Christina/ November 1, 2020/ Alltagsgeschichten

Angefixt von der „Grünen Runde“ oberhalb von Wildemann ging es an diesem Samstag nach St. Andreasberg. Im Internet hatte ich den Höhenwanderweg rund um St. Andreasberg entdeckt. Laut Wetter-App sollte der Tag richtig sonnig und warm werden. Naja, das hat nicht ganz geklappt, schön war es trotzdem, denn Nebelstimmung am 31.10, also an Halloween, hat ja auch etwas für sich.

Bäume im Nebel
Wir starten den Rundweg um die Bergstadt St. Andreasberg wie empfohlen an der Jordanshöhe. Der Parkplatz Wettertanne liegt etwas außerhalb der Bergstadt auf einer Anhöhe. Als wir losgehen nieselt es leicht, aber noch sind wir zuversichtlich, dass sich die Sonne noch zeigen wird. Ein bzw. zwei erste Hindernisse stellen sich uns auf Höhe des Bergbauernhofes Neigenfindt in den Weg: Zwei Hunde kommen bellend, aber schwanzwedelnd auf uns zu. Wir passieren ungebissen und tauchen in den Nebel ein.

Der Nebel ist so feucht, dass sowohl meine Hose als auch meine Jacke in kurze Zeit nass sind, also Schirm raus. Die Stimmung sinkt ein wenig ab. Das Wetter sollte doch gut werden. Aber was soll’s, es ist ja Halloween, da darf es auch mal nebelig und nieselig sein. Auf dem ersten Teil der Wanderung sehen wir also erst einmal nichts. Aus dem Wald heraus kommen wir nach St. Andreasberg und erklimmen dort auf einem sehr schönen schmalen Pfad den Galgenberg. Der Nebel verzieht sich stellenweise und wir genießen die ersten schönen Ausblicke über die Stadt. Das stimmt uns wieder ein wenig versöhnlich und hoffnungsvoll für den weiteren Weg.

Die armen Sünder auf der Schiefen Halben
Vom Galgenberg geht es wiederum kurz durch den Ort bis wir die Arme-Sünder-Gasse erreichen. Oh je, ob das wohl die Gasse war, die die „armen Sünder“ auf dem Weg zum Galgenberg beschreiten mussten? Wir erreichen die nächste Weggabelung, überqueren die Brücke der ehemaligen Zahnradbahntrasse und wandeln auf dem Fußweg „Schiefe Halbe“. Auf diesem Teilstück des Höhenwanderweges stellt sich ein erstes Aha-Erlebnis ein.

Eine Landschaft wie bei Casper David Friedrich
Auf einer Parkbank machen wir eine kurze Rast, um den fantastischen Ausblick ausgiebig genießen zu können. Vor uns liegt ein wahrer Augenschmaus, das Zusammenspiel aus Bäumen in ihrem schönsten Herbstkleid, vorüberziehenden Nebelschwaden und grünen Hügeln, die wie ein Samtteppich wirken. Dazu liegt im Hintergrund die Bergstadt St. Andreasberg. Herrlich, durchatmen und einfach genießen.

Nur schwer können wir uns von diesem Anblick losreißen. Wir wandern auf dem sogenannten Hüttenweg weiter, nehmen dann aber nicht die Abbiegung nach links, sondern gehen zunächst zum Aussichtspunkt Rosstrappe (nicht zu verwechseln mit dem Pendant in Thale). Anschließend wählen wir den „Umweg“ über den Glockenberg, der sich aber durchaus lohnt. Von hier aus geht es zurück zum Wäschegrund.

Steiler Anstieg auf den Matthias-Schmidt-Berg
Jetzt wird es richtig anstrengend. Durch den Köhlergrund geht es auf rund 3 km nur noch steil berghoch auf den Matthias-Schmidt-Berg. Puh, oben angelangt begrüßt uns eine Schaar von Mountainbikern, die sich im Downhill-Erlebniszentrum nochmal so richtig austobt, bevor am Montag der „Lockdown light“ beginnt. Zum Glück hat die „Mountainbiker-Kneipe“, die Matthias-Baude, auch noch offen, sodass wir auf einen Kaffee einkehren. Ja, hier herrscht noch das pralle Rockerleben, als gebe es kein Morgen. Die Pommes-Portionen sind riesig, die Biker-Montur ist dreckig vom Matsch, die Stimmung ist bestens. Aus dem Radio dröhnt rockige Stimmungsmusik, es ist ein Moment der Normalität – das tut gut.

Über Wald und Wiesen
Ein letztes Teilstück liegt noch vor uns. Das Wetter hat sich ein wenig gebessert. Die Sonne hat es zwar nicht durch die Wolken geschafft, aber immerhin hat der Nieselregen aufgehört. Wieder geht es vorbei an herrlichen Bergwiesen, wir genießen die letzten Blicke auf die Stadt bevor wir am Landschulheim vorbeikommen und wieder die Jordanshöhe erreichen.

Wir sprechen Esperanto
Auf der Rückfahrt nach Seesen halten wir noch in Sieber an. Dort hatte ich auf dem Hinweg eine Kirche mit Schieferfassade entdeckt, die ich mir noch anschauen möchte. Zudem war mir aufgefallen, dass sowohl beim Ortseingang als auch -ausgang Schilder mit einer Sprache standen, die zunächst wie Spanisch aussah. Tatsächlich handelt es sich um die Sprache „Esperanto„, eine Plansprache, die wohl der Völkerverständigung gilt.

Es geht zurück nach Seesen. Ein wenig Wehmut kommt bei mir auf. Ob das wohl meine letzte Harzwanderung in diesem Jahr war?

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