weiteren 1,8 Mio. Einwohnern im Großraum konzipiert und liegt strategisch günstig am Roten Meer zwischen Jiddah und der heiligen Stadt Mekka. Wann das Projekt beendet sein wird? Lassen wir uns überraschen, wie es am Golf weitergeht. Man scheint hier immer eine „Extranuss“ versteckt zu haben.

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