[:de]Corona-Tagebuch: Zurück in die Altsteinzeit mit den Schöninger Speeren[:en]Corona diary: Back to the Palaeolithic with Schöningen’s lances[:]

Christina/ April 27, 2020/ Alltagsgeschichten

[:de]Keine Frage, die andauernde Corona-Krise geht auch mir auf die Nerven, schränken ihre Regularien doch meine Bewegungsfreiheit ein. Aber es gibt auch Positives zu berichten. Ich bewege mich in Naherholungsgebieten aus meiner Kindheit und entdecke tatsächlich Neues im Alten. Und das wortwörtlich, denn an diesem Sonntag geht es richtig weit zurück bis in die Altsteinzeit. Wir sind wieder im Naturpark Elm-Lappwald unterwegs. Von der Burg Warberg geht es nach Schöningen, vorbei an einem Waldelefanten bis hin zum (leider geschlossenen) paläonpaläon mit den Schöninger Speeren am Ortsausgang der Stadt. Zwischendurch gibt es immer wieder Interessantes zu entdecken.

Durch den Elmgarten über den Waldelefanten zum Schöninger Schloss
Wir starten unsere Tour an der Warberger BurgWarberger Burg. Wir gehen ein kurzes Stück durch den Ort, dann geht es rechts hoch in den Elm. Wir erreichen den ehemaligen Elmgarten und wandern auf einem schönen Trampelpfad durch den Wald Richtung Schöningen. Der Weg ist gut ausgeschildert. Das junge Grün der Bäume wird herrlich durch die Frühlingssonne angestrahlt und leuchtet stimmungsaufhellend durch die Blätter. Nach ca. fünf Kilometern wandern wir linker Hand am BuschhausBuschhaus vorbei und erreichen rechter Hand das Elmhaus. Obwohl die Gaststätte geschlossen ist, ist der Parkplatz voll. Wir nähern uns dem Gebäude und erkennen plötzlich auch vorher das Interesse kommt. Neben dem ElmhausElmhaus steht ein riesiger Waldelefant. Es ist die naturgetreue Nachbildung des größten Elefanten, der je auf unseer Erde gelebt hat und das in Schöningen! Wer häb’s gedacht. Erst seit 2018 steht das 4,15 m hohe Denkmal hier wohl, naja, dann konnte ich es ja nicht kennen. Der Elefant ist auf jeden Fall ein tolles Fotomotiv, wie es die kleine Menschansammlung vor dem Tier verdeutlicht.

Wir wollen weiter Richtung Schöninger Schloss laufen. Vom Elmhaus sind es ca. 1,5 km. Wir kommen durch eine Wohnsiedlung wie aus einer anderen Zeit. Für mich symbolisieren die eng stehenden Einfamilienhäuser das Spießertum schlechthin. Keiner auf der Straße; Gartenzwerge und anderer Rasenzierrat prägen das Landschaftsbild soweit das Auge reicht. Kindheitserinnerungen aus der Helmstedter Enge werden wach. Dieser werden zum Glück aber schnell verscheucht als wir einen kleinen Volkspark erreichen und kurz darauf das Schöninger Schloss erblicken. Es ist eine kleine aber feine Anlage, die unser Auge erfreut. Die Bänke in der Sonne laden uns zu einer Rast ein. Auf dem Burgplatz entdecken wir noch eine Eisdiele mit Straßenverkauf. Auch wenn es Eis nur noch in Bechern und nicht mehr in der Waffel gibt (Stichwort: „Draußen nur Kännchen“) ist unser Glück perfekt.

Der paläon-Weg
Wir schlendern gemütlich durch die Innenstadt und sind sehr erstaunt, was es hier alles zu entdecken gibt. Abgesehen von der teilweise etwas abenteuerlichen Architektur der Häuser, das ist vom Fachwerk bis zur modernen Beton-Scheußlichkeit alles dabei, treffen wir auf die WassermaidWassermaid, das HeimatmuseumHeimatmuseum und die majestätisch wirkende Kirche St. Vincenz. Wir wollen noch die zusätzlichen 2,5 km bis zum paläon bezwingen, bevor wir dann auf dem gleichen Weg nach Warberg zurück maschieren.

Wir verlassen die Innenstadt und kommen an einer sehr interessanten Wohnsiedlung vorbei, die für die Arbeiter des Braunkohletagebaus errichtet wurde. Kurze Zeit später passieren wir die Schrebergartenanlage Sonnenland e.V. und erblicken sogleich das in der Sonne funkelnde Gebäude des paläons. Natürlich ist das Museum geschlossen. Allerdings ist es nicht erst durch die Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten, das paläon hatte bereits vorher Finanzierungsprobleme, die zahlreiche Zeitungsartikelzahlreiche Zeitungsartikel belegen. Schnell wird auch deutlich warum. Der futuristisch anmutende Bau liegt direkt neben dem ehemaligen Tagebau und in Sichtweite vom Kraftwerk Buschhaus, im Umkreis wiesenartige Steppen. Freundlich ausgedrückt: außer Speeren nichts gewesen.

