[:de]Corona-Tagebuch: Die 1000 €-Frage[:en]Corona-diary: The 1000 Euro-Question[:]

Christina/ August 30, 2020/ Alltagsgeschichten

[:de]An diesem Samstag geht es zum Salzgittersee, einem Naherholungsgebiet. Eine Freundin hatte den Vorschlag gemacht. Gute Idee, denke ich, da war ich nämlich noch nicht. Am Ende der Tour heißt es einhellig: „Nie wieder Salzgitter.“ Unterwegs wird uns die 1000 €-Frage gestellt und wir erleben, dass die Menschen in Salzgitter-Beddingen Samstagmittag mit leeren Vodkaflaschen herumlaufen. Zudem können wir unseren Kaffeedurst erst sehr spät löschen, erleben dafür aber eine Geschichtsstunde der besonderen Art.

Zwei Polen und eine Tasche voller Vodkaflaschen
Zugegeben: Als ich das Stichwort „Salzgitter“ hörte, bin ich schon etwas skeptisch. Schließlich war ich zuletzt selbst dort unterwegs gewesen und war doch wenig beeindruckt sowohl von den Fahrradwegen als auch von den landschaftlichen Schönheiten. Aber, ich lasse mich ja gerne überraschen und zu zweit wirken viele Strecken sowieso viel schöner.

Wir starten am Ringgleis in Braunschweig, fahren zum Westpark und erreichen schließlich Groß-Gleidingen. Wir entdecken ein Hinweisschild zur Schleuse Salzgitter in Üfingen – wir fahren hin. Da entdecken wir einen Radweg direkt am Stichkanal Salzgitter und folgen dem Weg. Auf der Höhe von Salzgitter-Beddingen erreichen wir den Hafen. Hier treffen wir auf ein polnisches Schiff mit zwei Besatzungsmitgliedern. Wir überlegen kurz, ob wir an Bord gehen sollen. Entscheiden uns dann aber anders.

Nach einigen Irrwegen, leider oft auf der Landstraße, kommen wir nach SZ-Beddingen. Es ist Samstagmittag. Es ist fast niemand auf der Straße. Naja, außer einem jungen Mann, den wir anhalten, um nach dem Weg zu fragen. Während meine Freundin mit dem jungen Mann redet, entdecke ich, dass sein Einkaufsbeutel voll ist mit leeren Vodkaflaschen. Naja, was soll man schon machen in SZ-Beddingen?

Ein geschlossenes Dorfcafé
Bereits an der Brücke, die vom Ort über den Stichkanal führt, sehen wir die erste Werbung für das Dorfcafé in Alt-Bleckenstedt. Das macht uns Hoffnung. Wir fahren noch einmal am Stichkanal entlang, da kommt auch schon Schacht Konrad ins Blickfeld. Wir radeln in den Ort hinein. Das Café ist gut ausgeschildert, wir werden sofort fündig. Dann ereilt uns die große Enttäuschung: coronabedingt hat das Café nur am Sonntag offen.

Die 1000 €-Frage
Nun, diese Niederlage müssen wir einstecken. Bleibt aber noch die Frage, wo es nun zum Salzgittersee geht. Das NAVI zeigt eine andere Route an als die Fahrradschilder. Da kann nur ein Einheimischer helfen. Ich hatte bereits einen älteren Herren mit seiner „Fußhupe“ dabei beobachtet wie die beiden spazieren gehen. Der Mann trägt standesgemäß Trainingshose und Schlabberoberteil. Gut, wozu auf dem Dorf schick machen? Ich denke nochmals an den jungen Mann mit den leeren Vodkaflaschen – na, vermutlich hat der ältere Herr diese Phase bereits hinter sich. Übrig geblieben ist die Trainingshose. Zum Spaß sage ich: „Wir fragen den älteren Herren.“ Der ältere Herr mit Hund kommt auf uns zu, so als ob er unsere Frage bereits erwartet hätte. „Hallo“, grüßt ihn meine Freundin, „darf ich Sie mal was fragen?“ „1.000 Euro“ kommt es aus dem Mund des Herrn, wie aus der Pistole geschossen. „Aha“, sagen wir. Schließlich sagt er uns doch, wie wir nach SZ-Lebenstedt bzw. zum Salzgittersee kommen.

Das Grubenunglück von Lengede
Wir erreichen den Salzgittersee. Der Weg war alles andere als schön. Oftmals verläuft der Fahrradweg direkt auf der Landstraße. Uns ist immer mehr die Lust vergangen. Nein, Richtung Salzgitter möchten wir künftig nicht mehr fahren. Es gibt einfach keine schönen Fahrradwege. Das ist schade.

