Christina/ Mai 4, 2012/ Kultur

„Früher sind hier die Honoratioren von der Gelsenkirchener Straße eingefahren und sind dann im Ehrenhof empfangen wurden, um die ‚Kathedrale der Schwerindustrie‘ zu besichtigen“, so oder so ähnlich beginnt unser erfahrener Führer die Tour durch den Schacht XII der Zeche Zollverein in Essen. Klar, der einfache Arbeiter hat den Ehrenhof nie zu Gesicht bekommen, der war ja auch zum Schuften hier.

Unternehmer Franz Haniel rief 1834 das damals neue Bergwerk ins Leben. 1851 beginnt im Schacht XII der erste Tiefbauzechen mit der Kohleförderung. Gut 80 Jahre später, 1932, wird die neue Kokerei Zollverein, die größte Zentralkokerei Europas, den Betrieb auf. Nochmals gut 50 Jahre später, im Jahre 1986, wird der Schacht XII still gelegt. Weitere sieben Jahre später schließt die Kokerei Zollverein nach 32-jähriger Betriebsdauer endgültig ihre Pforten. Im Jahre 2001 werden der Schacht XII und die Kokerei Zollverein von der UNESCO zum Erbe der Menschheit ernannt.

Zahlen, Fakten, Größenwahn. Zum Glück lässt uns unser „Schachtführer“ auch ein wenig hinter die Kulissen des Glanzes blicken und erzählt, als Sohn einer Bergbaufamilie, aus dem entbehrungsreichen Leben der Kumpels. Wie sie mit Anfang Vierzig mit ihrer Staublunge in den sicheren Tod gingen, weil es keinen Mundschutz gab. Wie sie am wöchentlichen Zahltag von ihren Frauen und Kindern am Eingangstor erwartet wurden, damit sie nicht das ganze Geld in der nahgelegenen Kneipe ausgaben und wie ihnen ihre Söhne mit 14 Jahren in das Bergwerk, mangels Alternative, gefolgt sind, obwohl sie wussten, dass sie das gleiche Schicksal erwartet wie ihre Väter. Reich geworden, so kann man feststellen, sind durch den Knochenjob wohl andere, wie ein Blick auf die Villa Hügel der Krupp-Familie im schönen Essener Süden zeigt.

Share
Share this Post