[:de]Corona-Tagebuch: Der Mühlenwanderweg bei Naumburg[:en]Corona-diary: The mill hiking trail close to Naumburg[:]
[:de]Sag mir wo die Mühlen sind. Das haben wir uns auf diesem Mühlenwanderweg zwischen Naumburg, Boblas, Wetterscheid und dem Kroppental immer wieder gefragt. Die Broschüre aus dem Tourismusbüro hatte uns „neun eindrucksvolle Wind- und Wassermühlen“ entlang des Weges versprochen. Nix ist! Die wirkliche Überraschung ist dagegen die Flut von Weinbergschneckenhäuschen, die wir unterwegs finden und sammeln. Für Mühlenfans ist der Weg weniger geeignet, wer gutes Bastelmaterial sucht, der wird hier fündig.
Start ist bei MacDonald’s
Vor zwei Wochen hatte ich mich nach dem Start des Mühlenwanderweges in der Naumburger Touristeninfo erkundigt. Im Internet war dazu leider nichts Brauchbares zu finden. Als mir der freundliche Herr erklärt, dass der Weg im Gewerbegebiet von Naumburg beginnt, genauer gesagt bei McDonald’s, war ich schon überrascht. Aber gut dachte ich, warum nicht. Das Gewerbegebiet von Naumburg heißt Steinkreuzweg und ist gut ausgeschildert. Wir entdecken auch gleich den amerikanischen Burgerbräter und versorgen uns erst einmal mit zwei Kaffees.
Ausgerüstet mit dem Heißgetränk geht es für uns zunächst bergauf in einen kleinen Stadtwald. Die Ausschilderung ist gut und eng bestückt, so dass wir uns insgesamt nicht einmal verlaufen. Als wir aus dem Wald herauskommen geht es zunächst über Feldwege nach Boblas. Wir halten Ausschau nach einer Mühle, entdecken aber nichts als ein baufälliges Fachwerkhaus.
Auf einer Umgebungskarte schauen wir, wo die ersten Mühlen sein sollen: Aha, zwischen Boblas und Wetterscheid liegen vier Mühlen. Wir freuen uns also auf die Neumühle, die Lochmühle, die Walkmühle und die Untermühle.
Das Schneckenparadies
Auf sehr schönen schmalen Pfaden laufen wir weiter. Plötzlich sehen wir auf dem Weg zwei Weinbergschneckenhäuschen. Noch halten wir diese für einen Zufallsfund und stecken die Häuschen zu Bastelzwecken ein. Auf den nächsten Meter geht es dann richtig los: Wir entdecken ein Häuschen nach dem anderen. Insgesamt sammeln wir bestimmt an die 40 Stück ein. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus und fragen uns vor allen Dingen, wo die Schneckenhäuschen herkommen, da keine Weinberge in der Nähe sind. Wir nehmen uns vor, aus den Gehäusen in unserem Kreativraum etwas Schönes zu machen.
Mit unserer Beute erreichen wir das nächste Dorf. Endlich das ersehnte Schild. Hier geht es zu einem Wasserrad, dann muss es auch eine Mühle geben. Und so ist es auch. Zwar ist es keine Mühle, so wie wir sie uns vorstellen, aber immerhin. Wir sind bei der Neumühle fündig geworden. Als wir weitergehen treffen wir auf einen Mann, der sich gerade der Gartenarbeit widmet. Der Mann spricht uns an, wir kommen kurz ins Gespräch und tauschen ein paar Eindrücke aus. Es ist eine nette Begegnung. Überhaupt, so ist unser Eindruck, sind die Menschen in dieser Region sehr freundlich und aufgeschlossen.
Als nächstes erreichen wir Mertendorf. Auch sehen wir uns ohne Erfolg nach einer Mühle um. Nur das Eiscafé ist ausgeschildert, aber das ist aufgrund der Jahreszeit und Corona sowieso geschlossen. Der Weg verläuft jetzt leider auf Asphaltboden, was für unsere Gelenke nicht so angenehm ist. Zudem sind wir schon etwas angesäuert, weil wir viel mehr Mühlen erwartet haben.
Gefechte bei Wethau
Wir erreichen Wethau. Hier sehen wir zwar auch keine Mühle, dafür aber eine Infotafel, die uns mit der Geschichte der Gefechte bei Wethau am 9. und 10. Oktober 1813 vertraut macht. Ich lerne, nicht nur Goethe ist weit herumgekommen, auch der französische Feldherr Napoleon. Und bei dieser Schlacht ging es um nichts Geringeres als die Zukunft Europas! Die Herrstraße von Naumburg über Weißenfels nach Leipzig führte über die Wethauer Brücke auf der wir jetzt stehen. Die Brücke wurde am 9.10.1813 von Franzosen besetzt. Dort kam es zum Straßen- und Häuserkampf zwischen den Franzosen und Fürst Moritz von Liechtenstein.
Der Steinerne Engel
Wir lernen also, diese Region ist zwar nicht mühlen-, dafür aber geschichtslastig. Wir ziehen weiter durch Wethau und steuern auf den Steinernen Engel zu. Mal schauen, ob es da etwas zu sehen gibt. Eine Viertelstunde später erreichen wir das Gestein und diesmal sind wir nicht enttäuscht. Im 17. und 18. Jahrhundert haben an dieser Stelle wohlhabende Naumburger Bürger Wein angebaut. Zu der Zeit soll hier auch das Relief des Steinernen Engels entstanden sein. Es ist zwei Meter hoch und vier Meter breit. Das Gebilde soll wohl als Ausdruck einer ästhetischen Aufwertung der Weinberge durch das städtische Bürgertum verstanden werden.
