Christina/ Mai 10, 2020/ Kategorien

Bis heute war mir nicht bewusst, dass es in Salzgitter und Umgebung lohnenswerte Wanderwege gibt. Gibt es aber und sogar sehr schöne, wie zum Beispiel der Rundweg auf dem Salzgitterschen Höhenzug zwischen Reihersee und Bismarckturm. Der Weg führt über die Rundwanderwege 13, 15, 16 und 17. Die Ausschilderung des Weges ist gut, es gibt allerdings eine Stelle, die etwas knifflig ist und dazu geführt hat, dass wir eine Extrarunde gedreht haben. Aber davon später mehr.

Der Salzgittersche Höhenzug
Die Stadt oder den Ort Salzgitter gibt es gar nicht so richtig. Vielmehr handelt es sich um eine Aneinanderreihung von Orten, die zusammengezogen wurden, wie z.B. Salzgitter-Bad, Salzgitter-Ringelheim oder Salzgitter-Lebenstedt. So besteht das Stadtgebiet von Salzgitter aus sieben Ortschaften, die sich aus insgesamt 31 Stadtteilen zusammensetzen. Der Salzgitter-Höhenzug war mir bis heute nicht geläufig. Es handelt sich dabei um ein ansprechendes Wandergebiet und eine echte Alternative zu den weiteren Höhenzügen im Braunschweiger Land, wie zum Beispiel der Elm-Lappwald.

Wiederbegegnung mit dem Bergbau
Nach gut 15 Minuten auf dem Rundweg Nr. 17 erreichen wir zunächst den Reihersee. Von Gebardshagen aus ist ein kleiner Anstieg zu bewältigen. Die Anstrengung lohnt sich aber auf jeden Fall. Danach sind wir auch schon auf dem Kamm. Wir genießen die Ruhe und das frische Grün der Bäume. Noch ein letzter Anstieg dann sind wir da, am ehemaligen Klärteich, dem Reihersee. Hier begegnen mir also wieder die Spuren des ehemaligen Bergbaus, genau wie am letzten Sonntag bei meinem Helmstedt-Trip. Wieder denke ich, wie interessant es ist, dass ich mich aufgrund der Corona-Krise und der Bewegungsbeschränkungen plötzlich mit der Geschichte meiner heimatlichen Umgebung auseinandersetze. Toll. Und wieder bin ich überrascht, wie vielfältig allein das Braunschweiger Land ist und wie viel es zu entdecken gibt, wenn ich einfach mal genau hinschaue. Nicht immer sind die Äpfel in Nachbars Garten also attraktiver, denke ich.

Tätowierte Testosterone
Wir verweilen kurz am See, um den man übrigens auch herumlaufen kann. Aber wir wollen ja weiter zum Bismarckturm. Wir bleiben also auf unserem Höhenweg. Da passiert es. Aus dem Nichts kommt ein tätowiertes Testosteron in Form eines wildgewordenen Mountainbikers auf uns zu. Wohlgemerkt wir sind auf einem Wanderweg und keinem ausgewiesenen Singletrail für Radfahrer. Der Typ fährt so aggressiv auf uns zu, dass uns gar nichts anderes übrig bleibt als in die Büsche zu springen. Ich drehe mich um und rufe ihm noch ein „Arschloch“ hinterher, da sehe ich es. Das volle Klischee: Tätowiert bis zum Gehtnichtmehr und hochgradig aggressiv, weil Muckibude und Stadion zur Testosteronkontrolle leider gerade geschlossen sind. Gut, da bleiben wir kühl, kein Gefühl.

Unbeirrt über diesen seltsamen Zwischenfall gehen wir weiter. Zwischendurch versichern wir uns über die Ausschilderung immer wieder, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Allerdings geht es nicht ganz ohne die Hilfe von entgegenkommenden Wanderern. Der Grund ist, dass die Ausschilerung nicht immer ganz eindeutig ist. So werden auf den Hinweisen mal die Nummern von Rundwanderwegen angegeben und mal Ortsnamen. Gestartet sind wir auf dem Rundweg Nr. 17, zwischendurch kreuzt aber die Nr. 18, dann laufen wir auf der Nr. 15 und schließlich auf der Nr. 16. Etwas verwirrend, weil ein Rundweg ja eigentlich durchgehend eine Bezeichnung haben sollte – aber naja, denke ich, andere Landkreise, andere Sitten. Wir erreichen den Bismarckturm nach gut einer Stunde. Das ist ein nettes Areal mit einem Gasthaus (leider geschlossen) und sogar einer Stempelstelle. Und da passiert es wieder: Ich hatte extra mein Wanderkaiserin-Stempelheft eingesteckt. Erwartungsvoll öffne ich den Kasten und? Ja, tolle Show. Natürlich hatte wieder irgendso ein Honk den Stempel abgerissen und mitgehen lassen. Was soll das? Das nervt richtig, zum Glück aber nur kurz. Viel zu schön sind der Tag, die Wanderung und das Wetter, da lohnt es nicht, dass ich mich länger aufrege.

