[:de]Der lange Weg zu den Kästeklippen[:en]The long way to the Kästeklippen[:]
[:de]Nach langer Zeit bin ich mal wieder auf Besuch in Bad Harzburg. Neben einer eigentlich kleinen Wanderung steht ein Konzert auf dem Gestüt Bad Harzburg in Bündheim auf dem Programm. Von dem Musikereignis bekommen wir allerdings nur noch den Abspann mit. Die ursprüngliche 14,9 Kilometer-Tour weitet sich auf über 20 Kilometer aus. Und daran ist nur die schlechte Ausschilderung auf dem Weg zu den Kästeklippen Schuld:-) Und, naja, vielleicht auch ein wenig der Aufenthalt in der schmucken Kleingartenanlage Bündheim und der herrliche Ausblick von der Terrasse des Cafés Goldberg.
Gestüt Bündheim
In der irrigen Annahme, dass ich jeden Winkel des Heilbads am Harz kenne, landen wir in Bündheim. Es ist völlig verrückt, denn der Ortsteil liegt nur 1,5 Kilometer von der Bad Harzburger Innenstadt entfernt. Wir biegen in die Gestütstraße ein. Mir fällt das Hinweisschild „Bündheimer Schloss“ ins Auge. Wow, ein Schloss bei Bad Harzburg. Das ist mir nun völlig neu. Susanne relativiert das Gesehene kurzerhand: „Naja, ein Schloss ist es nicht gerade“, sagt sie. Stimmt, der typische Prachtbau ist es nicht, aber immerhin. Für Hochzeiten und Veranstaltungen jeder Art kann das Gebäude angemietet werden. In weiser Voraussicht auf das spätere Konzert im Gestüt Bad Harzburg parken wir hier das Auto.
Ein Animierpferd namens Holger
Wir betreten den Schlossgarten. Am Ende der Grünanlage fallen uns ein paar Grabsteine auf. Auf diesen stehen Namen wie Blasius und Emilius. Susanne vermutet, dass es sich um verstorbene Pferde handeln könnte. Und tatsächlich, eine Informationstafel bestätigt diese Vermutung. Zum Schmunzeln bringt uns allerdings ein norwegisches Pferd namens Holger, dass seinerzeit als Animiergaul tätig war. Von Animierdamen hatte ich wohl schon gehört. Dass sich allerdings Reittiere auch dafür eignen, das war mir neu. Wir folgen der Straße „Am Schlosspark“ bis wir auf die Silberbornstraße treffen. Wir sind auf der Suche nach dem Einstieg zu den Gestütswiesen. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Kleingartenanlage vorbei. Die begrenzten Grundstücke sind liebvoll gepflegt und begeistern uns geradezu. Ich glaube, hier vertrödeln wir schon einige Zeit, die wir im Grunde genommen nicht haben. Trotzdem bleiben wir immer wieder stehen und verlieren uns in den kleinen Details der unterschiedlichen Parzellen. Am liebsten würden wir den Grill herausholen und einen kühlen Weißen trinken.
Hund jagd Schmetterling
Es geht zurück auf die Silberbornstraße. Rechter Hand zeigt ein braunes Schild den Weg zum Café Goldberg. Es ist der Stadtstieg, genau da wollen wir hin. Jetzt geht es zwischen den Gestütswiesen entlang. Hier geht es ganz gemütlich und idyllisch zu. Als uns ein Radfahrer mit seinem Hund entgegenkommt, erleben wir eine Szene der besonderen Art. Plötzlich bleibt der Hund wie angewurzelt stehen und bewegt sich nicht mehr. Seine Augen sind starr auf den Boden gerichtet. Dort sitzt ein Schmetterling. Ist der Vierbeiner auf den Falter fixiert? Tatsächlich. Sein Herrchen erklärt uns, dass es sich um einen Jagdhund handele, dessen Instinkt nun geweckt sei. Bei einem Schmetterling? Aber, das braunhaarige Tier meint es ernst. Wie in Zeitlupe hebt er eine Pfote und lässt den Schmetterling dabei nicht eine Sekunde aus den Augen. Ganz behutsam setzt er seine Tatze auf und hebt die andere Pfote. Während das Insekt weiterhin unbeweglich bleibt, macht der Hund einen beherzten Sprung, ist aber viel zu langsam für den Schmetterling.
Wir biegen links ab und folgen einem schmalen Pfad hoch zum Café Goldberg. Die wunderschöne Terrasse hoch über Bündheim und Bad Harzburg ist bereits gut besucht. Der Ausblick ist einfach zu verlockend, um weiterzugehen. Also legen wir einen Stopp ein, der auch wieder etwas länger dauert. Mit Blick auf die Uhr reißen wir uns schließlich los und begeben uns auf den 48-Pfenning-Weg, der uns zur Kästeklippe führen soll. Wir folgen zuerst einem breiten Forstweg, dann stoßen wir auf einen schmalen Pfad und kämpfen uns durch’s Unterholz. Das ist tatsächlich gar nicht so einfach, weil der Weg sehr zugewaschsen ist. Besenheide, Fuchskreuzkraut und Fingerhut wachsen hier überall und machen aus dem Westharz eine bunte Blumenwiese. Die Natur hat sich mancherorts bereits den toten Bäumen entledigt und durch ein buntes Potpourri von Wildblumen ersetzt.
