Ein Winterwochenende im Harz
Es gibt ihn noch, den deutschen Winter. Eigentlich hatte niemand mehr so wirklich damit gerechnet, am allerwenigsten wohl die Deutsche Bahn und der städtische Räumdienst:-) Aber ja, da wo der Schnee und die Glätte in der Stadt wohl eher hinderlich sind, schaffen beide Aggregatzustände an anderer Stelle ein wahres Winterwonderland, z.B. im Harz. Und nachdem Frank und ich im Aostatal so schöne Erfahrungen mit den Schneeschuhwandern und dem Langlauf gemacht haben, wollen wir am Samstag unser Glück in Braunlage versuchen. Warum alles dann so ein bisschen anders läuft als erwartet, lest ihr in dieser Geschichte.
Keiner Zuhause
Klar, die Idee in den Harz zu fahren haben wir an diesem Wochenende natürlich nicht exklusiv. Dass es dann allerdings so wuselig wird, war uns auch nicht klar. Zunächst versuchen wir telefonisch bei einigen Skiverleihstellen an Schneeschuhe zu kommen. Leider vergeblich, denn entweder hat der Verleih keine, obwohl das im Internet so ausgewiesen ist oder es nimmt erst niemand den Anruf entgegen. Gut, dann eben Plan B. Zunächst muss ich als tennisbegeisterte Person erstmal in Ruhe das Damenfinale der Australian Open schauen. Dabei halten sich beide Spielerinnen an meinen ausgedachten Zeitplan und sind pünktlich um 12 Uhr fertig. Also setzen wir uns ins Auto und fahren nach Braunlage. Dass die Parkplatzsuche hier eine Herausforderung werden könnte, haben wir uns bereits gedacht. Wir haben aber insofern Glück, dass sich die Autoparkschlangen in Höhe Torfhaus in Grenzen halten und wir ganz geschmeidig am Ortsausgang von Braunlage einen Parkplatz im Gewerbegebiet finden. Da müssen wir zwar ein paar Minuten zum Eisstadion gehen, aber wir sind ja gut zu Fuß.
Nebelschwaden am Wurmberg
Da es mit den Schneeschuhen nicht geklappt hat, schlage ich vor auf den Wurmberg zu gehen. Das habe ich schon ein paar Mal bei Schnee gemacht und war auch nie ein Problem. Dieses Mal verhält es sich aber anders. Auf Höhe des Eisstadions folgen wir den Wanderschildern auf den Wurmberg. Zunächst geht es ganz gemütlich und entspannt zu, dann allerdings landen wir plötzlich auf der Abfahrtspiste. Äh, ist das hier die offizielle Abfahrt? Ein Schild oder Ähnliches haben wir zumindest nicht entdecken können. Wir sehen noch zwei, drei andere Wanderer und denken bei uns, dass wir eigentlich nicht ganz falsch sein können. Allerdins rasen die Skifahren kreuz und quer den Hügel herunter, sodass wir bald nach einem Ausweg suchen. Wir biegen bei der nächsten Gelegenheit links ab und kommen zur Mittelstation der Seilbahn. Tja, und hier beginnt die Odysee. Zunächst einmal stehen wir zwei Herausforderungen gegenüber: a) Wo verläuft der weitere Weg auf den Wurmberg und b) warum ist es plötzlich so nebelig?
Rechts vorbei am Rodelhaus Braunlage soll es weitergehen. Wir sind etwas misstrauisch, denn wenn uns nicht alles täuscht, müssen wir für den weiteren Weg die Abfahrtspiste überqueren. Und auf derselbigen wird es immer wilder. Hier tummeln sich neben Snowboardfahrern, Anfänger verschiedenster Couleur. Da kann ich kaum hinschauen, so chaotisch wirkt die Szenerie auf mich. Egal, irgendwie schaffen wir es auf die andere Seite, auf der es danach aussieht als würde dieser Weg auf den Wurmberg führen. Zur Sicherheit fragen wir noch drei Wanderinnen, die uns entgegenkommen und unsere Vermutung bestätigen. Ca. 100 Meter weit haben wir unsere Ruhe, dann geht es wieder los. Auch hier kommen uns Skifahrer entgegen. Und so geht es dann weiter. An der nächsten Kreuzung, mittlerweile ist der Nebel so dicht, dass wir kaum noch die Seilbahn über uns erkennen können, machen wir schließlich kehrt. Es hat keinen Sinn. Wir könnten nur im Tiefschnee weiterstapfen oder uns von den Skiläufern übermangeln lassen. Klingt beides nicht besonders verlockend.