Wo geht es nach Gebardshagen?
Wir stehen also am Bismarckturm und fragen uns wie es weitergeht. Die sehr komprimierte Wanderbeschreibung und -karte, die ich mir aus dem Internet downgeloaded habe, gibt nicht wirklich viel her. Jetzt ist unsere Wandererfahrung gefragt. Wir gehen zunächst ein Stückchen Richtung Salzgitter-Bad, schließlich wollen wir uns auf dem Rückweg dem Reihersee von der anderen Seite nähern. Am Ortsrand treffen wir auf ein Pärchen. Naja, zunächst eigentlich nur auf den Autofahrer. Funfakt am Rande: Als meine Freundin den aussteigenden Autofahrer anspricht, vergisst er, dass seine Partnerin auch über den Fahrersitz aussteigen wollte und macht ihr die Tür vor der Nase zu! Wir fragen ihn nach dem Weg nach Gebardshagen, aber naja, schnell wird klar, dass er zwar aus der Ecke ist, aber noch nicht einmal weiß, in welcher Himmelsrichtung Gebardshagen liegt. Da vertrauen wir lieber erstmal unserem Orientierungssinn, was auch richtig ist.

Zunächst geht es an einer Reihe sehr gepflegter Gärten mit allerlei Plastikzierrat vorbei bis wir wieder den Wald erreichen. Ah, da ist wieder ein Wegweiser: aha, 4 km sind es bis zum Reihersee und 5,5 km bis nach Gebardshagen. Also sind wir auf dem richtigen Weg – noch. Wir befinden uns jetzt auf dem Rundwanderweg Nr. 13, aber okay, das hat ja erstmal nichts zu sagen. Dann gabelt sich plötzlich der Weg. Es sieht so aus, als ob der eigentliche Pfad nach rechts weitergeht. Dann merken wir, dass wir eine Schleife drehen. Nun kein Problem, weil wir kommen ja auf den Ausgangsweg zurück. Naja, das stimmt soweit, aber! Wir wiegen uns weitrhin in Sicherheit und gehen davon aus, bald in Gebardshagen zu sein. Dann erreichen wir den Waldrand. Wir sind etwas irritiert. Wir sprechen einen Mann mit zwei Hunden an. „Ist das hier Gebardshagen?“ fragen wir. Der Mann schaut hoch und lächelt schief: „Nein, sie sind in Salzgitter-Bad. Nach Gebardshagen sind es ca. 6 km, da gehen Sie noch ein Stück.“ Uns fällt kurzfristig die Kinnlade herunter. Ungläubig sehen wir uns an – wie geht das denn? Wir akzeptieren zwar den Ist-Zustand, fangen aber an zu grübeln, wo wir den Fehler gemacht haben? Das kann ja nur an der Stelle gewesen sein, wo wir die Schleife gedreht haben.

Das ist ja nochmal jut jejange
Wir haben wieder Glück und treffen auf einen Spaziergänger, der uns bereits lächelnd entgegenkommt. Er vermutet wohl schon, dass wir uns verlaufen haben. Er erklärt uns kurz den Rückweg. Hm, so waren wir ja gekommen. Beim nächsten Hinweisschild fällt es mir aber wie Schuppen aus den Haaren: Wir waren tatsächlich im Kreis gelaufen und haben innerhalb der Schleife den Hinweis auf den Wanderweg Nr. 15 verpasst. Das Zeichen liegt direkt in der Kurve, ist sehr leicht zu übersehen und dazu missverständlich, weil der SEHR schmale Weg zurück auf den Kamm nicht als Weg zu erkennen ist. Wir entscheiden uns aber nun, diesen schmalen Pfad auszuprobieren und liegen richtig. Wir sind wieder auf dem Höhenweg und kommen diesmal auf dem anderen Ufer am Reihersee vorbei. Von dort aus wird es dann einfach. Wir erreichen nach kurzer Strecke wieder Gebardshagen und sind stolz auf uns, dass wir den zweiten Teil des Rundweges doch noch gefunden haben.

Ingesamt handelt es sich also um einen sehr schönen Waldwanderweg, den ich uneingeschränkt zum Nachwandern empfehlen kann.

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