Nixen, Quellen, Fachwerk und ein tödliches Kitzeln

Christina/ September 3, 2026/ Alltagsgeschichten

Auch das letzte Wochenende stand wieder im Zeichen von Sport und Kultur. Das verhaltene Wetter am Freitag jedoch, das sich meist in der Farbe grau präsentierte, animierte uns weder zu einer Wanderung noch zu einer Radtour. Die Beine wollten wir uns aber schon vertreten und so sollte es lediglich um den Vienenburger See gehen, das sind ja nur 2,7 km. Vom Wochenendeinkauf kommend parken wir am Ufer des Sees. In Goslar hatte es ganz ordentlich geregnet und auch hier zogen jetzt dunkle Wolken heran. Noch sind wir zuversichtlich, dass der Wind diese vertreiben könnte. Leider gelingt das nicht so ganz. Der Wind verstärkt sich und es fallen die ersten Regentropfen – zunächst noch recht zaghaft. Das ändert sich aber schnell, sodass wir einen Schritt zulegen und uns zum Auto zurück flüchten. Nach dem Abendessen haben sich die dunklen Wolken verzogen und die Sonne kommt hervor. So wagen wir einen zweiten Versuch und fahren nochmals an den Vienenburger See. Und was wir dort erleben, überrascht und entzückt uns gleichermaßen. Die untergehende Sonne spiegelt sich wunderschön im stillen See und verwandelt das Wasser in eine mystische Landschaft. Durch die Sonneneinstrahlung entstehen wunderschöne, ja fast verzaubernde Motive. Wir bleiben auf unserem Rundgang immer wieder stehen und staunen über die Wunder der Natur. Ein ganz besonderes Erlebnis, wie wir finden.

An der größten Karstquelle Niedersachsens
Am nächsten Tag scheint wieder die Sonne. Diesmal soll es in den Südharz gehen, wir planen den Besuch der Rhumequelle bei Rhumspringe. Sie ist eine der größten Quellen Europas, allein das ist schon beeindruckend. Die Quelle hat eine gleichbleibende Jahrestemperatur von 9 Grad Celsius und ist Heimat für seltene Arten wie Pirol, Wasseramsel oder auch Eisvogel und Höhlenkrebs. Zudem leuchtet die Quelle in türkisgrünen Farben und ist schon alleine deswegen ein Hingucker. Und natürlich gibt zu der Quelle auch eine passende Sage, die ihr ihren Namen verliehen hat. Es geht nämlich um die Nixe Rhuma. Und einen Verehrer hat sie natürlich auch, das ist er Riese Romar. Romar verliebt sich in Rhuma, beide bekommen ein Kind, sehr zum Unbill ihres Vaters. Der Zorn des Vaters geht so weit, dass er das Kind tötet und Rhuma in eine Felsenhöhle sperrt. Daraufhin verwandelt sich Rhuma in eine Quelle und findet am Rothenberg den Weg ins Freie. Seitdem sprudelt hier zu ihrem Andenken die Rhumequelle.

Am Karstwanderweg
Zufällig liegt die Rhumequelle am Karstwanderweg. Zwischen Pöhlde und der Rhumequelle verläuft ein schöner Weg, den nehmen wir in Angriff. Der Weg führt zunächst bergauf durch ein schönes Waldgebiet, vorbei an Dolomitengestein. Der Weg führt zum Naturschutzgebiet Finnenbruch und an einer alten Ziegelei bei Pöhlde vorbei. Über den Grillplatz Rhumspringe geht es zurück zum Parkplatz. Es ist eine schöne, wenn auch unspektakuläre Runde, die aber u.a. auch mit schönen Ausblicken lockt.

Auf nach Duderstadt
Nach der Wanderung wollen wir noch Duderstadt besuchen. Das sind nur ca. 15 Minuten zu fahren. Ich hatte gelesen, dass Duderstadt einen Ausflug wert sei, besonders die schönen und zahlreichen Fachwerkhäuser, über 600 sollen es wohl sein. Als wir dort ankommen, merken wir, dass es hier sehr ruhig zugeht. Wir folgen der Beschilderung für den Stadtrundgang und folgen zunächst der alten Stadtmauer. Wir kommen am Eulen- und Georgsturm vorbei. Der Eulenturm war einst Teil der Stadtmauer und wurde später als Gefangenenturm genutzt. Der Georgsturm wiederum wurde gleichzeitig mit der Stadtmauer gebaut und diente als Flankenschutz für das Westertor. Wir laufen weiter durch die Sträßchen und Gässchen bis wir den Marktplatz erreichen. Hier dominiert sicherlich das große historische Rathaus die Szenerie. Ebenso imposant ist die Basilika St. Cyriakus und die St. Servatius. Die Fuze selber weißt neben den schönen restaurierten Fachwerkhäusern keine Highlights auf. Da sich der Nachmittag schon zum Abend neigt und wir noch eine Weile zu fahren haben, treten wir nach einem Besuch im Eiscafé zufrieden den Rückweg an.

