Christina/ September 17, 2020/ Alltagsgeschichten

Noch ist es Sommer, noch ist es warm draußen, aber die „German Angst“ geht schon wieder um. Die Angst vor der kalten Jahreszeit und einer möglichen zweiten Corona-Welle hängt wie ein Damoklesschwert über uns, verbunden mit der Drohung eines zweiten Lockdowns. Ich frage mich an diesem sonnigen Morgen also „Was macht mir Mut in diesen Krisenzeiten?“ Auf meinem heutigen MTB-Ausflug Richtung Gifhorn stoße ich tatsächlich auf ein paar Mutmacher: Auf Lustiges, auf Nachdenkliches und auf den Zusammenhalt eines Sportvereins, der auch für Außenstehende eine Inspiration sein kann.

Gönnen Sie Ihrem Hund eine Abwechslung
Es ist ein fantastischer Tag. Der Himmel ist stahlblau, die Sonne brennt auf mich herunter und ich habe ein festes Ziel vor Augen: Es soll nochmals nach Gifhorn gehen. Diesmal wähle ich den direkten Weg über Ölpersee, Rühme, Wenden, Bechtsbüttel, Abbesbüttel, Meine, Ohnhorst, Gravenhorst und Isenbüttel. Der Radweg bis Abbesbüttel ist zwar nicht besonders schön aber aufgrund seines durchgängigen Asphaltbelags gut und schnell zu befahren.

In Abbesbüttel biege ich Richtung Hof Wehmann ein und entdecke ein Schild, das mir ein erstes Lächeln und ein damit verbundenes Wohlgefühl entlockt. Ein genervter Gartenbesitzer hat seinem Ärger mit einem originellen Schild Luft gemacht: „Gönnen Sie Ihrem Hund doch mal eine Abwechslung: Lassen Sie ihn vor Ihre eigene Tür kacken!“ heißt es da. Das hat gesessen.

1000 Jahre ohne Sorgen
Hinter Abbesbüttel sind es nur noch drei Kilometer bis Meine, dann ist bereits fast die Hälfte der Strecke geschafft. Ich komme nochmals an der Straußenfarm in Meine vorbei und grüße meine gefiederten Freunde – ein zweites Lächeln legt sich auf mein Gesicht.

In Meine biege ich von der Hauptstraße links in den Radweg Richtung Ohnhorst und Gravenhorst ein. Das Ortsschild von Ohnhorst lese ich mit Absicht falsch: Ohnsorg, denke ich, quasi das „Sans Souci“ im Braunschweiger Land. Hier ist es ruhig, idyllisch, vom Corona-Wahnsinn weit und breit keine Spur. Gemäß dem Motto des Ortsschildes, von mir neu interpretiert, heißt es von nun an: 1000 Jahre ohne Sorgen.

Es geht weiter nach Gravenhorst und Isenbüttel. Hier fällt mir die St. Marien-Kirche ins Auge. Die wollte ich schon beim letzten Mal ablichten, jetzt ist es soweit. Der rote Backsteinbau leuchtet im Kontrast zum tiefblauen Himmel. Ein tolles Bild. Ich genieße den Augenblick und fahre weiter. Hinter Isenbüttel geht es zunächst Richtung Tankumsee. An der Kreuzung, der Nordtangente, entschließe ich mich jedoch dazu, den Fahrradweg zu verlassen. Der Umweg würde mich weitere fünf Kilometer kosten, die will ich mir schenken. Ich biege also in die Tangente und damit auf den direkten Weg nach Gifhorn ein. Das ist zwar keine schöne Strecke, aber sie ist schnell. Nach knapp zwei Stunden bin ich in der Innenstadt von Gifhorn angelangt.

Das Los der adligen Damen
Bereits bei meinem sonntäglichen Besuch am Gifhorner Schloss sind mir die Informationstafeln zur Welfenherzogin Clara aufgefallen. Nun abgesehen davon, dass ich vom damaligen Ideal der adligen Frau weit entfernt bin, so bin ich doch froh, dass die Emanzipation Frauen zwischenzeitlich vom engen Korsett der höfischen und moralischen Vorstellungen befreit hat.

Ich schlendere durch die Gifhorner Innenstadt, die mit ihren schönen Fachwerkhäusern und vielen, einladenden Cafés doch einiges zu bieten hat.

Der Brücken-Club: Ein bisschen Spaß muss sein!
Als ich die Tafel erspähe, die an den Brücken-Club erinnert, begegne ich einem weiteren Mutmacher: Schnurrpfeifereien und Döneken prägten das Leben des Brücken-Clubs. Mensch, denke ich so für mich, die Brüder haben es genau richtig gemacht. Genau diese Dinge, nutzloses Gerede und gemeinsame Späßchen, machen das Leben lebenswert. Spaß haben mit Freunden, auch, wenn die Zeiten ernst sind: Ein bisschen Spaß muss sein!

An der Schicksalskreuzung
Ich trete den Rückweg über den Calberlaher Damm an. An der Stelle, wo Calberlaher Damm und Koppelweg II aufeinander treffen komme ich an unsere Schicksalskreuzung vom vergangenen Sonntag. Auch wenn unsere Kreuzung ein wenig weiter „oben“ beim Lehmweg lag, ist die Sachlage doch dieselbe. Ich biege wiederum rechts auf die Nordtangente ab, fahre ein Stück Richtung Tankumsee, um dann an der nächsten großen Ampelkreuzung rechts Richtung Isenbüttel abzubiegen.

Kurz vor Isenbüttel komme ich an der „Kuh-Futterstelle“ vorbei. Hier prangt am Zaun ein großes Schild: „Wir möchten gefüttert werden“ heißt es da. Und tatsächlich es klappt. Ein Mann kümmert sich gerade um die lustigen Milchlieferanten, die Tiere goutieren dies mit einem fröhlichen Muhen und dichtem Gedränge, um den besten Futterplatz. Wieder nehme ich ein Lächeln mit.

Mutmacher zum Mitnehmen in Meine
Bereits auf der Hinfahrt war mir in Meine ein besonderer Briefkasten aufgefallen. Diesen hatte ich gedanklich für ein Foto auf der Rückfahrt vorgesehen. Gesagt, getan. Als ich näher an dem Briefkasten vor dem Pfarrhaus der St. Stephani-Gemeinde stehe, entdecke ich den Zettel an der Öffnung des Briefkastens: „Mutmacher zum Mitnehmen! Schauen Sie doch mal rein …“ Tolle Idee, denke ich. Genau das kann ich in diesen Zeiten gebrauchen: Menschen und Dinge, die mir Mut machen. Sofort ist mir klar, das soll mein Motto für den nächsten Blogpost sein.

You'll never walk alone

Das Motto von Eintracht Brauschweig


You’ll never walk alone
Und das ist noch nicht der letzte Mutmacher an diesem Tag. Ich komme wieder nach Bechtsbüttel. An der Abbiegung nach Bienrode weht lustig eine Eintracht Braunschweig-Flagge im Wind. Deutlich ist das Motto des Vereins zu lesen: „You’ll never walk alone.“ Ich denke, das gilt auch für jeden außerhalb des Vereinslebens: Mit guten Freunden an der Seite ist man niemals alleine. Ein schöner Gedanke und ein gutes Gefühl zum Abschluss dieser Tour.

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