Den Rückweg wollen wir anders gestalten. Es geht zunächst nach Broistedt und von dort nach Lengede. Der Radweg führt uns an der Gedenkstätte des dortigen Grubenunglücks vorbei. Über Schautafeln tauchen wir in die Geschichte ein und das Unglück, das sich hier im Herbst 1963 ereignete, als 129 Bergarbeiter vom Einbruch eines Bergbau-Klärteiches überrascht werden. Man möchte sich kaum vorstellen, wie schlimm das damals gewesen sein muss.

Vorbei an den Teichen von Lengede geht es zurück. Wir erreichen Vallstedt und fahren von dort Richtung Wolfenbüttel. Kurz vor SZ-Thiede biegen wir Richtung Groß-Gleidingen ab. Wir fahren über die Felder zurück nach Timmerlah. Durch den Westpark geht es zurück zum Ausgangspunkt. „Nie wieder Salzgitter“, wir bleiben dabei und denken über eine Tour nach Gifhorn nach.

[:en]On this saturday we are planning on a tour tot he Salzgittersee, which is a man-made lake serving as a local recreation area. A friend of mine suggested this trip. Good idea I think to myself, I have not been there so far. At the end of the tour we agree upon the impression: „Never again Salzgitter.“
On the way we are asked to pay 1.000 Euro for posing a question and we are witnissing that people in Salzgitter-Beddingen are using the morning for disposing their empty Vodka bottles. Moreover we can satisfy our coffee thirst quite late, however we are spoiled by a history lesson of a special kind.

Two Polish guys and a bag full of empty Vodka bottles
Admittedly: I was kind of doubtful when I heard the keyword „Salzgitter.“ That is because I traveled there myself before and I did neither like the cycle tracks nor the landscape too much. But I am open to anything new and in pairs things sometimes look nicer as they really are.

We start our tour at the Ringgleis in Braunschweig, cross the Westpark and finally reach Groß-Gleidingen. We discover a signpost to the watergate Salzgitter at Üfingen and decide to have a look. By chance we come across a cycle path directly at the branch canal and follow the trail. On the latitude of Salzgitter-Beddingen we reach the harbour. We spot a Polish ship with two guys on board. We think about going on board but we do not carry this thought out.

After some meanders, unfortunately often on tar roads, we reach Salzgitter-Beddingen. It is Saturday noon. There is hardly anybody on the street. Well, beside a young guy. We stop him to ask for the way. Whereas my friend talkst o the guy I see that his bag is full of empty Vodka bottles. Well, what else can you do on a Saturday in SZ-Beddingen?

A closed village café

At the bridge leading from the village across the branch canal to the other side we spot the signpost for a village café. That gives us hope. We drive once again alongside the branch canal and see „Schacht Konrad“ a couple of minutes later. We cycle into the village, Salzgitter-Bleckenstedt. The café is well signposted, the place is easy to find. But, we are in for a big disappointment: due to Corona the café opens only on Sundays.

The 1000 Euro-Question

Well, we have to accept this defeat. Still the question remains how to reach the Salzgittersee. Our GPS shows a different route than the bikeway signs. Ony a local can help us. I have already spotted a funny looking old guy with a dog squeaker taking it for a walk. The man wears – according to his social status – sweatpans and a baggy sweater. Well, there is no use in overdressing at this place anyway. I have to think of the young man with the empty Vodka bottles again. I guess this guy has already put this phase behind him. The sweatpans are the remains of it.

Just for fun I suggest: „Let’s ask the elderly gentlemen“. The guy with the dog comes up to us and the look on his face tells me that he was kind of waiting for our question. „Hello“, my friend says, „can I ask you a question?“ „1.000 Euro“, the guy answers right away. „Oh“, we say and smile. Finally he tells us the way to SZ-Lebenstedt and thus to the Salzgittersee.

Das Grubenunglück von Lengede

We reach the artificial lake. The cylcle towards it is not nice at all. For many times we had to take the tar road and that had put a damper on us. No, we do not want to cycle to Salzgitter no more. It is a pitty but that’s it.

We decide on a different way connection to go back. We go via Broistedt and from there to Lengede. The cycle path bypasses the historical site of the mine disaster which took place there in the 70ies. We literally dive into the history by reading the information boards. In autumn 1963 129 mine workers were dumbfounded by the collapse of a sedimentation-pond. I cannot imagine how bad and scary this must feel.
Passing by the lakes of Lengede we continue our way back. We reach Vallstedt and head towards Wolfenbüttel. Having almost reached SZ-Thiede we turn into the direction of Groß-Gleidingen again. Via country roads we go to Timmerlah. We cross the Westpark again. We are back. „Never again Salzgitter“ is our result of the day. It is gonna be Gifhorn next time.

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