Auf Wilhelm Buschs Spuren im Heber
Am Sonntag zeigt sich das Wetter recht wechselhaft, fast stürmisch. Auf unserer Seesener Dorfrunde waren wir auch in Mechtshausen vorbeigeradelt und hatten am Wilhelm-Busch-Museum von einer Ausstellungseröffnung am 30.08. erfahren. Das schien uns ein gutes Zeichen dafür zu sein, hier nochmals vorstellig zu werden. Mechtshausen nennt sich offiziell das Wilhelm-Busch-Dorf und hat es über den bekannten Dichter sicherlich auch zu einiger Bekanntheit gebracht. Nun, wir wollen uns wie immer zuerst ein wenig Bewegung verschaffen, bevor wir uns dann den Karikaturen von Klaus Stuttmann zuwenden wollen. Aus dem Ort heraus folgen wir dem Wilhelm Busch Pfad und steigen hoch hinauf in den Wald, genauer gesagt in den Heber, so heißt der Höhenzug bei Mechtshausen.

Hoch oben auf der Ruine der Burg Wohlenstein
Es geht stetig bergauf bis wir zu Ruine Wohlenstein kommen. Dort legen wir eine Rast ein und planen den weiteren Streckenverlauf. Die heutige Wanderung soll ja im Rahmen bleiben, da wir noch zur Ausstellung wollen. Auf dem Waldweg durch den Höhenzug Heber kommen wir auch noch an ein paar markanten Stellen vorbei, wie z.B. einer ausladenden Kreuzbuche, einer alten Wallanlage und plötzlich an einem Schild auf dem „Kitzelkreuz“ draufsteht. Nanu, was soll denn das sein? Wir folgen dem Schild ganz neugierig und kommen schließlich zu einem Steinkreuz, das aus dem Jahre 1626 stammen soll. Das Kreuz soll ein Sühnekreuz gewesen sein und angeblich sei an dieser Stelle einen Schäfer zu Tode gekizelt wurden: „Dem Volksmund nach soll an dieser Stelle ein Mädchen einen Schäfer (oder nach einer anderen Version zwei Handwerksburschen) im Zuge eines Streits oder aus Übermut so lange gekitzelt haben, bis dieser zu Tode kam.“ Nun, unverhofft kommt bekanntlich oft. Spannend, was sich am Wegesrand so findet.

Klaus Stuttmann im Wilhelm Busch Haus
Nach dieser Entdeckung treten wir den Rückweg nach Mechtshausen an. Der Weg führt uns direkt zum Wilhlem Busch Museum, wo heute die Vernissage zur Klaus Stuttmann Ausstellung stattfindet. Am und um das Museum ist schon einiges los. Wir gehen in das Haus hinein und laufen in den zweiten Stock, hier sind die Ausstellungsräume für die Karikaturen von Stuttmann. Die Karikaturen sind durchweg politischen Stils und alle bekommen ihr Fett ab: Sei es die AfD, Trump oder Putin. Gerne hätte ich mir die Bilder in Ruhe angesehen, jedoch ist das aufgrund von zwei alten Schachteln, die offenbar schwerhörig sind oder so von sich selbst überzeugt, dass sie in einem Stakkato sprechen, das einem nach kurzer Zeit die Ohren glühen. Ihre genervte Umgebung scheinen sie nicht im geringsten wahrzunehmen. Unfassbar! Wir schauen uns deshalb lieber noch ein wenig im Rest des Hauses um und werfen einen Blick in einen Wilhelm Busch Album, den man nie ohne Zigarette und Anzug sah.

Auf dem Rückweg werfen wir noch einen Blick auf die Grabstelle des Dichters. Dann verlassen wir Mechtshausen wieder und fahren voller neuer Eindrücke zurück nach Hause.

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