Christina/ Mai 18, 2020/ Alltagsgeschichten/ 0Kommentare

Wieder einmal bin ich verblüfft, welche Schönheiten das Braunschweiger Land zu bieten hat. An diesem Sonntag wandeln wir auf grünen Wanderpfaden zwischen Burg, Schloss und Jägerhaus! Wir haben uns die Wanderstrecke zwischen Wohldenberg bei Holle und dem Hainsberg bei Sehlde herausgesucht. Der Einstieg beim Ausgangspunkt an der ehemaligen mittelalterlichen Burg ist aufgrund von Baumfällarbeiten nicht ganz so leicht zu finden. Aber wir sind ja alte Wanderhasen und schlagen uns erfolgreich durch. Und da wir liquide und zahlungsbereit sind, entgehen wir auch dem miesen Karma auf dem Bergfried Wohldenbergs. Was wir dabei nicht ahnen können, wir begegnen einem echten Topmodel.

Mieses Karma auf dem Bergfried
Wir parken unterhalb der Burg Wohldenberg. Auf dem Parkplatz ist weit und breit keine Ausschilderung zu sehen, also schauen wir uns erst einmal in Ruhe die ehemalige Festung an. Den Weg dorthin haben noch einige andere an diesem Tag gefunden. Es ist eine bunte Schaar von Spaziergängern, Radfahrern und Familien, die sich auf dem Gelände tummelt. Besondere Aufmerksamkeit zieht ein Pfau im Garten des Pfarrhauses auf sich. Er schlägt sein Rad und stolziert vor den Zuschauern auf und ab. Bereitwillig lässt er sich fotografieren und stößt dabei selbstverliebte Laute aus. Heidi, wo bist du? Hier ist jemand, der unbedingt in deine Topmodelshow gehört.

Nach der Fotosession entdecken wir den Bergfried auf dem Gelände. Der scheint das heimlich Hightlight hier zu sein. Aber Vorsicht: der Turm ist mit dem Fluch der katholischen Kirche belegt. Wir sich hier weigert, den Obulus von 0,50 € zu entrichten, dem droht laut Aushang mieses Karma! Meine Güte, so weit ist es schon mit den katholischen Pfaffen gekommen, dass die einem jetzt mit Strafen drohen. Ich dachte immer andersherum würde ein Schuh draus werden. Naja, ich bin ja nur ein kleines Blondchen und kann’s nicht besser wissen.

Wo geht es denn hier zum Jägerhaus?
Wir besteigen also den 32 Meter hohen Turm und staunen. Was für ein Panorama! Schade, dass auf dem Bergfried kein Kaffee serviert wird, das wäre praktisch das kalorienfreie Sahnehäubchen für uns gewesen. Naja, vielleicht als Anregung für unsere katholischen Freunde für’s nächste Mal.

Nachdem wir alle Highlights der Anlage gesehen haben, stellt sich nun die Frage: Wo geht es denn hier zum Jägerhaus? Von einer Radgruppe erfahren wir, dass der direkte Weg aufgrund von Baumfällarbeiten gesperrt ist. Naja, kein Problem für uns „little rascals“. Wir finden natürlich eine Lücke in der Absperrung und welcher Waldarbeiter ist schon sonntags tätig? Wir finden tatsächlich den richtigen Weg und die Ausschilderung zum Jägerhaus. Wir wandern über einen schmalen Waldpfad, überqueren auf der Grünbrücke die Autobahn und gelangen über einen breiteren Weg schließlich zum Jägerhaus. Wir wandern übrigens auf dem Harz-Hildesheim-Weg, den ich zuvor gar nicht kannte.

Leider wird das Jägerhaus mit seiner schönen Terrasse immer noch renoviert (war im letzten Jahr auch schon so). Wir steuern den nahgelegenen Parkplatz an, denn ich erinnere mich vom letzten Besuch, dass hier die Ausschilderung steht. Genauso ist es. Wir nehmen die Nordroute nach Wohldenberg für den Rückweg. Es geht zunächst durch den Wald, dann kommen wir auf einen Feldweg und sind „lost in Silium“. Außerhalb des Waldes gibt es leider keine Ausschilderung mehr, dafür aber freundliche Spaziergänger, die uns den Rückweg erklären. Am Waldrand geht es bergauf, die Burg ist schon im Blick. Einmal verlaufen wir uns noch, wiederum helfen uns aber nette Radfahrer weiter. Kurze Zeit später erreichen wir schließlich den Parkplatz unterhalb Wohldenbergs mit unserem Auto.

Der Broker vom Schloss Derneburg
Als ich mich auf die Tour vorbereitet habe, bin ich auf den Laves-Kulturpfad aufmerksam geworden und somit auch auf Schloss Derneburg. Als Burg- und Schlossfan muss ich da natürlich noch hin. Also rein ins Auto und noch schnell die drei Kilometer nach Derneburg zurücklegen.

Das Schloss ist wirklich sehr, sehr schön mit einem ganz tollen Skulpturenpark. Leider ist das Schloss nur für vorangemeldete Gruppen zu besichtigen. Aus dem Internet erfahre ich, dass ein amerikanischer Ex-Broker namens Andrew Hall die Anlage gekauft und ein Kunstmuseum daraus gemacht hat. Als Ölmilliardär bezahle ich so ein Schloss vermutlich aus der Portokasse, aber trotzdem schön, dass er die Anlage erhält und die Kunst auf für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich macht.

Auf dem Laves-Kulturpfad
Wir schließen unsere Tour mit dem Laves-Kulturpfad ab. Von der Straße aus geht es zunächst bergauf in den ehemaligen Landschaftspark des Schlosses. Nach einem kurzen Stück sehen wir ihn plötzlich vor uns aufragen: den griechischen Tempel. Der wirkt hier zwar etwas deplaziert ist aber trotzdem eine geglückte Überraschung. Schnell stelle ich mir vor, wie toll das wäre an dieser Stelle ein Freiluftcafé zu eröffnen, in dem Vestalinnen servieren. Das wäre mal eine echte Novität!

Bergab erreichen wir das Mausoleum des Grafen Ernst zu Münster, der sich und seiner Familie im pharonischen Stil ein pyramidenartiges Grabmal errichten ließ. Nun, man gönnt sich ja bekanntlich sonst nichts. Gleich rechts vom Mausoleum ist eine schöne Sandsteinformation zu erblicken. Nochmals bergab geht es zu den Fischerhäusern. Weiter unten an der Bahnstrecke kommt man zum Mariensee und der Lavesbrücke. Wir schauen uns zum Schluss noch das Glashaus an (wird gerade renoviert) und schließlich das Kutscherhaus. Mir persönlich würde das schnuckelige Kutscherhaus als bescheidene Residenz auch schon genügen.

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