Christina/ Oktober 22, 2011/ Philosophisches

In diesen Tagen passiert so viel, dass man gar nicht weiß, wie man alles (ein)ordnen soll. Gaddafi ist tot, die Amerikaner ziehen ihre Truppen aus dem Irak ab, der Iran plante angeblich einen Mordanschlag auf den saudi-arabischen Botschafter in den USA, in Europa und Amerika gehen die Menschen gegen die Macht der Banken auf die Straße und der Rettungsschirm für Griechenland hat sich von einem Knirps zu einem ausgewachsenen Sonnenschirm gemausert. Ach ja, und ganz nebenbei hat König Abullah angekündigt 70.000 neue Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen zu schaffen!? Hm, wie? Geht es da nicht um jenes Königreich auf der Arabischen Halbinsel, in dem Frauen kein Auto fahren dürfen, geschweige denn einen Pass besitzen, um zu verreisen?

Die Orientierungslosigkeit dürfte selten größer gewesen sein. Am vergangenen Donnerstag, 20.10.2011, fanden 40-Jahre-Gewaltherrschaft Gaddafis ihr Ende. Der ARD-Brennpunkt vom vom selben Tag thematisiert die Annahme, dass Gaddafi bei seiner Festnahme noch am Leben gewesen sei. Ein Kopfschuss, so wird gemutmaßt, soll die spätere Todesursache des ehemaligen Diktators gewesen. Am nächsten Tag dann die Meldung, dass aufgrund der Autopsie nicht zu ermitteln sein, wer Gaddafi wirklich getötet hat, sprich war es die NATO, war es ein Racheakt der Rebellen oder ist er „nur“ im Gefecht so schwer verletzt worden, dass er an seinen Verwundungen starb. Einen Tag später dann die Forderung der UNO um Klärung der genauen Todesursache. Die Organisation mahnen eine Untersuchung des Leichnams an, um eine Hinrichtung durch die Rebellen ausschließen oder aufdecken zu können. Der Verdacht, dass mal wieder mit zweierlei Maß gemessen wird liegt nahe. Wo waren die Forderungen der UNO als Osama bin-Laden im Mai auf pakistanischem Hoheitsgebiet von US-Soldaten hingerichtet wurde, anstatt ihn rechtmäßig vor ein Gericht zu stellen, wo alle Welt die Verhandlung und wahrscheinlich die Verurteilung des Massenmörders hätte miterleben und nachvollziehen können? Und: Hat jemand bis heute Bilder der angeblichen Seebestattung bin-Ladens gesehen durch die Amerikaner gesehen?

Fragen blieben auch offen nach den plötzlichen Anschuldigungen der USA, dass der Iran die Ermordung des saudischen Botschafters in New York in eine Restaurant plante und zur Durchführung angeblich (neben anderen Mutmaßungen) Kontakt mit einem mexikanischen Drogendealer aufgenommen hätte, der zufällig ein Informant der Amerikaner ist. Klingt irgendwie schräg oder? Unwillkürlich fühlt man sich in das Jahr 2003 zurückversetzt als ein anderer US-amerikanischer Präsident steif und fest behauptete, dass der Irak Massenvernichtungswaffen hätte und man deswegen dort einmarschieren müsse, um sich zu verteidigen.

Zurück zum Ausgangspunkt, zu Gaddafis Tot und der Frage, ob es sich der „Westen“ wirklich erlauben kann, an nicht-westlche Ländern andere Maßstäbe für Menschenrechtsverstöße anzusetzen, als er das bei sich selber tut?

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