Ein Fest, ein Berg und die vergessenen Heldinnen des Harzes

Christina/ August 26, 2026/ Alltagsgeschichten/ 0Kommentare

In den Sommermonaten ist am Wochenende immer etwas los. Ist ja auch logisch, in Deutschland sollte man die warme Jahreszeit für „Draußenaktivitäten“ nutzen, spätestens ab Oktober hockt man eh wieder hinter der Heizung:-) An diesem Wochenende hat die Stadt Bad Harzburg zu ihrem traditionellen „Salz- und Lichterfest“ geladen. Da ich bis jetzt noch nicht die Ehre hatte, soll es in diesem Jahr klappen. Samstagabend fahren wir los. Die erste Challenge, das versteht sich von selbst, ist die Parkplatzsuche. Beim Friedhof werden wir fündig. Jetzt haben wir zwar einen ca. 10minütigen Marsch vor uns, aber wir sind ja gut zu Fuß. Bereits auf dem Weg zur Innenstadt wird deutlich, dass wir auf ein Großereignis zusteuern. Die Fußgängerzone ist picke packe voll: Stände mit Essen, Trinken und allerlei Tand reihen sich aneinander. Es ist fast unmöglich vorwärts zu kommen. Das Geschiebe ist ja nicht so mein Ding. Da ich aufgrund von Magenproblemen derzeit hier auch nichts essen oder trinken darf, ist dieser Spießrutenlauf über die Fressmeile eine echter Herausforderung.

Hasenohren, Herzchen und ein winkender Weihnachtsmann
Es sind auch ein paar Livebands angekündigt. Nachdem der Irish Folk allerdings nicht besonders authentisch klingt, entschließen wir uns, einen Blick auf die Lichterkunst im Kurpark zu werfen. Es beginnt gerade zu dämmern, d.h. die Kunstwerke aus hunderten von (echten!) Teelichtern werden immer besser zu sehen sein. Am Anfang rätseln wir noch so ein bisschen, was die Anordnungen der Lampen darstellen sollen. Mit der zunehmenden Dunkelheit und einigen Perspektivwechseln wird es nach und nach einfacher. Als erstes entdecken wir einen Ghettoblaster (ganz schön viel Arbeit), dann ein Herz mit einem Pfeil durch (voll 80er!) und schließlich einen Hasenkopf. Ein Stückchen weiter aber, da entdecken wir ihn: Käpt’n Iglo, nein Käpt’n Weihnachtsmann auf seiner MS Wilhelmshaven. Mit seinem Fähnchen, das er unermüdlich schwenkt und dem beleuchteten Segelboot, in dem er sitzt, ist er ganz offensichtlich die Attraktion unter den Lichtspielen. Er scheint das Blitzlichtgewitter jedenfalls zu genießen.

Leider dünnes Stimmchen
Wir verlassen den Kurpark beziehungsweise versuchen uns irgendwie über die schmale Brücke mit den Massen zu wälzen und bleiben an der Rock-Bühne stehen. „Rock Busters“, so verkünden es die Werbebanner, machen sich für ihren Auftritt bereit. Die wollen wir uns anschauen. Als es dann nach einer Weile endlich losgeht, sind wir allerdings etwas enttäuscht. Das erste Lied wird von einem Gesangsduo, bestehend aus einem Mann und einer Frau, präsentiert. Allerdings geht die Frauenstimme komplett mit den lauten Instrumenten (drei Gitarren) unter. Dann wird noch einmal die Verbindung gecheckt und es geht weiter. Ein Potpourri aus verschiedenen Stilrichtungen, u.a. „Skandal im Sperrbezirk“, „Alkohol“ und „Jump“, wird zum besten gegeben. Aber, man möge es mir verzeihen, so sympathisch die Sängerin auch ist, leider eignet sich ihre Stimme nicht für die Bühne. Wir brechen lieber auf und schauen uns vom „Friedhofsberg“ aus noch das Feuerwerk an. Immerhin ein versöhnlicher Abschluss des Abends.

