Von Schilderwald bis Knödelglück: 125 Kilometer Abenteuer in Bückeburg und Schladen
Der Herbst dreht wettermäßig noch einmal so richtig auf: Bis auf 26 Grad ging das Quecksilber am vergangenen Wochenende in die Höhe! Grund genug, um sich auf das MTB zu schwingen und zwei schöne Touren zu unternehmen. Am Samstag ging es zunächst ins Weserbergland. Genauer gesagt nach Bückeburg. Eine Landtour rund um die schöne Fachwerkstadt im Landkreis Schaumburg sollte es werden. Naja, die etwas unglückliche Ausschilderung hat es uns nicht ganz so einfach gemacht. Am Sonntag sind wir dann in den heimatlichen Gefilden geblieben und sind auf versteckten Fahrradwegen nach Wolfenbüttel und zurück durch den geheimnisvollen Oderwald gefahren.
Wir folgten einfach den Schildern. Was sollte schon schiefgehen?
Gegen Mittag erreichen wir Bückeburg im schönen Weserbergland und machen die Drahtesel bereit. Ganz naiv vertrauen wir der Ausschilderung der Fahrradwege. Grob haben wir uns auf einer Karte orientiert, wo es langgehen sollte. Wir fahren zunächst in Richtung des Bückeburger Schlosses. Am Schloss sehen wir die nächsten Schilder und folgen dem Weg nach „Petzen“ (schöner Name:-). Wir landen im weitläufigen Parkgelände des Schlosses, passieren dabei eine Jagdgesellschaft und den Golfplatz. Dann verwirrt uns die Ausschilderung ein wenig und wir landen wieder in Bückeburg. Nanu? Sind wir im Kreis gefahren? Wir werfen einen Blick auf Google Maps – ach ja, da geht es nach Bad Eilsen. Wir fahren – leider – ein Stück parallel zur Bundesstraße, finden dann aber den Weg in den Harrl, sozusagen der Stadtwald von Bückeburg. Jetzt fängt es an, schön zu werden. Wir folgen weiter der Ausschilderung und kommen schließlich in Bad Eilsen an. Wir folgen wieder den Wegweisern und … landen wieder in Bückeburg. Das gibt es doch nicht!
Zum Kaffeetrinken nach Minden
Langsam sind wir ein wenig genervt. Aber, so schnell geben wir nicht auf und versuchen einen Neustart. Diesmal fahren wir in Richtung Bahnhof. Von dort aus folgen wir der Ausschilderung zum Schloss Baum. Wir kommen zum Mittellandkanal, hier ist leider die Fahrradbrücke gesperrt. Naja ist nicht so schlimm, dann fahren wir einfach zur nächsten. Geschafft, wir sind auf der anderen Uferseite. Wieder folgen wir der Ausschilderung und gelangen in den Schaumburger Wald. Diesem folgen wir ein Stück und landen mal wieder an einer Bundesstraße. Na toll. Und dreimal dürft ihr raten, wohin das Hinweisschild zeigt? Richtig, nach Bückeburg. Also Kehrtwende und zurück. Wir fahren Richtung Eversen, da soll es ein paar schöne Seen geben. Auf dem Weg dorthin sehen ich auf einem Wegweiser, dass es bis Minden nur fünf Kilometer sind. Da uns der Kaffeedurst mittlerweile ereilt hat, schlage ich vor, in der schönen Altstadt eine Pause einzulegen. Leider führt der Weg dorthin auf oder an der Straße entlang.
In Minden angekommen, schließen wir die Drahtesel an und machen uns auf die Suche nach einem Café. Auf dem schönen Marktplatz werden wir fündig: Es soll das Paulette Paris werden. Der Name klingt nach französischem Flair und die gemütliche Bestuhlung lädt zum Verweilen ein. Wir bestellen zwei Americano. Als das schwarze Gebräu bei uns eintrifft, nehmen wir beherzt einen ersten Schluck und stellen fest, der Kaffee hat es in sich. Jetzt sind wir definitiv wach. Leider hat der Laden keinen Baileys im Angebot, dass hätte dem Kaffee etwas die Stärke genommen;-) Plötzlich erklingt hinter uns ein rechter lauter Ton. Nanu, was ist das denn? Ein Blick auf das schöne Fachwerkhaus hinter uns liefert die Antwort: Der Sound kommt vom Glockenspiel im Haus Schmieding. Das Figurenspiel zeigt die Gründungslegende Mindens. Demnach soll der Erbauer des Gebäudes Folgendes gesagt haben: „Diese Burg soll nun ‚min und din‘ (mein und dein) sein“, bot Widukind an, worauf Karl der Große erwiderte: „So trage sie auch den Namen Min-din.“ So entstand der Name „Minden“. Na, wieder etwas gelernt.
