Christina/ November 17, 2020/ Alltagsgeschichten/ 0Kommentare

Ins Himmelreich bin ich bereits am letzten Wochenende gelangt, damals ging es weiter in Richtung Bad Sulza. Jetzt wollte ich das selbe auf einem anderen Weg versuchen, nämlich über das Weindorf Kaatschen. Leider hat uns das schwindende Tageslicht mal wieder einen Stricht durch die Rechnung gemacht, bis Bad Sulza sind wir nicht gekommen. Eine schöne Wanderrunde mit interessanten Begegnungen ist es dennoch geworden.

Start im Himmelreich
Wir stellen unser Auto auf dem Parkplatz des Himmelreichs ab. Christian ist zum ersten Mal hier und ist vom Blick auf das Saaletal tief beeindruckt. Na, das geht ja gut los. Die Wanderung geht zunächst in Richtung Saaleck. Wir laufen bergab und überqueren die Saalebrücke. Gleich geht es wieder bergauf und wir folgen der Ausschilderung nach Camburg/Kaatschen. Jetzt wird es richtig idyllisch: Kühe, Schafe und herrlichste Landschaft. Wir fühlen uns wie in einer anderen Welt, alle Coronasorgen haben wir bereits weit hinter uns gelassen. Der Weg führt uns nach Rödigen. An dieser Stelle kommen wir vom Weg ab und landen in Tutlewitz. Wir wandern über die Bünauer Berge in den Wald hinein und erreichen den Höhenweg bei Kaatschen, ein herrliches Fleckchen Erde.

Der terrassierte Weinberg von Kaatschen
Wir gönnen uns eine kurze Vesperpause oberhalb der Weinberge. Da wir uns über den weiteren Wegverlauf nicht ganz sicher sind, sprechen wir einen älteren Herrn an, der verträumt über die Weinberge schaut. Er bestätigt uns den Weg nach Bad Sulza und erzählt dann, dass er bei dem Bau der Mauer oberhalb des Weinberges in 2003 beteiligt war. Weiterhin erfahren wir, dass wir vor dem einzigen terrassierten Weinberg Thüringens stehen. Sieh einer an. Dann zeigt er auf die Pappeln am Saaleufer. Der damalige Bürgermeister, so klärt er uns auf, hätte einige davon fällen lassen, damit man von Bad Sulza auf die Weinberge sehen kann. Aus ökologischer Sicht sicherlich nicht besonders sinnvoll.

Wir verlassen Kaatschen über den Radweg nach Großheringen. Über die Straße des Friedens gelangen wir zur Waldstraße, die uns in den Wald und später nach Bad Sulza führen soll. Wir kommen am Gutshof Großheringen vorbei, der nicht nur radfahrerfreundlich ist, sondern auch Katzen beherbergt.

Weiter oben begegnen wir ein paar Gänsen, die recht nervös auf uns wirken. Ob sie bereits ahnen, dass es auf Weihnachten zugeht? Wir folgen dem Höhenweg in den Wald und biegen dann rechts ab. Einen weiteren Abzweig nach rechts ignorieren wir und laufen den Hang hinunter.

„Das Himmelreich haben wir auch hier“
Nachdem wir eine Gabelung erreichen fehlt leider die weitere Ausschilderung. Wir tappen etwas im Dunklen kommen aber glücklicherweise an einem Haus vorbei, vor dem ein Ehepaar beim Teetrinken sitzt. Wir erkundigen uns nach dem Weg nach Bad Sulza. Hm, das klingt gar nicht so einfach. Eigentlich müssen wir auch zur Sonnenburg hoch, die wir am Horizont bereits gesehen haben. Nach Bad Sulza schaffen wir es nicht mehr. Es ist bereits nach 14:30 Uhr, in zwei Stunden geht die Sonne unter.

Die Dame sagt uns, dass bei der Sonnenburg ein Privatweg sei, der gesperrt ist. Mist, und jetzt? Sie sagt, dass es noch einen zweiten Weg gebe, der aber nicht ganz ungefährlich sei: „Da müssen Sie durch einen Tunnel und sehr vorsichtig sein. Sie wären nicht die ersten, die dort unter die Räder kommen.“ Na, das klingt ja nicht besonders ermutigend. „Wir müssen zurück zum Himmelreich“ werfe ich noch ein, worauf der Ehemann mir antwortet: „Aber das Himmelreich haben wir hier doch schon.“ Wir lachen.

In den Weinbergen oberhalb von Großheringen
Anstatt auf der Straße zu wandern nehmen wir lieber den sicheren Radweg nach Großheringen und lassen die Sonnenburg aus. Am Bahnhof von Großheringen wandern wir bergauf Richtung Sonnendorf und werfen einen Blick auf Bad Sulza von oben. Dann nehmen wir den Weg über die Weinberge in Richtung Himmelreich.

Der Höhenweg oberhalb von Großheringen ist traumhaft, besonders im herbstlichen Abendlicht. Wir sind begeistert, nein geradzu verzückt von der Landschaft, den Herbstfarben und dem warmen Licht. Die grasenden Schafen wirken so idyllisch, wir fühlen uns wie in Irland oder in einem Rosamunde Pilcher-Heimatfilm.

Völlig verzaubert treten wir die letzten Meter zurück ins Himmelreich an. Wir knipsen die letzten Bilder, steigen wieder hinab nach Großheringen und wandern zunächst am Waldrand und später im Wald zurück zum Ausgangspunkt. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir zurück. Was für ein Tag und was für ein Abschluss dieses schönen langen Sommers und Herbstes.

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