Auf dem Themenweg „Mensch und Wald“ von Goslar nach Hahnenklee
Am nächsten Tag sieht das Wetter morgens nicht besonders einladend aus. Es soll aber im Laufe des Tages noch aufklaren. Wir starten am späten Vormittag und haben uns eine Tour im nahegelegenen Goslar überlegt. Vom Stadtteil Steinberg aus, besser gesagt vom Parkplatz an der Steinberg Alm, soll es über den oberen Klippenweg nach Hahnenklee gehen und über den Taubenstieg zurück. Als wir uns für die Variante über „den Windsattel“ nach Hahnenklee entscheiden (Weg 2G) entdecken wir ein Symbol. Zu sehen ist eine knieende Frau mit einer Pflanze. Auf dem Wegweiser steht: Hahnenkleer Weg „Mensch und Wald.“ Aha. Was es mit der knieenden Frau auf sich hat, sollten wir erst auf dem Rückweg erfahren. Naja und auf dem Weg nach oben verlaufen wir uns dann ein bisschen, weil die Ausschilderung an einer Stelle etwas irreführend ist. Aber mit Hilfe von Google Maps gelangen wir wieder auf den richtigen Weg und erreichen schließlich nach einer guten Stunde die Schutzhütte Windsattel. Auf dem Weg dorthin kommen wir immer wieder an Informationstafeln vorbei, die zum Themenweg gehören. So lesen wir z.B. über Kuhhirten und eine Damenkapelle, die allerdings aus Kühen mit naja, eben Kuhglocken besteht:-)

Oben angekommen, es ging von Goslar aus fast nur bergauf, gönnen wir uns eine Vesperpause. Ein Blick aus der Hütte zeigt uns, dass wir wohl noch einmal bergauf gehen müssen. Aber diesmal lohnt es sich wirklich. Wir genießen einen fantastischen Blick auf Hahnenklee und die Umgebung. Wirklich beeindruckend schön. Nur zehn Minuten später sind wir oben auf dem Bocksberg. Hier ist richtig was los. Es werden jede Menge Attraktionen für Familien geboten. Kabinenbahn und Sessellift um hochzukommen, Sommerrodelbahnen & Action-Fahrten für Kids, eine Hexenlabyrinth usw. Ganz schön trubelig. Fun Fact am Rande: Als wir auf dem Weg nach oben sind, werden wir von einem Auto überholt. Nanu, hier darf man doch gar nicht langfahren, denken wir. Und genauso ist es, der Autofahrer wird angehalten und auf das Fahrverbot aufmerksam gemacht. Unglaublich, dass manche Leute sogar zu faul sind, um die paar Meter auf den Berg zu gehen;-)

Wir setzen uns in die Bocksberghütte und ruhen uns ein wenig aus, bevor wir den Rückweg antreten. Vom Aussichtspunkt machen wir noch ein paar Fotos und begeben uns dann auf den Wanderweg 8D, der uns zurück nach Goslar führen soll. Die ersten 2-3 Kilometer sind recht langweilig, da wir auf einem breiten Forstweg gehen müssen. Dann wird es aber langsam interessanter. Wir kommen zunächst wieder an ein paar Informationstafeln vorbei und lesen, dass die sogenannten Kiepenfrauen seinerzeit bis zu 40 Kilo (!!!) auf ihren Rücken transportiert und dabei noch gestrickt haben (!). Wir kommen an einem „historischen“ Wegweiser für die alte Harzstraße vorbei und stoßen auf die Stelle, an der wir auf dem Hinweg falsch abgebogen sind.

Die Frau auf dem 50-Pfennig-Stück
Und dann lösen wir noch das Rätsel um die Frau auf dem 50-Pfennig-Stück. Es zeigt eine sogenannte „Kulturfrau“. Das sind Frauen, die nach dem Krieg, also 1947-48 den geschundenen Wald wieder aufgeforstet haben – und zwar in Handarbeit! Millionen von Bäumen wurden seinerzeit gepflanzt. Die Aufforstungen dauerten bis 1955 und wären ohne die Kulturfrauen undenkbar gewesen. Die 50-Pfennig-Münze und ein Gedenkstein am Wegesrand sollen daran erinnern und diesen tatkräftigen Frauen – so hoffe ich – Respekt zollen! Hut ab! Schwer beeindruckt von dieser Leistung – ich gehe davon aus, dass die Damen zuhause auch noch kochen, waschen und putzen durften – wandern wir Richtung Taubenstieg weiter. Auf diesem wunderschönen Weg, später mit Blick auf den Granestausee – leider z.Zt. mit wenig Wasser – steigen wir hinab zum Parkplatz, auf dem unser Auto steht.

Fazit: Eine wirklich schöne Wanderung, die uns auch geschichtlich sehr beeindruckt hat.

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