Es geht bergauf in Richtung Kästeklippen. Weiter oben müssen wir jedoch irgendein Richtungsschild misinterpretiert haben, denn plötzlich zeigen die Zeichen wieder eine größere Entfernung an. Wir sind irritiert. Hm, es sollen immer noch 3,8 Kilometer bis zu den Felsen sein? Wir sind doch schon eine ganze Weile unterwegs. Naja, es hilft nichts. Neuer Versuch. Aber irgendwie wollen die Kilometerangaben nicht weniger werden. Mittlerweile sind wir auf der Goldbergstraße. Eine ganze Zeit später erreichen wir den Goslarschen Weg mit dem Stiefmutterplatz. Jetzt kann es wirklich nicht mehr weit sein. Es ist ja auch schon 17 Uhr.
Der Alte vom Berge
Kurz bevor wir unser Ziel erreichen erzählt mir Susanne, dass es das Gasthaus an den Kästeklippen schon seit Jahren nicht mehr gibt. Ich bin überrascht. Okay, es ist schon eine ganze Weile her, dass ich an dieser Stelle zum Stempelsammeln war. Auf jeden Fall stehen hier nur noch ein paar Grundmauern, die das ehemalige Gebäude erahnen lassen. Die Immobilie gehört wohl den Niedersächsischen Landesforsten. Hier lässt sich nachlesen, dass der Neuaufbau des Gasthauses auf sich warten lässt. Abenteuerlustig wie ich bin, klettere ich über die Felsen bis zum Aussichtspunkt am Rand der Klippe. Ach ja, ist schon toll das Panorama im Harz. Ich kann mir nicht helfen, ich muss noch ein paar Bilder schießen. Während dessen ist Susanne bereits auf der Suche nach mir. Wir wollen ja noch zum Konzert.
Für den Rückweg wählen wir die vermeintlich kürzeste Strecke. Allerdings hängt hier ein rot-weiß-gestreiftes Kunstoffband über dem Weg. Normalerweise ein Zeichen dafür, dass die Strecke gesperrt ist. Ein Schild auf dem Boden weißt jedoch daraufhin, dass die Sperrung nicht für Radfahrer und Wanderer gilt. Puh, Glück gehabt. Vorbei an Mückenhändelwurz und Jakobs-Greiskraut bahnen wir uns den Weg zurück. Auf dem Pfad zum Café Goldberg wird es noch einmal richtig steil. Wieder müssen wir uns durch hohes Gras, Dornen und Brennesseln schlagen. Neben uns rauscht fröhlich ein kleiner Bach. Dann sind wir wieder auf dem 48-Pfennig-Weg und somit zurück am Ausflugslokal, das zwischenzeitlich für heute seine Schotten dicht gemacht hat. Wir laufen den gleichen Weg nach Bündheim zurück, also wieder an den Gestütswiesen vorbei.
Konzert verpasst
Als wir schließlich das Gestüt Bad Harzburg erreichen, ist es verdächtig ruhig. Keine Musik, kein Geräusch, kein gar nichts. Dann hören wir Beifall. Wir biegen in den Innenhof ab und hören gerade noch das Schlusswort der Veranstalter. Zwei Lieder werden noch als Zugabe zum Besten gegeben, dann ist Schluss. Zwischenzeitlich habe ich über das Internet erfahren, dass mein Zug nach Braunschweig gecancelt wurde. Super. Ich schaue, ob es eine Alternative über Salzgitter-Ringelheim gibt. Das könnte klappen. Durch Zufall erfahren wir am Bahnhof von einem Mann, dass es wohl einen Schienenersatzverkehr nach Vienenburg geben soll. Das klappt. Pünktlich gegen 21:30 Uhr bin ich in Braunschweig und blicke auf einen gelungenen Tag im Harz zurück. Wieder zuhause sehe ich, dass mir Susanne das Ergebnis der heutigen Tour rübergeflankt hat: 22 Kilometer. Die Höhenmeter schätze ich auf ca. 400. Also ordentlich Auslauf für einen Nachmittag:-)
Bündheim Stud Farm
Under the mistaken impression that I know every corner of the spa town in the Harz, we end up in Bündheim. It’s completely crazy because the district is only 1.5 kilometers from downtown Bad Harzburg. We turn onto Gestütstraße. A sign catches my eye, „Bündheimer Schloss.“ Wow, a castle near Bad Harzburg. This is totally new to me. Susanne quickly puts it into perspective: „Well, it’s not exactly a castle,“ she says. True, it’s not a typical grand structure, but still. The building can be rented for weddings and events of all kinds. With foresight for the later concert at the Bad Harzburg Stud Farm, we park the car here.