Die Mühle im Kroppental
Auf dem weiteren Weg kommt uns ein Spaziergänger entgegen. Diesem klagen wir erstmal unser bisheriges Leid und fragen, ob wir denn im weiteren Verlauf noch mit Mühlen rechnen können. Er lässt uns wissen, dass man die meisten Mühlen nicht erkennen kann, weil es Gebäude sind, die oftmals wie Wohnhäuser wirken und die Wasserräder innen oder in einem gesonderten Häuschen liegen, so dass man diese nicht sieht und somit die Mühle nicht erkennt. Tja, da wäre eine Beschriftung natürlich hilfreich gewesen.
Er erklärt uns noch den Weg zu zwei weiteren Mühlen, gibt aber zu bedenken, dass wir vermutlich eine davon nicht als Mühle erkennen werden, die andere sei beschriftet. Und genauso kommt es dann auch. Die Kroppentalmühle sieht zwar auch nicht wie eine typische Mühle aus, glänzt aber durch ein Hinweisschild.
Und dann kommt die große Überraschung. Wir entdecken in der Ferne eine Bockwindmühle. Voller Vorfreude setzen wir unseren Weg fort, allerdings nur um zu bemerken, dass wir zu diesem Exemplar gar nicht hinkommen, da die Mühle nämlich auf der anderen Saaleseite liegt und die Fähre nicht mehr in Betrieb ist.
So lecker ist das Saalewasser
Zum Glück kommen wir linker Hand aber an einem Glühweinstand vorbei. „Glühwein-to-go“ direkt vom Winzer wird offeriert. Was für eine angenehme Überraschung. Der „Alte Felsenkeller“, so heißt der Gasthof, bietet auch Eigenkreationen an. So entscheide ich mich für ein Saalewasser, das aus schwarzem Tee, Winzerwein, Rum und Obstler besteht. Das kräftigende Gebräu kommt mir bei den kalten Temperaturen gerade recht. So langsam kehren die Lebensgeister zurück und wir versöhnen uns mit der Mühlenwanderung ohne Mühlen.
Zurück in Naumburg am MacDonald’s schließen wir unsere Tour ab.
It starts at McDonald’s
Two weeks ago I contacted the tourist office at Naumburg to find out more about the advertised mill hiking trail. The starting point, the guy told me, is at McDonald’s located at the industrial estate of Naumburg. Okay, I did not expect that.
The way to the site is quite good signposted though. With two hot coffees in our thermos-cup we start our hike. We take the descend up to the urban forest. The signposting for the way is easy to find so we do not miss the way at all. From the forest we walk via country roads to Boblas. We are looking for the first mill but do not see any. An information board tells us that the first mill is yet to come. So we are looking forward to see the Neumühle, Lochmühle, Walkmühle and the Untermühle.
A snail’s paradise
On very nice and narrow paths we continue our hike. Suddenly we discover two empty vineyard snail houses on the way. At first we think that these are chance finds. But this is only the beginning. Overall we collect something like 50 houses. Sandra tells me that these are good for handicraft works, we could decorate them and stuff. Ah, okay. Never heard of it or seen it before – but why not?
We take our pickings and arrive at the next village. Finally we come across a water mill here. Well, there is nothing much to see but a mill wheel. Still… Our next destination is Mertendorf. No mill, again. There is only a sign for an ice-cream parlor, closed, of course.
Unfortunately, the way continues on a tarmac road, not so pleasant for our hips and waists. Moreover our good mood vanishes slightly due to the missing mills along the way.
Combat at Wethau
We arrive at Wethau. We do not come across a mill here but a signpost telling us about the combat that took place here on October 9th and 10th, 1813. We learn that Napoleon had some fights here deciding on the future of Europe. Exactly this bridge, the Wethau bridge, was occupied on October 9th, 1813 by the French army. Street- and house fighting between Count Moritz of Liechtenstein and the French took place here.
The stony angel
The next sight on the way is the so called „stony angel“ carved into stone by wealthy winemakers of the seventeenth and eighteenth century. The relief has a height of about two metres and a length of four meters. It was alegedly done to decorate the vineyards.
The mill of the Kroppen valley
On our way we meet another walker. We ask him whether they are any mills around here at all. He tells us that most mills cannot be recognized as they look like normal houses and the mill wheels are mostly inside the buildings. Ah that tells it all. He also tells us that there are another two mills to come. One of them is the Kropp valley mill which has a sign to it. Actually we find that mill and a kind of happy that we do not have to go away empty-handed.
Saalewasser is so tasty!
Lucky enough we pass by a mulled wine booth on our left hand side. It is of course „mulled wine-to go“ directly from a wine-grower. What a nice surprise. The „Alte Felsenkeller“, the name of the guesthouse, offers own creations. I order a „Saalewasser“ made of black tea, wine, rum and eau de vie. The tonic mixture seems to be just the right thing upon these temperatures. Slowly but surely our animal spirits return.
