Christina/ September 26, 2011/ Philosophisches

SO HEISS GEGESSEN WIE GEKOCHT

Premiere

Am Freitag gab die Berliner Compagnie die Premiere des Stückes „So heiß gegessen wie gekocht“ in der Braunschweiger Brunsviga. In dem Stück, das den Untertitel „Klimakatastrophe mit Musik“ trägt, geht es aber nicht nur um den Bau eines Kohlekraftwerks oder besser gesagt um die Verhinderung desselbigen, sondern auch um das Schicksal eines Flüchtlings. Des Flüchtlings Ibrahim, der die weite, beschwerliche und vor allen Dingen gefährliche Reise aus Afrika nach Deutschland auf sich genommen hat, nur, um in ein Land zu kommen, dass ihn weder als Menschen respektiert, noch von seinem Schicksal wissen will.

Mit diesem Schicksal ist Ibrahim leider nicht alleine. Ganze Völker, wie z.B. das Volk der Palästinenser scheinen sein Schicksal zu teilen. Und besonders letzteres in Form seines Präsidenten Abbas beschäftigte die „hohe“ Politik und ein Rudel Diplomaten in der vergangenen Woche. Was war passiert? Vor einem Jahr hatte der amerikanische Präsident Obama den Palästinensern in einer Rede vor der UN-Generalversammlung einen eigenen Staat versprochen. Diesen gibt es bis heute nicht. Ist es überraschend, dass Abbas nunmehr genau dieses in der diesjährigen UN-Generaldebatte einfordern will? Obama, der sein Veto im Sicherheitsrat angekündigt hat, wirkt hilflos angesichts der Entschlossenheit der Palästinenser.

Aber nicht nur in dieser wichtigen Angelegenheit macht der amerikanische Präsident eine schlechte Figur. Am letzten Donnerstag wurde der seit 20 Jahren – höchst wahrscheinlich zu unrecht – inhaftierte Afro-Amerikaner Troy Davis mit der Giftspritze hingerichtet. Dass es in einem Land, in dem der Präsident Träger des Friedensnobelpreises ist, immer noch die Todesstrafe gibt und diese in nachweislich vielen Fällen ohne hinreichende Beweise (vorrangig an farbigen Bürgern) vollstreckt wird, ist einfach unfassbar und macht sprachlos.

Zu recht spricht Christina Bergmann in ihrem Artikel vom 22.09.2011 von einer entzauberten Supermacht, die den Arabischen Frühling einfach verschlafen hat. Denn „die Initiative der Palästinenser-Führung ist […] Ausdruck einer berechtigten Ungeduld: Wie lange will die internationale Staatengemeinschaft, wie lange will vor allem Israel selbst noch warten, bis es dem palästinensischen Volk endlich eine glaubwürdige Perspektive für eine baldige Staatsgründung zugesteht“, fragt Rainer Sollich in seinem Artikel „Sicherheitsrisiko Palästinenserstaat?

Time Out, Barack? Vielleicht war Obama von der Kraft der Social Media, deren Welle ihn entscheidend vom Präsidentschaftskandidaten zum Präsidenten getragen hat, am meisten überrascht und droht mittlerweile überrollt zu werden, weil ihm clevere Politiker aus Frankreich und der Türkei inzwischen das Wasser abgraben und die Zeit als Aufholjagd genutzt haben? In 2012 sind wieder Wahlen in den USA. Das Bedrückende ist, dass die Nebenbuhler Obamas eine noch weniger annehmbare Alternative darstellen, als der jetzige Präsident.

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