An Entertaining Horse Named Holger
We enter the castle garden. At the end of the green area, a few tombstones catch our eye. Names like Blasius and Emilius are inscribed on them. Susanne guesses that these might be deceased horses. And indeed, an information board confirms this assumption. However, what makes us chuckle is a Norwegian horse named Holger, which once served as an entertaining horse. I had heard of entertainers, but that animals could also fulfill this role was new to me. We follow „Am Schlosspark“ street until we reach Silberbornstraße. We are looking for the entrance to the stud meadows. On our way, we pass by a small garden allotment. The limited plots are lovingly maintained and thoroughly captivate us. I believe we already waste some time here, which we actually don’t have. Nevertheless, we keep stopping and getting lost in the small details of the various parcels. We would love to pull out the grill and drink a cool white wine.
Dog Chasing Butterfly
We return to Silberbornstraße. On the right, a brown sign points the way to Café Goldberg. It’s Stadtstieg, exactly where we want to go. Now, we stroll between the stud meadows. It’s peaceful and idyllic here. When a cyclist with his dog approaches us, we witness a unique scene. Suddenly, the dog stands still and doesn’t move. Its eyes are fixed on the ground. There sits a butterfly. Is the four-legged friend focused on the butterfly? Indeed. Its owner explains that it is a hunting dog whose instinct has now been awakened. By a butterfly? But the brown-haired dog is serious. Like in slow motion, it lifts one paw and doesn’t take its eyes off the butterfly for a second. Gently, it places its paw down and lifts the other. While the insect remains motionless, the dog makes a bold leap but is far too slow for the butterfly.
We turn left and follow a narrow path up to Café Goldberg. The beautiful terrace high above Bündheim and Bad Harzburg is already well-visited. The view is simply too tempting to pass by. So, we take a break, which again lasts a bit longer. Keeping an eye on the time, we finally tear ourselves away and head to the 48-Pfenning-Weg, which should lead us to Kästeklippe. First, we follow a wide forest path, then we encounter a narrow trail and push through the underbrush. This is actually quite challenging as the path is very overgrown. Heather, ragwort, and foxglove grow everywhere, turning the western Harz into a colorful flower meadow. In some places, nature has already rid itself of dead trees and replaced them with a colorful mix of wildflowers.
We head uphill towards Kästeklippen. Higher up, we must have misinterpreted a direction sign because suddenly the signs indicate a longer distance again. We are confused. Hmm, it’s still 3.8 kilometers to the rocks? We’ve already been walking for quite a while. Well, no choice but to try again. But somehow, the distance indications don’t seem to decrease. By now, we are on Goldbergstraße. A while later, we reach Goslarschen Weg with the Stiefmutterplatz. It really can’t be much farther now. It’s already 5 PM.
The Old Man of the Mountain
Shortly before we reach our destination, Susanne tells me that the inn at Kästeklippen has been gone for years. I’m surprised. Okay, it has been a long time since I was here collecting stamps. At any rate, only a few foundation walls remain, hinting at the former building. The property apparently belongs to the Lower Saxony State Forests. It reads that the rebuilding of the inn is still pending. Adventurous as I am, I climb over the rocks to the viewpoint at the edge of the cliff. Oh yes, the panorama in the Harz is just fantastic. I can’t help myself; I have to take a few more pictures. Meanwhile, Susanne is already looking for me. We still want to get to the concert.
For the return trip, we choose the supposedly shortest route. However, a red-and-white-striped plastic band hangs across the path. Normally a sign that the path is closed. A sign on the ground indicates that the closure does not apply to cyclists and hikers. Phew, lucky us. Passing by fragrant orchid and ragwort, we make our way back. The path to Café Goldberg becomes quite steep again. We have to push through tall grass, thorns, and nettles. A small stream happily babbles next to us. Then we are back on the 48-Pfennig-Weg and thus back at the excursion restaurant, which has since closed for the day. We follow the same route back to Bündheim, again passing by the stud meadows.
Missed Concert
When we finally reach the Bad Harzburg Stud Farm, it is suspiciously quiet. No music, no noise, nothing at all. Then we hear applause. We turn into the courtyard and just catch the final words of the organizers. Two more encore songs are played, and then it’s over. In the meantime, I’ve learned via the internet that my train to Braunschweig has been canceled. Great. I look for an alternative route through Salzgitter-Ringelheim. That could work. By chance, we hear from a man at the station that there is supposedly a rail replacement service to Vienenburg. It works out. At 9:30 PM, I am in Braunschweig, reflecting on a wonderful day in the Harz. Back home, I see that Susanne has sent me the results of today’s tour: 22 kilometers. I estimate the elevation gain to be around 400 meters. Quite a workout for an afternoon.
