Christina/ November 26, 2020/ Alltagsgeschichten, Kultur

In meinen Jena-Bericht habe ich es bereits erwähnt, dass die Dornburger Schlösser noch auf unserer To-Do-Liste stehen. An diesem außergewöhnlich schönen Dienstag wollen wir uns nun selbst die Freude machen und das Schlösserensemble mit seinen Gärten besuchen. Und das sei bereits verraten: Ob Rokoko, Renaissance oder hochmittelterliche Architektur, der sogenannte „Balkon Thüringens“ kann sich sehen lassen.

Das schönste Dorf der Welt
Bereits auf der Hinfahrt nach Dornburg wird uns einiges geboten. Wir durchfahren nichts Geringeres als das schönste Dorf der Welt, Rehehausen. Hier wird definitiv nicht mit Superlativen gegeizt. Wie genau der Vergleich mit dem Rest stattgefunden hat und welche Kriterien zum Titel geführt haben, konnten wir so schnell leider nicht erkennen. Deutlich wurde aber, dass hier bereits die Vorbereitungen für den Weihnachtsschmuck des Ortes laufen, denn beinahe hätte unser Auto ein vorüberlaufendes gußeisernes Weihnachtsornament touchiert, samt Trägern selbstverständlich. Nun, das ist noch einmal gut gegangen.

Wir durchqueren als nächstes den Ort Camburg und erreichen kurze Zeit später Dornburg-Camburg mit den drei Schlössern, die am Rande eines Muschelkalkplateaus hoch über dem Saaletal thronen. Die Ausschilderung zu den Sehenswürdigkeiten ist etwas gewöhnungsbedürftig. Nachdem wir einen Parkplatz gefunden haben geht es los. Wir betreten zunächst den Park und erspähen als erstes das Berghaus, das im Privatbesitz ist. Es handelt sich dabei um ein Burglehngut aus dem 15. Jahrhundert.

Der Balkon Thüringens
Dann erblicken wir das erste Schloss. Es ist das Renaissanceschloss. Vom Herrenhaus zum Schloss erhoben wurde es von Großherzog Carl August im Jahre 1824, der das Gebäude als Sommerresidenz nutzte. Vom spektakulären Balkon haben wir eine atemberaubende Sicht auf das Saaletal. Stühle wurden uns bereitgestellt, fehlt nur noch ein spritziger Prosecco. Naja, man wird ja noch träumen dürfen. Ich bin sowohl von der Aussicht als auch der Tatsache fasziniert, dass hier drei Schlösser so eng beieinander stehen – was wohl der Grund dafür ist?

Als nächstes kommen wir zum Rokokoschloss. Erbaut wurde es von Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar-Eisenach. Konzipiert als Lustschlossanlage erstrahlt das Gebäude in Bonbonfarben. Dem Schloss ist ein wunderbar gepflegter Garten vorgelagert, der sprichwörtlich zum Lustwandeln einlädt.

Als Letztes kommen wir zum Alten Schloss, das den Ursprung der Dornburger Schlösser markiert. Die Burg entstand im 12. Jahrhundert. Die ursprüngliche Funktion des Gebäudes war ein Witwensitz, danach wurde es Sitz des Amts Dornburg. Im 20. Jahrhundert wurde das Schloss wechselweise als Schule, Altenheim und Institut genutzt. Zur Anlage gehört einen Kräuter und ein Obst- und Gemüsegarten.

Das bitterkalte Ende
Wir berauschen uns sowohl an den drei Schlössern als auch der Umgebung und der unbeschreiblichen Aussicht auf das Saaletal. Langsam geht jedoch die Sonne unter und eine unangenehme Kälte zieht uns in die Knochen. Wir werfen noch einen Blick in die Kirche, die am Marktplatz liegt. Sie beherbergt eine Bilderausstellung über isländische Kirchen. Das sind interessante Objekte dabei. Zum Schluss schlendern wir über den Marktplatz und erfreuen uns am ersten Weihnachtsschmuck und den bunten Häusern. Dann zieht es uns aber endgültig zum Auto zurück.

Durch diesen Stadtgraben müssen Sie kommen
Zum Abschluss müssen wir uns noch einer Challenge stellen. Von unserem Parkplatz aus biegen wir links in den Stadtgraben ein. Was wir zunächst nicht erkennen können ist, dass dieser Stadtgraben sehr schmal ist. Es verlangt schon einiges an Fahrkunst, um unfallfrei durch die Gasse und den davor geparkten Autos vorbei zu kommen. Der Puls der automatischen Abstandsmessung rast, es piept wild, zum Schluss müssen wir sogar die Außenspiegel einklappen, dann ist es geschafft. Wir atmen auf, ein befreites Lachen ist zu hören. Was für ein Pulsbeschleuniger am Ende dieses schönen Tages.

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