Christina/ Mai 14, 2020/ Alltagsgeschichten

Spätestens als am 13. März dieses Jahres die Nachricht über den Äther kam, dass ab Montag, den 16. März alle Schulen und Kindergärten geschlossen sind, war klar, dass das Jahr 2020 ganz anders werden wird als alle Jahre zuvor. Der beschlossene Lockdown betraf dann auch nicht nur die öffentlichen Lehranstalten, sondern auch alle Geschäfte, Lokale und touristische Einrichtungen. Damals ist mir sofort eine Sache durch den Kopf geschossen: Wie soll das wirtschaftlich gehen? Wir leben in einer sozialen Marktwirtschaft, die von Nachfrage und Angebot lebt. Auch wenn ich die tatsächlichen Auswirkungen natürlich zu dem Zeitpunkt in keiner Form abschätzen konnte, weil die Dimensionen mein Vorstellungsvermögen bei Weitem überstiegen, war mir bewusst, dass die Menschen, nachdem die erste Angst um die eigene Gesundheit abgeklungen ist, die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Einzelnen mindestens eben so viel Angst auslösen würden, nämlich Existenzangst. Ganz real wurde ich gestern zufällig in Hannover mit den Auswirkungen in Form einer Demonstration konfrontiert, die zeigte: Reisebusunternehmer sind schon am Limit.

Hier sind wir laut, weil Ihr unsere Zukunft klaut
Ja, nach zwei Monaten Shutdown gibt es langsam Lockerungen. Ob diese zu schnell kommen, ob sie zu spät kommen, ob wir (bald) eine zweite Infektionswelle erleben, das weiß niemand genau. Zu wenig wissen wir bzw. die Wissenschaft derzeit über das Virus Covid-19 und seine Auswirkungen.

Aber, was ich immer wieder aus meinem Freundeskreis höre ist, dass es einfach keinen Spaß macht mit Maske einkaufen geschweige denn „Shoppen“ zu gehen. Das ist keine Kritik an der Maßnahme, Masken tragen zu müssen. Nein, dass ich ein persönliches Empfinden. Eine Gefühlslage, die dazu führt, dass derzeit die Notwendigkeit jedes Supermarktbesuches hinterfragt wird. Ganz zu schweigen vom samstäglichen Gang durch die Kaufhäuser. Abgesehen davon, dass das Atmen durch die Maske erschwert wird, ist eine Beratung im Kaufhaus oder Fachgeschäft einfach nur nervig, weil man durch den Mund-Nasen-Schutz lediglich die Hälfte des gesprochenen Wortes versteht. Die Konsequenz: Nicht lebensnotwendige Käufe werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben oder ganz ausgesetzt, da niemand weiß, ob er nach der Krise überhaupt noch einen Job hat.

Tourismus-Branche im Fokus
In diesem Jahr dürfte es besonders die Tourismus-Branche und alle Gewerbe treffen, die damit zusammenhängen. Wochenlang konnten wir die öffentliche Debatte, um die Rettung der Fluggesellschaft Lufthansa verfolgen. Aber, es geht ja nicht nur um große, namenhafte Unternehmen. Was ist mit den Familienunternehmen, die keine Chance haben, im laufenden Jahr große Rücklagen zu bilden, um eine „Saure-Gurken-Zeit“ zu überleben? Und wie viel Freude macht es, im Café zu sitzen, von einem Maskierten bedient zu werden und zudem noch seine Kontaktdaten abgegeben zu müssen (Datenschutz adé?). Ein Strandleben mit Maske, Zugangsbeschränkungen und der eventuellen Gefahr, nicht wieder ins Heimatland einreisen zu können, möchte ich mir gar nicht ausmalen. Die vorausgehende Schlacht um ein Ferienhaus lasse ich mal außen vor. Auch frage ich mich, wenn Auslastung eines Hotels nur bei 50 % liegen darf – wem wir dann abgesagt?

Insolvenz ist Konsequenz
Die Summen, die die Bundesregierung derzeit (zum Glück) auf dem Markt wirft, werden immer schwindelerregender. Ich weiß nicht, ob der Laie da noch mitkommt und sich die Konsequenzen dieser Freigiebigkeit tatsächlich vorstellen kann. Steuererhöhungen in den nächsten Jahren – fast sicher. Wie geht es aber erst einmal in diesem Jahr weiter? Wie viele Arbeitslose werden wir nach der Krise haben und wann wird diese überhaupt überwunden sein? Ist das Tragen von Masken wirklich die neue Normalität?

Ich hoffe es nicht. Und wie viele Menschen wünsche ich mir mein altes, größtenteils sorgenfreies Leben zurück. Und wie sorglos das eigentlich war, wird mir ja erst jetzt deutlich. Aber trotzdem allem bin ich froh, wie gut die Deuschen und Deutschland bis jetzt durch die Krise gekommen sind. Der Blick in die anderen europäischen Länder und besonders in die USA zeigt, das ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist also noch Geduld da, aber ich verstehe auch die Reisebusunternehmer der gestrigen Demonstration, denen das Wasser vermutlich jetzt schon bis zum Hals steht.

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