Auf schönen Feldwegen zurück nach Bückeburg
Auf dem Rückweg wollen wir unbedingt die Straße vermeiden und suchen nach einer Alternative. Und tatsächlich gelingt es uns. Vorwiegend auf Feldwegen geht es zurück Richtung Bückeburg. An der Gabelung, die uns vorher nach Minden geführt hatte, biegen wir nun Richtung Petzen ab und finden tatsächlich den Weg zum Gevattersee. Hier gönnen wir uns nochmals eine Pause und genießen die herrliche Ruhe, das Entengeschnatter und die Anbahnung einer Freundschaft zwischen einem Schwan und einem Hund. So beseelt treten wir zum letzten Mal in die Pedale, um zurück nach Bückeburg zu fahren. Erneut finden wir schöne Nebenwege und trudeln schließlich wieder beim Bahnhof ein, in dessen Nähe unser Auto steht.
Purer Genuss in Einbeck
Da wir noch einen recht langen Heimweg haben, beschließen wir das Abendessen auf halbem Wege nach Hause stattfinden zu lassen. Unsere Wahl fällt auf die gemütliche Fachwerkstadt Einbeck. Die KI hat uns zwar ein Restaurant empfohlen, vor Ort entschließen wir uns aber dann für das Brodhaus – eine hervorragende Wahl, wie sich schnell herausstellt, denn was entdecken meine müden Augen auf der Speisekarte? Richtig: KNÖDEL! Die Semmelknödel mit Wirsingkraut (als Teil der Sonderkarte zum bayerischen Oktoberfest) schmecken göttlich! Es gibt einfach nichts Schöneres als ein anständiges Mahl nach einer 65-Kilometer-Fahrradtour! Gut gesättigt und rundum zufrieden geht es zurück nach Hause.
Von Schladen nach Wolfenbüttel
Am Sonntag strahlt die Sonne wieder so verlockend vom Himmel, dass wir nochmals auf die Räder wollen. Wer weiß, vielleicht ist es die letzte schöne Tour in diesem Jahr? Diesmal starten wir ganz gemütlich direkt vom Heimatort und radeln zum Ausgangsort der ausgesuchten Tour nach Schladen. Um nicht dem Fahrradweg direkt an der Bundesstraße zu folgen, geht es praktisch ab Heiningen „hintenherum“ (kannten wir auch noch nicht) durch die Feldmark bis zum Rittergut Dorstadt. Hier steigen wir vom Rad und lassen das wunderschön restaurierte Gelände mit einem tollen Garten auf uns wirken. Gleich rechts hinter dem Gut finden wir einen Weg und eine Brücke über die Oker. Links herum geht es weiter Richtung Bungenstedter Windmühle. Der anfänglich breite Weg entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem echten Singletrail und ist recht zugewachsen. Man muss sich etwas durch’s Unterholz schlagen, aber es lohnt sich. Der Teil der Tour ist wirklich rückblickend der Schönste gewesen.
Ebenfalls über einen Feldweg kommen wir zur Bungenstedter Windmühle und gönnen uns eine kleine Verschnaufpause. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Wolfenbüttel – leider wieder an der Straße. In der niedersächsischen Kreisstadt steuern wir den Beachclub Wolfenbüttel an. Bei einem kühlen Blonden überlegen wir uns die Route für den Rückweg. Wir möchten, wenn möglich, Radwege an der Straße vermeiden. Wir peilen einen Weg durch den Oderwald an. Da ich bereits sehr gemischte Erfahrungen mit diesem „Irrgarten“ gemacht habe, mahne ich zur Vorsicht. Nun denn, wir gehen es trotzdem an. Und es kommt, wie es kommen muss: Irgendwann fahren wir im Kreis. Schließlich geben wir entnervt auf und fahren aus dem Wald hinunter nach Dorstadt und von dort zurück auf dem Radweg an der Bundesstraße, um möglichst zügig zurück nach Schladen zu kommen. Dort eingetroffen geht es zur nächsten Tankstelle, wir haben einen Hungerast! Zum Glück ergattern wir noch ein Laugenbrötchen und ein paar Quarkbällchen, puh, das war knapp!
Besuch vom Grashüpfer
Gerade als wir wieder starten wollen, sehe ich den wirklich großen Grashüpfer auf meiner Pedale. Nanu, wie ist das possierliche Kerlchen denn dahin gekommen? Da muss ich natürlich schnell noch ein paar Aufnahmen machen. Mit neuer Energie und voller Vorfreude auf das Abendessen geht es zurück nach Hause. Nochmals haben wir über 60 Kilometer auf dem Tacho. Ganz schön amtlich für ein Wochenende!