Ein Sensationsfund isst noch kein Tourismusmagnet
Es ist nicht abzustreiten: der Fund der sogenannten sieben Schöninger Speere, die auf die Altsteinzeit datiert werden, ist sicherlich eine Sensation. Aber reicht das aus, um ein Museum drumherum zu bauen, das einen Anziehungspunkt für Touristen darstellen soll? Nun offensichtlich nicht, sonst wäre die Einrichtung nicht in monetären Schwierigkeiten geraten. Allein, es fehlen die Attraktionen in der nächsten Umgebung. Es ist schwer zu glauben, dass Interessierte aus anderen Bundesländern, wie NRW, Bayern oder Baden-Württemberg, die weite Reise auf sich nehmen, um zwei bis drei Stunden im paläon zu verbringen. Denn die Frage ist, was sollen sie anschließend machen?

Wir laufen gemütlich zum Burgplatz zurück, wandern nochmals durch die Spießersiedlung (da ist immer noch nichts los) und erreichen wieder den Waldrand. Die Sonntagsspaziergänger sind bereits alle wieder zu Hause, sodass wir den Wald für uns ganz alleine haben. Herrlich! Es ist so ein schöner Vorsommertag, sodass wir den Rückweg in vollen Zügen genießen. An der Warberger Burg gönnen wir uns eine weitere Rast in der Abendsonne und blicken auf eine schöne und abwechslungsreiche Wanderung von ca. 20 km zurück. Abschließend bin ich doch überrascht, was sich in Zeiten von Corona in der nächsten Umgebung (wieder-)entdecken lässt.

[:en]There is no doubt about it, the ongoing Corona-Crisis is a pain in the neck. It limits my mobility. But there are also positive aspects to it. I begin to move in local recreation areas and discover new things in well-known places from the past. And that is meant in a litterally sense because this sunday we go back in time, back to the Palaeolithic. Once more we walk across the nature reserve Elm-Lappwald. We start at Warberg and head towards Schöningen, passing by a forest elephant until we reach the paläon (a museum which is closed due to Corona) with its famous lances located at the end of the town. On the way there is always something to discover.

Through the Elmgarden via the forest elephant to Schöningen’s lances
We start our tour at the fortress of Warberg. We cross the village and than turn right reaching the edge of the forest, the so called Elmgarden. From there we continue on a lovely trail right through the forest towards Schöningen. The path is well signposted. The fresh green of the trees is superbly illuminated by spring sunshine and it beams mood enhancing through the leaves. After approximately five kilometres we pass Buschhaus on our left side and reach the Elmhaus on our right side. Even though the tavern is closed the parking lot in front of it is quite packed. We approach the building and suddenly ralize what aroused the public interest. It is the lifelike copy of a forest elephant that has ever lived on earth and that at Schöningen! We learn that the 4.15 metres high monument was errected in 2018. Well that must be the reason why I had not heard of it yet. Anyway, the elephant is a perfect subject for a photo.

We continue towards Schöningen and its castle. It is another 1,5 kilometres away. We are passing a residential neighbourhood that appears as if it belongs to a different era. In my point of view the closely spaced houses symbolize plain narrow-mindedness. Nobody is on the street; garden gnomes and other cheesy decoration characterizes the landscape as far as the eye can reach. There is a revival of awkward childhood memories from the past. Fortunately, these are quickly elemenated when we reach a small public park and shortly afterwards the castle itself. It is a small but nice site that delights the eye. The benches place in the sun are inviting us for a rest. In the pedestrian zone we spot an ice-cream parlour offering street sale. Even though the ice-cream is only served in paper cups these days and not in cones any more we still enjoy our treat.

The paläon-way
We stroll up the pedestrian zone and are quite astonished about the variety of sights to see. Apart from the party venturesome domestic architecture – it has it all: from half-timbered work to concrete-horridness – we come across the water maid, the local museum and the impressive church of St. Vincenz. We plan to walk for another 2.5 kilometres to reach the paläon before we return to our starting point in Warberg.

We leave the inner city and pass by a very interesting housing complex which has been errected to accommodate workers from the brown coal mining. Just some minutes later we walk past an allotment and finally catch sight of the paläon building glittering in the sunshine. Of course, the museum is closed as well. However, the financial straights the institution got into are not caused by the crisis. The facility was in trouble before. And I realize why. The futuristic building is located between the former open cut mining, the power plant Buschhaus and grassy steppe. In polite words: the location is simply unattractive.

A spectacular discovery does not make a tourist magnet
You cannot deny it: the finding of the so called seven Schöninger lances that stem form the Palaeolithic is sensational. But that fact alone seems not to be sufficient for constructing a museum around it. The location itself was meant to be a tourist attraction, however, it did not work, the financial burden makes that clear. The point is, the site lacks the attractions around it. People are not willing to drive for three or more hours just to see some ancient lances. The question is what can they do afterwards?

We stroll back to the castle square, pass by the housing complex of the narrow-minded again (there is still nobody on the street) and reach the edge of the forest again. The sunday strollers have gone home already, the forest is ours! Awesome! It is such a nice pre-summer day and we enjoy the way back to its fullest. Having reached the fortress of Warberg again we enjoy another rest in the evening sun. After the hike I am somehow impressed how much can be discovered and experienced within cooee.

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