Wirbelsäulengymnatik im Tiefschnee
Wir laufen oder versuchen es wenigstens, bis zur Mittelstation zurück. Wir hoffen noch einen alternativen Weg nach unten zu finden, was uns nicht so wirklich gut gelingt. Anstatt den Berg, den wir hochgestiefelt sind, wieder herunter zu gehen, laufen wir geradeaus weiter. Das sieht erstmal gut aus, irgendwann landen wir aber auf der Straße, die leider recht gut befahren ist. Dann entdecken wir linker Hand einen Weg, der zurück nach Braunlage führen soll. Na Bravo, teilweise sinken wir so tief ein, dass die Wirbelsäule richtig schön durchgeschüttelt wird, weil man das Gefühl hat, ins Leere zu treten. Gut, da müssen wir jetzt durch. Schließlich landen wir auf der Straße nach Braunlage, können aber hier den Fußweg benutzen. Der matschig-gelaufene Schnee macht das Fortkommen recht beschwerlich, aber Erlösung ist ja in Sicht.
Zurück in Braunlage sind wir uns einig, dass wir diese Wanderung im Winter nicht noch einmal wiederholen müssen. Den Tag lassen wir dann aber gemütlich in der Sauna ausklingen:-)
Über die Himmelsleiter hoch hinaus in Goslar
Das Winter-Harz-Abenteuer geht am Sonntag in die zweite Runde. Frank schlägt einen Gang über die Himmelsleiter der Goslaer Marktkirche vor. Von dort oben soll man einen tollen Blick über die Stadt haben. Bei doch recht eisigen Temperaturen – so um die -6 Grad – steigen wir die zahlreichen, teilweise recht schmalen Holzstufen hoch. Die Herausforderung kommt ganz zum Schluss: Bevor wir die Aussichtsplattform erreichen, müssen wir noch über eine sehr schmale und sehr rutschige Leiter steigen. Nichts für schwache Nerven, definitiv. Oben angekommen aber, ist der Blick über die Stadt wirklich überwältigend. Erst vom Nordturm aus erkennt man, wie schön die Altstadt von Goslar wirklich ist. Wenn es hier oben an diesem Tag nicht so eisig wäre, könnte man sich hier gut und gerne eine halbe Stunde aufhalten, bis man sich satt gesehen hätte. Etwas ausgekühlt geht es schließlich zurück auf den Boden der Tatsachen. Von hier aus laufen wir durch die teilweise sehr rutschige Innenstadt in Richtung Bahnhof mit dem Ziel zur Steinberg-Alm zu wandern.
Bayerische Gemütlichkeit in Norddeutschland
Wir staunen unterwegs, wie der Schneefall der letzten Tage die Landschaft verändert hat. Alles ist in weiß getaucht. Besonders auf den Bäumen und den einzelnen Ästen haben sich die Eiskristalle niedergelassen. Sieht einfach bezaubernd aus. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir unser Ziel: die Steinberg-Alm. Die ist heute natürlich gut besucht. Trotzdem werden wir recht schnell bedient und wärmen uns an unseren Getränken erstmal auf. Wir genießen die entspannte Atmosphären, lassen die Gedanken schweifen und planen den Rest des Tages. Es wird schon langsam dämmerig als wir wieder am Parkplatz sind. Auch, wenn dieses Harz-Wochenende vielleicht anders als gedacht verlief, so hat uns die verschneite Landschaft doch betört.
